Frankfurt
MoNa, Modulare Nachqualifizierung Frankfurt, Hessen, Förderlaufzeit: 01.05.2008-30.06.2012


Kontakt

Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V.
Heddernheimer Landstraße 147
60439 Frankfurt am Main

 


Eine umfassende und abgeschlossene Berufsausbildung ist mehr denn je entscheidende Voraussetzung für die dauerhafte berufliche Entwicklung junger Menschen sowie für die Leistungsfähigkeit von Unternehmen. Der Anteil der 20- bis 29-Jährigen ohne Berufsabschluss beträgt jedoch noch immer ca. 13 Prozent eines Altersjahrgangs.

Gleichzeitig erfordert der drohende Fachkräftemangel in Deutschland die Mobilisierung aller zur Verfügung stehenden Reserven. In Frankfurt setzt sich der hohe Anteil an- und ungelernter Arbeitsuchender hauptsächlich aus der Gruppe junger Menschen zusammen, die über keinen oder über einen für eine qualifizierte Berufsausbildung unzureichenden Schulabschluss verfügt. Weiterhin handelt es sich um junge Menschen, die nicht zuletzt aus den oben genannten Gründen keine Ausbildung angetreten oder abgeschlossen haben.

Kennzeichnend für urbane Ballungsräume wie Frankfurt ist der hohe Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener mit Migrationshintergrund. Während der Anteil Jugendlicher aus Migrantenfamilien an allen gemeldeten Ausbildungsbewerberinnen und -bewerbern im Bezirk der Regionaldirektion Hessen 15,5 Prozent beträgt, steigt er im Agenturbezirk Frankfurt auf 25 Prozent an.

Das übergeordnete Ziel ist die Erhöhung der Berufsabschlüsse durch eine modulare Nachqualifizierung.

Betriebe werden über das Projekt informiert, so dass die vorhandenen und neuen Qualifizierungswege in die betriebliche Personalentwicklung einfließen können. Nachqualifizierung junger Erwachsener soll sich dabei als wesentliches und nachhaltiges Element in der betrieblichen Personalentwicklung etablieren. Die Voraussetzungen und Bedarfe aller Beteiligten werden berücksichtigt. Für die Gruppe der an- und unqualifizierten Personen bis Anfang 30 sollen durch eine Beratungsstelle praktizierbare und flexible Wege zu einem Berufsabschluss aufgezeigt werden.

Bereits existierende Programme werden aufgegriffen und genutzt. Um das Thema nachhaltig in der Region zu verankern, werden Impulse für die Initiierung modellhafter neuer Qualifizierungswege gegeben. Wichtig ist, das Projekt in den Netzwerkstrukturen Frankfurts bekannt zu machen und es gemeinsam mit den verantwortlichen Netzwerkakteuren der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik als ein ständiges Thema zu benennen, Lösungswege aufzuzeigen und somit für die Qualifizierung von An- und Ungelernten nachhaltige Förderstrukturen zu initiieren.

Um das Konzept einer flexiblen, modularen und abschlussorientierten Nachqualifizierung von jungen Erwachsenen in den Betrieben und in den Netzwerkstrukturen der beruflichen Bildung in Frankfurt zu verankern, treten wir in einen Dialog mit den in Frankfurt tätigen Arbeitsmarktakteuren. Die Netzwerkakteure werden angeregt, vorhandene Förderinstrumente stärker auf abschlussbezogene Nachqualifizierung zu lenken, mit den zuständigen Kammern ein praktikables System der Nachqualifizierung und Externenprüfungen zu erarbeiten und letztlich die Zahl Unqualifizierter zu senken, damit dem Beschäftigungsmarkt mehr qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen. Hierfür wird den Betrieben und Multiplikatoren/Multiplikatorinnen der Organisationen, Institutionen und Netzwerke kompetentes Personal für die Beratung zur Verfügung stehen. Langfristig soll die Qualifizierung junger Erwachsener integraler Bestandteil einer betrieblichen Weiterbildungskultur werden und sich als ein Element des Diversity-Management in der betrieblichen Personalentwicklung etablieren.

