Freiburg
SeNO - Service Nachqualifizierung Oberrhein – Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung junger Erwachsener ohne Berufsabschluss. Modellhafter Auf- und Ausbau auf Dauer ausgerichteter Kooperations-, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen im Handwerkskammerbezirk Freiburg
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Übersicht

Kontakt

Dieter Westendorff
Projektleiter
Handwerkskammer Freiburg
Linnéstraße 5
79110 Freiburg

Tel.: 0761-660922-50
E-Mail: Dieter.Westendorff@foege-hwk.de
Internet: www.senoweb.de/

Ausgangslage

Im Handwerkskammerbezirk Freiburg mit den Arbeitsagenturbezirken Offenburg, Freiburg und Lörrach beträgt der Anteil an- und ungelernter Beschäftigter im Durchschnitt ca. 20 Prozent (ca. 90.000). Unter den Arbeitslosen haben rund 40 Prozent keinen Berufsabschluss. Der Anteil jüngerer Erwerbstätiger ohne Berufsabschluss beträgt ca.15 Prozent (ca. 14.000) und der Anteil bei den ausländischen Erwerbstätigen liegt über 36 Prozent. Das Arbeitslosigkeitsrisiko von An- und Ungelernten im Bezirk der HWK Freiburg ist deutlich erhöht, insbesondere wenn sie über einen Migrationshintergrund verfügen.

Die vielfältigen Angebote in der Region zur Weiterbildung im gewerblich-technischen Bereich beziehen sich beispielsweise auf die Bildungsbausteine des ZWH zur Nachqualifizierung oder die Ausbildungsbausteine des BiBB für Altbewerberinnen und Altbewerber. Sie basieren auf den Angeboten der regionalen Weiterbildungsträger und auf Angeboten der HWK Freiburg, wie dem unter www.wissen-hoch-drei.de modular abrufbaren Bildungsbaukasten für 11 Branchen.

Ein bestehendes loses Netz von Kooperationen zwischen Kammern, Arbeitsagenturen und ARGEn, Unternehmerverbänden, Weiterbildungsträgern und Migrationsdiensten führte bisher noch nicht zu ausreichenden Abstimmungsprozessen und Erfolgen bezüglich abschlussbezogener Nachqualifizierung. Daneben sind die Finanzierungsinstrumente der Agenturen für Arbeit beziehungsweise der ARGEn den Arbeitgebern und Nachfragenden häufig nicht oder nur unzureichend bekannt oder wenig kompatibel zu den regionalen Weiterbildungsangeboten.

Damit stellt sich die aktuelle Weiterbildungssituation in der Region als nicht zukunftsfähig dar. Im Bezirk der HWK Freiburg existieren derzeit zu wenig abgestimmte und tragfähige Kooperationsstrukturen bezüglich einer abschlussbezogenen modularen Nachqualifizierung, die von interessierten Firmen und Personen in der Praxis genutzt werden.

Ziele

Der dargestellte Qualifizierungsbedarf mit der ungenügenden Angebotsstruktur ist Ausgangspunkt für die geplanten Aktivitäten des Projekts. Es geht hierbei vor allem darum, ausgehend von den vorhandenen regionalen Kooperationsstrukturen ein tragfähiges und transparentes Netzwerk zu entwickeln, das die am Arbeitsmarkt tätigen Akteure - Kammern, Agenturen für Arbeit, ARGEn, DGB, Weiterbildungsträger, Migrantenorganisationen - stärkt und dauerhafte Kooperationsstrukturen erzeugt. Notwendig ist die Einrichtung einer Servicestelle zu allen Fragen der Nachqualifizierung (NQ) als kompetente Schnittstelle zwischen den Firmen, den An- und Ungelernten und den regionalen Bildungsträgern.

Umsetzungsstrategie

Informationsveranstaltungen und intensive zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit bereiten die Aktionen vor und begleiten diese. Qualifizierte Befragungen von Arbeitgebern vor Ort ergeben in der Auswertung den regionalen und branchenspezifischen Bedarf an Nachqualifizierung, nach dem die Weiterbildungsträger und Finanzgeber der Region ihre Angebote ausrichten. Über eine Internetplattform werden die Dienstleistungen des Projekts transparent und individuell abrufbar sein. Firmenseminare sensibilisieren Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Personalverantwortliche für das Thema Nachqualifizierung. Die Firmen erfahren eine weitreichende Unterstützung bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, kooperieren bei der Durchführung des Projekts und tragen so zur Verstetigung der Ziele bei.

Umsetzungsstand August 2011

Die Arbeit der Bildungsberaterinnen und -berater von SeNO fokussiert sich auf folgende Themen:

  • Ermittlung betrieblicher Bedarfe über eine ausführliche Betriebsbefragung vor Ort und Aufbereitung der Ergebnisse, um entsprechende modulare Nachqualifizierungs-Angebote zu schaffen,
  • fachliche Unterstützung und fortlaufende Begleitung bei Konzeptionierung und Durchführung modularer Nachqualifizierungs-Angebote,
  • Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit zur Etablierung modularer NQ in der Region Südlicher Oberrhein,
  • Teilnehmenden-Coaching in der individuellen modularen Nachqualifizierung oder im Rahmen von Gruppenmaßnahmen.

Ermittlung betrieblicher Bedarfe und Unterstützung bei modularen Nachqualifizierungs-Angeboten

Das Projekt SeNO der Handwerkskammer Freiburg hat bisher 2.230 Betriebe angeschrieben und 656 Betriebsbefragungen vor Ort durchgeführt. Die Ergebnisse der Betriebsbefragung werden fortlaufend ausgewertet, und für Handwerk und Industrie konnten bereits branchenspezifische Bedarfe ermittelt und diese in konkrete NQ-Maßnahmen überführt werden. In Kooperation mit SeNO wurden und werden unterschiedliche modulare Nachhqualifizierungs-Angebote konzipiert und umgesetzt, so z.B. Maßnahmen in den Berufen „Fachkraft für Lagerlogistik/Fachlagerist/in“, „Metallbauer/in“ oder „Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk“. Diese Arbeit, modulare NQ-Maßnahmen auf den Weg zu bringen, geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit, den zuständigen Stellen, den Schulen und den Weiterbildungdienstleistern der Region.

Die modularen NQ-Angebote stehen neben weiteren Angeboten für Betriebe, An- und Ungelernte auf der SeNO-Homepage zum Download zur Verfügung.

Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit

Seit 2009 tagt in regelmäßigen Abständen ein überregionaler Projektbeirat aus Vertreterinnen und Vertretern von drei Arbeitsagenturen, fünf ARGEn, HWK und IHK, DGB, vier Kreishandwerkerschaften und beruflichen Schulen. Seit Projektbeginn hat der Projektbeirat viermal getagt, und die Mitglieder unterstützen konstruktiv die Ausgestaltung des Projekts in strategischer Hinsicht sowie die operative Umsetzung von SeNO. Darüber hinaus wurden drei regionale Arbeitskreise Nachqualifizierung initiiert, die sich seit 2010 im halbjährlichen Turnus pro Region treffen, um auf lokaler Ebene regionalspezifische Strategien abzustimmen. Die regional tätigen Akteure der NQ wie Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitsagenturen, Beruflichen Schulen, HWK, IHK und Bildungsträgern stimmen darin z.B. das gemeinsame Vorgehen bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit für modulare Nachqualifizierung ab.

Darüber hinaus werden die in der Betriebsbefragung von SeNO ermittelten betrieblichen Bedarfe in diesem Kreis besprochen, um daraus gemeinsam NQ-Angebote zu entwickeln. Möglichkeiten der Verbesserung einer regionalen Nachqualifizierung werden diskutiert und Wege geebnet, um die modulare NQ als festen Bestandteil des regionalen Bildungsangebotes zu etablieren.

Am 27.05.2011 veranstaltete SeNO zum zweiten Mal in der Gewerbe Akademie der Handwerkskammer Freiburg eine überregionale Fachtagung zum Thema „Modulare Nachqualifizierung“, bei der sowohl Fachleute über die Möglichkeiten für Nachqualifizierung als auch Bildungsträger über ihre Erfahrungen in der modularen Nachqualifizierung berichteten. Die Veranstaltung bot viel Raum, um den Austausch untereinander zu pflegen und voneinander zu lernen. Neben dieser Fachtagung flankieren z.B. gemeinsam mit der Agentur für Arbeit organisierte Informationsveranstaltungen oder Projektvorstellungen im Rahmen von Innungssitzungen den Projektverlauf und sorgen für Verbreitung in der Öffentlichkeit.

Die Projekthomepage als Servicestelle für Betriebe, An- und Ungelernte verfügt über umfassende Informationen (Flyer, Checklisten und Leitfäden) und Angebote zum Thema modulare Nachqualifizierung und bietet die Möglichkeit, sich auf den aktuellen Stand bezüglich aktueller Angebote und Veranstaltungen rund um das Thema Nachqualifizierung zu bringen.

Das Projekt SeNO und die modulare Nachqualifizierung sind regelmäßig in den Medien, wie z.B. den regionalen Zeitungen, vertreten. 

Teilnehmenden-Coaching

Im Bereich der Beratung und des Coachings von An- und Ungelernten und der Qualifizierung von Teilnehmenden zur Hinführung auf einen Berufsabschluss über eine Externenprüfung wurden bis dato 168 An- und Ungelernte bezüglich modularer Nachqualifizierung beraten. Davon werden aktuell 52 An- und Ungelernte in Gruppenmaßnahmen modularer NQ qualifiziert. 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bereits erfolgreich - entweder über Gruppenmaßnahmen oder über Einzelcoaching - ihren Berufsabschluss über eine Externenprüfung erreicht. 33 An- und Ungelernte sind zurzeit in Beratung, davon sind 10 konkret in einer Nachqualifizierung und auf ihrem Weg zum Berufsabschluss.

Die abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung konnte ihren Bekanntheitsgrad durch SeNO und die Projektaktivitäten mit den Netzwerkpartnern in der Region Südlicher Oberrhein entscheidend erhöhen und einen festen Platz in der Weiterbildungslandschaft einnehmen.

Die Auswertung der Projektergebnisse und die Verstetigung des Geschaffenen über das Projekt hinaus sind Themen, die in der kommenden Projektphase im Fokus der Arbeit von SeNO stehen werden.

 

 
Förderung
Durchführung