Jena
MoNaQu Jena, Thüringen, Förderlaufzeit: 01.05.2008-31.03.2012


Kontakt

Überbetriebliche Ausbildungsgesellschaft
Berufs- und Arbeitsförderungsgesellschaft gGmbH
Ilmstraße 1
07743 Jena


Jena, 2008 die Stadt der Wissenschaft, verfügt als Standort der gewerblich-technischen Wirtschaft, der Forschung und Wissenschaft über eine gute Infrastruktur mit stegig wachsendem Potenzial. Als kreisfreie Stadt arbeitet Jena seit 2005 nach dem Modell der optimierenden Kommune. Der kommunale Eigenbetrieb „jenarbeit“ setzt seither die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB II um.

In der Qualifikationsstruktur der regionalen Unternehmen zeigt sich deutlich der Bezug zum Technologiestandort Jena: Niedrigqualifizierte bzw. fachfremd eingesetzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen lediglich einen Anteil von rund 10 Prozent aller Beschäftigten aus. Die Bereiche Optik, Mechanik, Messtechnik, Elektro, Pharma, Chemie, Kunststoff, Biotec, unternehmensnahe Dienstleistungen und IT-Dienstleistungen entwickeln sich nach wie vor sehr positiv. Das schrumpfende Beschäftigungsfeld für An- und Ungelernte wird langfristig eine unbedeutende Rolle spielen, was wiederum den Bedarf für Nachqualifizierung in der Region widerspiegelt.

Mit dem Projekt „Koordinierungsstelle MoNaQu“ sollte der Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss nachhaltig gesenkt und deren Zukunftschancen verbessert werden. Um die Chancen auf eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt zu erhöhen, wurden gezielte Förderung frühzeitig eingesetzt. Die Förderung sollte flexibel gestaltet werden, um das beschäftigungsbegleitende Nachholen beruflicher Abschlüsse für An- und Ungelernte als zweite Chance zu ermöglichen. Bestehende Förderprogramme von Bund und Ländern (z.B. Bildungsprämie) sollten genutzt werden.

Für die erfolgreiche Etablierung einer nachhaltigen Struktur zur abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung arbeiteten wir bereits mit folgenden Partnern erfolgreich in Netzwerken zusammen:

  • Arbeitgeber aus Industrie, Handwerk und Dienstleistungsgewerbe der Region Jena;
  • Arbeitgeberverbände, z.B. BVMW, IG-Nord, IG-Göschwitz, Kreishandwerkerschaft;
  • Wirtschaftsförderung der Stadt Jena;
  • Agentur für Arbeit Jena, Jobcenter Saale-Holzland-Kreis, Jobcenter der Stadt Jena „jenarbeit“;
  • IHK Gera, HWK Gera, Landesverwaltungsamt Weimar;
  • Qualifizierungspartner zur Vorbereitung der Externenprüfung (zum Beispiel IB, Th. Bildungswerk Bau, IFW Jena, Schott-Zeiss Bildungszentrum).

Die Zielsetzung in Zahlen:
50 arbeitslose und 30 beschäftigte junge Erwachsene ohne bzw. ohne verwertbaren Abschluss sollten über modulare Nachqualifizierung zum externen Berufsabschluss geführt werden.

Ergebnisse

Die Beratungsstelle „MoNaQu“ hat als neutrale, beratende Stelle 104 Teilnehmer und Teilnehmerinnen betreut. Davon mündeten letztendlich 90 in eine Qualifizierung – 56 davon mit dem Ziel des externen Berufsabschlusses. Die Teilnehmer wurden aktiv begleitet und 22 bereits zur Prüfung geführt, 26 haben wir darüber hinaus noch zur Externenprüfung angemeldet. Inhalt der Beratung war jeweils die Feststellung von Kompetenzen, Vorerfahrungen, Neigungen und natürlich der Zugangsvoraussetzungen für den jeweiligen Beruf. Fehlende Ausbildungsinhalte müssen von den Beraterinnen und Beratern erkannt werden. Daher hat es sich bewährt, sehr erfahrene „Bildungsprofis“ in dieser Beratungstätigkeit einzusetzen. Zur Kompetenzfeststellung wurden speziell entwickelte Dokumente verwendet, welche von den Teilnehmenden und/oder vom Arbeitgeber (auch frühere Arbeitgeber) ausgefüllt und Bestandteile des Antragsverfahrens wurden.

Die Berater und Beraterinnen übernahmen das komplette Antragsverfahren mit den jeweiligen zuständigen Stellen. Hier bewährte sich ein fester Ansprechpartner vor Ort. Notwendige Dokumente, Zeugnisse und Zertifikate wurden gemeinsam mit dem Teilnehmer / der Teilnehmerin beigebracht und bei der jeweiligen Kammer eingereicht. Die Prüfung dieser Unterlagen erfolgte in der Regel zeitnah, so dass die potenziellen Teilnehmenden schnell eine Aussage bekam.

Für 23 Teilnehmer und Teilnehmerinnen konnten andere Bildungswege organisiert werden (betriebliche Ausbildung, schulische Ausbildung, geförderte Ausbildung, Sprachkurse, Vorbereiten auf die praktische Wiederholungsprüfung, Aufnahme eines Studiums etc.). Für elf Teilnehmende wurde der Weg in eine direkte Arbeitsaufnahme geebnet.

Es lässt sich feststellen, dass die Strukturentwicklung für Nachqualifizierung in Jena erfolgreich umgesetzt wurde. Alle notwendigen Instrumente sind vorhanden und zertifiziert. Der geplante Transfer nach Ostthüringen wurde durch die zweite Förderperiode im Programm „Perspektive Berufsabschluss“ ab 2010 noch zusätzlich unterstützt. Das Verbundprojekt Meuselwitz/Gera ist seither mit einem ähnlichen Projektansatz aktiv.

Die Entwicklung und Etablierung des Thüringer Netzwerkes für Nachqualifizierung war ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Sieben Thüringer Bildungsdienstleister (aus Jena, Meuselwitz, Gera, Rohr, Erfurt, Sondershausen und Breitungen) haben sich die Fortführung von Nachqualifizierung auch nach Projektende auf die Fahnen geschrieben. Die in diesem Netzwerk festgelegten Standards werden mit dem Thüringer Qualifizierungspass dokumentiert. Weitere Bildungsdienstleister, die sich die Standards zu eigen machen wollen, werden gern noch aufgenommen. Ein gemeinsamer Internetauftritt ist mittlerweile entwickelt und unter www.nachqualifizierung-thueringen.de online. Diese Internetpräsenz erfüllt zwei Funktionen:

  • Zum einen werden Informationen für interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen, Arbeitgeber und Vermittler / Vermittlerinnen bei den Leistungsträgern bereitgestellt. Diese können sich bequem über mögliche modularisierte Berufe informieren und Informationen abfordern. Zusätzlich sind für die verschiedenen Regionen die jeweiligen Ansprechpartner für eine Beratung zum Thema Nachqualifizierung aufgeführt.
  • Zum zweiten können alle beteiligten Netzwerkpartner auf die modularisierten Berufe des Gesamtnetzwerkes zugreifen, wodurch die Partner voneinander profitieren. Alle Partner verfügen über Redaktionsrechte und können neu erstellte Dokumente eigenständig aktualisieren.

In Jena wurden bisher Nachqualifizierungen in den folgenden Berufen auf den Weg gebracht:

  • Industriemechaniker
  • Konstruktionsmechaniker
  • KFZ-Mechatroniker
  • Mechatroniker
  • Mikrotechnologen
  • Industriekeramiker
  • Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik
  • Elektroniker Fachrichtung Informations- u. Telekommunikationstechnologie
  • Dachdecker
  • Kauffrau für Bürokommunikation
  • Bürokauffrau
  • Verkäufer/in
  • Fachlagerist/in
  • Gärtner/in
  • Koch/ Köchin
  • Fachinformatiker/in
  • Berufskraftfahrer/in
  • Restaurantfachfrau
  • Altenpflegehelfer/in
  • Tiefbaufacharbeiter
  • Teilezurichter/in

Übersichtstabelle über die Verteilung nach Beschäftigungsstatus und Rechtskreisen:

 

 

Gesamt

SGB II

SGB III

ohne Förderung

Gesamtzahl an TN der Beratungsstelle

104

52

45

 

7

davon arbeitslose TN

 

71

 

52

14

 

5

davon beschäftigte TN

 

33

0

31

 

2

Überleitung in sonstige Qualifizierungen

34

 

 

 

 

Überleitung in Qualifizierung zum Berufsabschluss
(mit und ohne Förderung

 

56

33

20

 

3

davon arbeitslose TN

 

39

 

33

5

 

1

davon beschäftigte TN

 

17

0

15

 

2

Bereits erfolgte Anmeldungen

zur Externenprüfung

 

26

9

15

2

davon arbeitslose TN

 

15

 

9

4

 

2

davon beschäftigte TN

 

11

0

11

0

Erreichte Berufsabschlüsse

 

22

8

14

0

davon arbeitslose TN

 

12

8

3

 

1

davon beschäftigte TN

 

10

0

10

0

 

 

Fazit

Nachqualifizierung bleibt ein Einzelgeschäft und sollte weiterhin stringent bedarfsorientiert eingesetzt werden. Der Einsatz eines „Bildungsbegleiters“ / einer „Bildungsbegleiterin“ ist aus unserer Erkenntnis zwingend notwendig, um auf die Besonderheiten – vor allem der Beschäftigten – eingehen zu können und Abbrüche zu vermeiden. Von Beginn an wurde deutlich, dass es am Bedarf der „Bildungswilligen“ nicht mangelt. Die vorhandenen Finanzierungsinstrumente der Leistungsträger sind passfähig (WEGEBAU, Bildungsgutschein, AEZ). Leider machen sich jedoch „knappe Kassen“ der Leistungsträger als „Stolpersteine“ bemerkbar. Wir schätzen, dass ein Vielfaches an Nachqualifizierung möglich gewesen wäre.

 

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Das Beratungsteam berät Arbeitgeber, Beschäftigte und arbeitssuchende Personen in enger Absprache mit dem zuständigen Leistungsträger.

Für die erfolgreiche Umsetzung arbeiten neben dem Team vor Ort die Steuerungsrunden der Bildungsdienstleister, eine Steuerungsrunde der Leistungsträger und ein Projekt-Beirat, bestehend aus den Geschäftsführern der Leistungsträger sowie Arbeitgeberverbände.

Der geplante Transfer nach Ostthüringen wird mittlerweile durch den Projektbeginn des Verbundprojektes der Handwerkskammer zu Gera und dem IFW Meuselwitz (NAWI) umgesetzt. Damit ist Thüringen mit fünf Projektstandorten im Bereich der Nachqualifizierung sehr gut aufgestellt. Dazu kommen noch die Partner des Thüringer Netzwerkes für Nachqualifizierung welche durch die geförderten Vorhaben unterstützt werden.

In Jena konnte bisher für 14 beschäftigte Personen Nachqualifizierung organisiert werden. Darunter fallen beispielsweise Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, KFZ-Mechatroniker, Mikrotechnologen, Industriekeramiker, Elektroniker und Dachdecker welche sich parallel zum Arbeitsalltag nachqualifizieren.  Davon konnten 4 externe Prüfungen erfolgreich abgeschlossen werden.

Bei den arbeitslosen Personen konnten 9 Teilnehmer ihre externe Prüfung absolvieren. Gärtner, Lageristen, Bürokaufleute, Köche Verkäufer, Altenpflegehelferinnen und Fachinformatiker konnten sich über erfolgreich abgeschlossene Prüfungen freuen.

Weitere Teilnehmer, sowohl beschäftigte als auch arbeitslose, bereiten sich derzeit auf ihre Abschlussprüfungen vor.

Bis zum Ende der Projektlaufzeit rechnen wir mit ca. 50 erfolgreich absolvierten Prüfungen.

Gemeinsam mit dem Thüringer Netzwerk für Nachqualifizierung wurden während der letzten 2 Jahre Qualitätsstandards in der Nachqualifizierung entwickelt welche in Thüringen angewendet und mit dem Q-Pass dokumentiert werden. Dieses Netzwerk soll auch nach Projektende weiter bestehen.

 

Die Beratungsstelle „MoNaQu“  ist  in Jena etabliert und arbeitet.  Das Beratungsteam berät Arbeitgeber, Beschäftigte und Arbeitssuchende Personen in enger Absprache mit dem zuständigen Leistungsträger. Bei  der Realisierung der  Initiative zur Flankierung des Strukturwandels (IFLAS) nutzt die Agentur für Arbeit Jena  u.a. die Beratungsstelle „MoNaQu“ für Nachqualifizierung.  Etwa 20 Personen sollen ab September 2010 über diesen Weg in die Beratungsstelle münden.

Für die erfolgreiche Umsetzung arbeiten neben dem Team vor Ort die  Steuerungsrunden der Bildungsdienstleister, eine Steuerungsrunde der Leistungsträger und ein Beirat. Mit der Agentur für Arbeit in Gera und der ARGE Saalfeld-Rudolstadt konnten  überregionale Netzwerkpartner gewonnen werden. Der geplante Transfer nach Ostthüringen wurde durch Interessenbekundungen und Beratungen mit der Handwerkskammer Gera u.a.  für die 2. Förderrunde unterstützt.

Nachqualifizierung verstehen wir in Jena ausschließlich als Qualifizierung mit Berufsabschluss.

Bisher konnte für 12 beschäftigte Personen eine Nachqualifizierung organisiert werden. Darunter fallen beispielsweise  Industriemechaniker, Mechatroniker und Dachdecker.

Parallel dazu wurde bisher  für 20 arbeitslose Personen Nachqualifizierung organisiert. Eine Gärtnerin für Zierpflanzen sowie eine Altenpflegehelferin wurden bereits zum Berufsabschluss geführt.  Der Abschluss eines europäischen Führerscheines brachte einem jungen Erwachsenen eine unbefristete Anstellung als Fernfahrer.

Um Nachqualifizierung in Jena nachhaltig zu verankern, arbeiten wir im Thüringer Netzwerk Nachqualifizierung mit Thüringer Bildungsdienstleistern am Thema Nachqualifizierung. Das Netzwerk erarbeitet Qualitätsstandards und setzt diese um. Ab September 2010 plant das Netzwerk einen gemeinsam entwickelten Qualifizierungspass mit einheitlicher Struktur und Layout.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung