12 Fragen zum Cultural Mainstreaming
Die Projekte der "Perspektive Berufsabschluss" haben sich verpflichtet, in ihrer Projektarbeit die Ansätze des "Cultural Mainstreaming" zu berücksichtigen. Hier gibt es Antworten zu den 12 wichtigsten Fragen.

FAQ zum Thema "Cultural Mainstreaming"

Die Projekte der "Perspektive Berufsabschluss" haben sich verpflichtet, in ihrer Projektarbeit die Ansätze des "Cultural Mainstreaming" zu berücksichtigen. Sowohl zum Begriff als auch zu rechtlichen und praktischen Belangen tauchen immer wieder Fragen auf, die im Folgenden beantwortet werden sollen.

Von den einzelnen Antworten können Sie immer wieder zu den Fragen zurückspringen.

  1. Was ist „Cultural Mainstreaming“?
  2. Gibt es für „Cultural Mainstreaming“ eine gesetzliche Grundlage? 
  3. Gibt es für „Cultural Mainstreaming“ eine förderrechtliche Grundlage?
  4. Welche Organisationen/Personen betrifft „Cultural Mainstreaming“? 
  5. Was soll durch „Cultural Mainstreaming“ erreicht werden? 
  6. Wie setzt man die Grundsätze von „Cultural Mainstreaming“ in der Praxis um? 
  7. Wer sollte „Cultural Mainstreaming“ umsetzen? 
  8. Gibt es Methoden und Instrumente für die Umsetzung von „Cultural Mainstreaming“? 
  9. Was können erste Schritte bei der Umsetzung von „Cultural Mainstreaming“ sein? 
  10. „Cultural Mainstreaming“, „Interkulturelle Öffnung“, „Diversity Management“: Ist das eigentlich alles dasselbe? 
  11. Was unterscheidet „Cultural Mainstreaming“ von migrantenspezifischen Maßnahmen? 
  12. Wie können die Querschnittsaufgaben „Cultural Mainstreaming“ und „Gender Mainstreaming“ zusammenwirken? 

  

1. Was ist „Cultural Mainstreaming“?

Das Prinzip „Cultural Mainstreaming“ ist ein von der Europäischen Union politisch und gesetzlich verankerter Ansatz für Verwaltungen und Institutionen mit dem Ziel, Personen mit Migrationshintergrund eine gleichberechtigte Teilhabe zu sichern.

Cultural Mainstreaming ist – analog zu Gender Mainstreaming – Teil eines umfassenden Diversity Managements, das Vielfalt nicht als Problem, sondern als Chance versteht.

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2. Gibt es für „Cultural Mainstreaming“ eine gesetzliche Grundlage?

Gesetzliche Grundlagen sind unter anderem

  • die Antirassismusrichtlinie der Europäischen Union [Richtlinie 2000/43/EG des Rates vom 29. Juni 2000 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft] sowie
  • das „Antidiskriminierungsgesetz“ der Bundesrepublik Deutschland [Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz vom 14. August 2006 (BGBl. I S. 1897), das zuletzt durch Artikel 15 Absatz 66 des Gesetzes vom 5. Februar 2009 (BGBl. I S. 160) geändert worden ist].
    Ziel des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ist nach § 1 AGG, „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“

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3. Gibt es für „Cultural Mainstreaming“ eine förderrechtliche Grundlage?

Alle in der aktuellen Förderperiode von 2007 bis 2013 für den Europäischen Sozialfonds (ESF) ausgewählten Projekte können nur gefördert werden, wenn die Vorhaben mit den bestehenden allgemeinen gesetzlichen Regelungen und Fördergrundsätzen übereinstimmen. In dieser Förderperiode wird unter anderem das Querschnittsziel "Chancengleichheit" als zentraler Aspekt verfolgt.

Die Erhöhung der Erwerbstätigkeitsquote von Frauen ist ein strategisches Ziel des Operationellen Programms des Bundes. Außerdem wird eine Vielzahl von Maßnahmen durchgeführt, um Menschen mit Migrationshintergrund, Ältere oder Menschen mit Behinderung eine chancengerechte Teilhabe am Erwerbsleben zu ermöglichen. Zur Verbesserung der Chancengleichheit wird im ESF-Bundesprogramm eine Doppelstrategie aus spezifischen Fördermaßnahmen für Benachteiligte und der Berücksichtigung von Gleichstellung in allen Förderprogrammen verfolgt. Dazu soll in den Programmrichtlinien das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern verbindlich verankert werden.

Auch für „Perspektive Berufsabschluss“ sind diese Ziele deshalb in den Förderrichtlinien festgeschrieben. Dort heißt es, dass „eine Berücksichtigung des Gender Mainstreaming und von migrationsspezifischen und kultursensiblen Ansätzen im Sinne des Cultural Mainstreaming bei der Entwicklung und inhaltlichen Schwerpunktsetzung von Förderangeboten“ erwartet wird [Förderrichtlinie vom 17.01.2008].

In Bezug auf „Cultural Mainstreaming“ bedeutet dies, dass die Projekte von „Perspektive Berufsabschluss“ bei der Umsetzung ihres Vorhabens die Förderung Jugendlicher und junger Erwachsener mit Migrationshintergrund – und insbesondere junger Migrantinnen – als eine vorrangige Aufgabe behandeln müssen.

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4. Welche Organisationen/Personen betrifft „Cultural Mainstreaming“?

„Cultural Mainstreaming“ ist eine Querschnittsaufgabe in Institutionen, Organisationen und Verwaltung. Zum einen soll damit die interkulturelle Öffnung von Verwaltungen, Einrichtungen und Diensten der Kommunen erreicht werden. Zum anderen soll „Cultural Mainstreaming“ als Prüfkriterium an alle politischen Vorhaben und Konzepte angelegt werden, um zu gewährleisten, dass Personen verschiedener nationaler, kultureller und/oder ethnischer Herkunft in ihren unterschiedlichen Lebensbedingungen und Orientierungen berücksichtigt werden.

Die Zielgruppe der Personen mit Migrationshintergrund soll damit nicht nur erreicht, sondern in die Durchführung von Vorhaben gleichberechtigt einbezogen werden. Diese Ansätze fordern nicht nur die Anpassung der Zugewanderten, sondern ebenso Veränderungen der Mehrheitsgesellschaft, damit betrifft „Cultural Mainstreaming“ letztlich alle.

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5. Was soll durch „Cultural Mainstreaming“ erreicht werden?

Durch „Cultural Mainstreaming“ soll erreicht werden, dass Menschen unterschiedlicher nationaler, kultureller und/oder ethnischer Herkunft eine gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen ermöglicht wird.

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6. Wie setzt man die Grundsätze von „Cultural Mainstreaming“ in der Praxis um?

Die Grundsätze des „Cultural Mainstreaming“ können auf verschiedenen Praxisebenen umgesetzt werden. Die im Rahmen des bundesweiten „Perspektive Berufsabschluss“-Begleitprojektes „Mit MigrantInnen für MigrantInnen – Interkulturelle Kooperation zur Verbesserung der Bildungsintegration“ angesprochenen vier Ebenen beziehungsweise Bereiche sind in ähnlicher Form auch als ISO-Normen zur Qualitätssicherung von Organisationen zu finden. Es sind die Managementebene, die Personalebene, die Angebotsebene und die Außendarstellungsebene. Diese vier Ebenen werden von MOZAIK für regionale Netzwerke wie folgt angewendet:

Managementebene:

Interkulturelle Beratung der Netzwerkkoordination

Personalebene:

Interkulturelle Schulung der Netzwerkpartner

Angebotsebene:

Entwicklung von migrationssensiblen Ansprachekonzepten beziehungsweise weiterbildungsbegleitenden Hilfen

Außendarstellungsebene:

Öffentlichkeitsarbeit für das Fachpublikum über die Projekthomepage und die gemeinsame Planung von migrationsspezifischen Fachtagungen

Das Thema Empowerment von Zielgruppenorganisationen beziehungsweise von Vertreterinnen und Vertretern aus Migrantenorganisationen als Bildungsbeauftragte spielt in den Netzwerken auf allen vier Ebenen bei der Umsetzung der Grundsätze von „Cultural Mainstreaming“ eine wichtige Rolle.

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7. Wer sollte „Cultural Mainstreaming“ umsetzen?

„Cultural Mainstreaming“ sollte von allen öffentlichen beziehungsweise öffentlich geförderten Institutionen, Organisationen und Einrichtungen umgesetzt werden. Das setzt ein Dienstleistungsverständnis voraus, nach dem alle Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ein qualitativ hohes und gleichberechtigtes Angebot erwarten können. Mit diesem Anspruch richtet sich das Konzept letztlich an jede Organisationsform.

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8. Gibt es Methoden und Instrumente für die Umsetzung von „Cultural Mainstreaming“?

„Cultural Mainstreaming“ kann mithilfe verschiedener Methoden umgesetzt werden. In der Praxis hängt es von den Erfahrungen und Instrumenten der jeweiligen Organisationen ab.

Als ein erfolgreiches Mittel in der Angebotsentwicklung von Förderprogrammen erwies sich die Ansprache und Einbeziehung der Migrantenorganisationen in die regionalen Netzwerke sowie Benennung und Zusammenarbeit mit ausgewählten Verantwortlichen wie beispielsweise Integrationsbeauftragte oder Vertreterinnen und Vertretern von Migrantenorganisationen als Bildungsbeauftragte.

Auf der Ebene der Organisations- und Personalentwicklung bieten sich Instrumente wie Schulungen zu Interkultureller Kompetenzerweiterung oder die Verankerung von Cultural Mainstreaming im Unternehmensleitbild der Einrichtung.

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9. Was können erste Schritte bei der Umsetzung von „Cultural Mainstreaming“ sein?

Bei der Umsetzung von „Cultural Mainstreaming“ ist es wichtig, zunächst ein Bewusstsein für das Thema herzustellen. Ein erster Schritt kann dabei die Beschreibung des Ist-Zustandes einer Organisation oder Institution sein. Als Prüfkriterien für die Beurteilung können dazu folgende Fragen herangezogen werden:

  • Wie ist das Verhältnis von Arbeitskräften mit und ohne Migrationshintergrund?
  • Wie verteilen sich Positionen und Aufgabenfelder auf Arbeitskräfte mit und ohne Migrationshintergrund?
  • Werden Fragen der Gleichstellung von Personen mit und ohne Migrationshintergrund thematisiert?

Aus der Ist-Analyse mittels dieser und weiterer Fragen lässt sich ein auf die jeweilige Einrichtung abgestimmtes Konzept von „Cultural Mainstreaming“ – ein sogenannter Soll-Zustand – formulieren und schrittweise umsetzen.

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10. „Cultural Mainstreaming“, „Interkulturelle Öffnung“, „Diversity Management“: Ist das eigentlich alles dasselbe?

Der umfassendere Begriff Diversity bedeutet Vielfalt und schließt alle Unterschiede ein, die Individuen mitbringen. „Diversity Management“ ist ursprünglich ein Konzept aus der Unternehmensführung: Die Verschiedenheit der Beschäftigten soll zum Vorteil des Unternehmens genutzt werden. Die Unterschiede – ob nun äußerlich wahrnehmbare wie beispielsweise Geschlecht, Ethnie, Alter oder Behinderung oder subjektiv konstruierte wie zum Beispiel sexuelle Identität, Lebensstil, Weltanschauung oder Religion – sollen nicht nur toleriert, sondern über eine explizite Wertschätzung produktiv für den Unternehmenserfolg eingesetzt werden.

Das Konzept „Cultural Mainstreaming“ dagegen ist ein politisch und gesetzlich verankerter Ansatz für Verwaltung und Institutionen. Im Gegensatz zum Konzept des „Diversity Managements“ ist „Cultural Mainstreaming“ ein politisch ausgerichtetes Konzept, das als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe verstanden wird. Es formuliert Grundsätze gleichberechtigter Teilhabe von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die als Prüfkriterien bei der Umsetzung dienen.

Die „interkulturelle Öffnung“ ist die Umsetzung der im „Cultural Mainstreaming“ formulierten Ziele in der Praxis. Sie ist damit der zielgerichtete Umsetzungsprozess in Organisationen.

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11. Was unterscheidet „Cultural Mainstreaming“ von migrantenspezifischen Maßnahmen?

Migrantenspezifische Maßnahmen sind Förder- und Unterstützungsprogramme, die eigens auf die besonderen Belange von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind. „Cultural Mainstreaming“ dagegen ist ein Prüfinstrument für die Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenssituation von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Maßnahmen, Projekten und Entscheidungen.

Cultural Mainstreaming“ ist damit keine migrantenspezifische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Strategie, aber sie kann zur Überprüfung migrantenspezifischer Maßnahmen eingesetzt werden.

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12. Wie können die Querschnittsaufgaben „Cultural Mainstreaming“ und „Gender Mainstreaming“ zusammenwirken?

„Cultural Mainstreaming“ und „Gender Mainstreaming“ im Zusammenhang zu betrachten, eröffnet einen mehrdimensionalen Blick auf Heterogenität. Die Zugehörigkeit zu einer Geschlechtergruppe ist in vielen Kontexten kein isoliertes Unterscheidungsmerkmal, sie kann aber durch weitere Merkmale wie Hautfarbe oder Herkunft zu einer doppelten Differenzierung führen. Diese Mehrdimensionalität von Unterschieden lässt sich im Zusammenwirken von „Cultural Mainstreaming“ und „Gender Mainstreaming“ häufig leichter erkennen und kann zu einer mehrdimensionaleren Praxishandhabung von Diversität führen.

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