Ferner sieht die Umsetzung des Konzeptes vor, an- und ungelernte junge Erwachsene über Möglichkeiten der flexiblen, modularen und abschlussorientierten Nachqualifizierung zu beraten. Dazu wird unter anderem eng mit der Arbeitsagentur Frankfurt und dem Rhein-Main-Jobcenter zusammengearbeitet. Über Veranstaltungen, Presse- und Gremienarbeit im Netzwerk, wie über die Frankfurter Fachgruppe Jugend und Arbeit, die in der Nachqualifizierung junger Erwachsener aktiven Bildungsträger wird regelmäßig informiert werden. Außerdem werden Informationen und Beratungen zu Perspektivgesprächen mit Lehrgangsteilnehmenden beziehungsweise Ausbildungsabbrecherinnen und -abbrechern für die Projektverantwortlichen der Träger angeboten. Auch durch regelmäßigen Kontakt zu den verschiedenen Migrantenorganisationen und Frauennetzwerken sollen die Chancen und die Wege zur Erlangung eines Berufsabschlusses über die berufliche Nachqualifizierung bekannt gemacht werden.

Ergebnisse

Das Projekt verfolgte folgende übergreifenden Ziele:

 1. Aufbau einer Kooperations- und Unterstützungsstruktur


Es wurden intensive Vernetzungsstrukturen entwickelt. So basierte die Arbeit darauf, Unternehmen über Fördermöglichkeiten zu beraten, ihren NQ-Bedarf zu ermitteln, passende Angebote für die Zielgruppe zu finden und/oder diese zu initiieren, neue Qualifizierungen konzeptionell mit Betrieben und Bildungsanbietern zu entwickeln. Ansprechpartner waren Unternehmen sowie Berufsverbände der entsprechenden Berufsgruppen (Rechtsanwaltskammer, Pflegeverbände, VhU, Hessen Metall).
Um den Bedürfnissen von Interessierten zu entsprechen, wurde mit anderen Institutionen zusammengearbeitet, wie Frauennetzwerke, Migrantenselbsthilfe, andere Bildungsdienstleister in der Region. Hierbei waren unterstützende Angebote wichtig, wie Kinderbetreuung, Schulen und Horte, Pflegedienste und Beratungsstellen.
Die BA und die JC waren Partner für den gegenseitigen Austausch (WeGebAU, die Hessische Qualifizierungsoffensive, IQ-Netzwerk, Ausbildung junger Männer mit Migrationshintergrund in der Altenpflegeausbildung, beramí).
Die IHK Frankfurt und die HWK Rhein-Main waren Partner in der Umsetzung von Veranstaltungen und bei der Entwicklung und Umsetzung von NQ-Angeboten.
Personalvertretungen, Betriebsräte und Gewerkschaften waren im Kontext der Zusammenarbeit mit Großunternehmen Kontaktpartner von MoNa.
Das HMWVL, HSM und das HKM wurden eng eingebunden und informiert; insbesondere wurden Empfehlungen zur NQ für die Landesregierung durch das Vorhaben ausgearbeitet und weiter gegeben.
Die Schaffung einer nachhaltigen Kooperations-, Unterstützungs- und Beratungs- sowie einer verbindlichen und dauerhaften Kommunikationsstruktur im Netzwerk wurde erreicht.
Unter maßgeblicher Beteiligung von KUBI wurde ein Türkischer Unternehmerverein gegründet, der als einen Zweck die Förderung von Bildung hat.
Es wurden rund 1.500 Betriebe informiert. 160 interessierte Personen wandten sich an MoNa.

2. Entwicklung von Nachqualifizierungsangeboten


Für folgende Berufe wurden Vorbereitungskurse auf den Weg gebracht: Rechtsanwaltsfachangestellte, Logistikberufe, Pflegeberufe. Weitere Modelle für Nachqualifizierung wurden mit einzelnen Betrieben (Hörsmann und Conti) entwickelt. Der mit anderen Trägern gemeinsam entwickelte NQ-Pass wird von der IHK Frankfurt bereits angewendet; der hessenweite Einsatz in den IHKs ist geplant.

3. Auf- und Ausbau des Beratungsangebots


Der entwickelte Leitfaden wird von den Bildungsträgern und Beratungseinrichtungen angewendet. ca. 160 Erwachsene ohne formale Qualifikation wurden über die Beratungs- und Koordinationsstelle in Kooperation mit dem Netzwerk über NQ informiert. Um die Möglichkeiten der NQ für An- und Ungelernte zu verbessern, wurde eine Infrastruktur für die Beratung aufgebaut. Mit dem NQ-Pass für Südhessen und das Rhein-Main-Gebiet erfolgte die Umsetzung eines Qualitätsstandards.

Über 1000 Betriebe wurden bisher im Projekt MoNa Frankfurt über die Möglichkeiten modularer Nachqualifizierungen informiert und beraten. Den Unternehmen wurden verschiedene Programme zur Gestaltung von Nachqualifizierung vorgestellt, und zum Teil wurden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Betriebe direkt über Nachqualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten aufgeklärt. Beschäftigte mit ernsthaftem Interesse an einer Nachqualifizierung wurden in Einzelgesprächen beraten und sind zurzeit teilweise in einer Qualifizierungsmaßnahme. Die Beratung der Beschäftigten war sehr intensiv und bezog sich auch auf organisatorische Fragen, wie z. B. Kinderbetreuung, Finanzierung, zeitlicher Aufwand und Erfolgsaussichten.

Auf Messen und Informationsveranstaltungen, u.a. bei der Agentur für Arbeit, informierten MoNa-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter über Nachqualifizierungsangebote, z.B. über das Programm IFlaS (Initiative zur Flankierung des Strukturwandels), und über die Möglichkeit, die externe Berufsabschlussprüfung bei den Kammern abzulegen.

Im Pflegebereich sind die MoNa-Mitarbeiterinnen zudem als kompetente Ansprechpartnerinnen zum Thema Nachqualifizierung für an- und ungelernte Beschäftigte in der Region besonders bekannt.

Ein Vorbereitungskurs zur externen Berufsabschlussprüfung als Rechtsanwaltsfachgehilfin, initiiert von einer MoNa-Mitarbeiterin, wird zurzeit erstmalig in Frankfurt durchgeführt.

Dem Projekt MoNa Frankfurt, das von verschiedenen Kooperationspartnern getragen wird, ist es gelungen, auch Unternehmen und Beschäftigte mit Migrationshintergrund einzubeziehen. Die Gründung eines türkischen Unternehmervereins mit der Zielrichtung berufliche Qualifizierung und Nachqualifizierung für beschäftigte Arbeiternehmer und Arbeitnehmerinnen steht kurz bevor.

Die Netzwerkarbeit mit den regionalen Arbeitsmarktakteuren wurde weiter ausgebaut und in verschiedenen Arbeitsgruppen und Fachtagungen intensiviert, damit das Thema der Nachqualifizierung in der Region Rhein-Main nachhaltig verankert wird.

Bei einem hessenweiten Expertentag zur Nachqualifizierung mit Vertretern der hessischen Wirtschafts- und Sozialministerien wurden Umsetzungsstrategien für das Land Hessen diskutiert, um dem drohenden Fachkräftemangel langfristig zu begegnen. Zu folgenden Themen wurden Handlungsempfehlungen erarbeitet: Kompetenzfeststellung, qualifizierungsbegleitendes Coaching, Externenprüfung und Pflegebereich.

Zusammen mit weiteren Initiativen der „Perspektive Berufsabschluss“ ist ein Nachqualifizierungspass entwickelt worden, der im Januar 2012 den Kammern in der Rhein-Main-Region vorgestellt wird.

Damit auch nach dem Ende von MoNa das Thema Nachqualifizierung weiterhin in der Region nachhaltig präsent bleibt, erarbeiten die MoNa-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen aktuell einen Beratungsleitfaden. Dieser richtet sich an Beschäftigte in Unternehmen, an Personalentwickler/Personalentwicklerinnen und Personalverantwortliche, an Arbeitnehmervertretungen und an autorisierte Beraterinnen und Berater.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung