Korbach
Region Waldeck-Frankenberg, Hessen, Förderlaufzeit: 01.06.2008-30.06.2012


Kontakt

Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg
Christian-Paul-Str. 5
34497 Korbach

 


Der Landkreis Waldeck-Frankenberg ist mit ca. 170.000 Einwohnern der größte Landkreis Hessens. Ein landschaftlich reizvoller Sozialraum, gelegen um vier Kleinstädte und ausgestattet mit einem Nationalpark. Fachkräftemangel, Bevölkerungsrückgang bei einer in den vergangenen Jahren vergleichsweise starken Zuwanderung von Mitbürgern und Mitbürgerinnen aus der russischen Föderation, ein im nationalen Vergleich niedriges Pro-Kopf-Einkommen, der im bundesweiten Vergleich niedrige Qualifikationsgrad der Bevölkerung und der Rückbau des öffentlichen Personennahverkehrs markieren hier die Ausgangslage für regionale Strukturentwicklung in den kommenden Jahren.

Bei den im Landkreis stark vertretenen kleinen sowie mittelständischen Betrieben im gewerblich-technischen Bereich besteht ebenso wie im Hotel- und Gaststättengewerbe ein hoher Bedarf an gut qualifizierten und spezialisierten Fachkräften. Technische Innovationen für handwerkliche Fertigung, die spartenübergreifende Unternehmensnachfrage in Ausbildungsberufen wie etwa dem Maschinen- und Anlagenführer und neue Qualifizierungsbedarfe, die sich entweder aus steigenden Ansprüchen an einfache Arbeiten ergeben, oder der langfristigen Sicherung einer veränderten Nachfrage nach Fachkräften wie etwa im Erzieher-/Erzieherinnenberuf ergeben, rücken die brachliegenden Ressourcen der an- und ungelernten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in den Fokus.

Zielsetzung des Projekts ist die berufliche Integration von jährlich 50 an- und ungelernten jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund durch abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung. Damit einher geht der Aufbau eines Beratungsangebots für An- und Ungelernte sowie für die große Zahl von Unternehmen mit 10 bis maximal 250 Mitarbeitenden im Landkreis. Die dauerhafte Etablierung der Bildungs- und Beratungsangebote wird durch eine umfängliche Netzwerkarbeit vorbereitet, begleitet und vorangetrieben.

Der Aufbau von Strukturen zur Etablierung modularisierter abschlussbezogener Nachqualifizierung als Regelangebot wird in Waldeck-Frankenberg als einer strukturschwachen, ländlichen und flächenmäßig großen Region an einen Begriff regionaler Strukturentwicklung gebunden.

In den besonderen regionalen Verhältnissen geborgene Entwicklungspotenziale lassen sich exemplarisch für zwei Sektoren benennen: innovative Technologien für die gewerblich-technischen Berufe und ein die Alleinstellungsmerkmale des Naturraums nutzender nachhaltiger Tourismus.

Ein dritter Sektor muss - an die spezifischen regionalen Voraussetzungen anschließend - einem globalen Erfordernis Rechnung tragen: der Mehrung, Ausdifferenzierung und Verstetigung einer Aneignung von „Bildungsgegenständen“. Dazu gehören dann auch Nachqualifizierungen in erziehenden/bildenden Berufen.

Viertens und nicht zuletzt: Strukturentwicklung für ein Regelangebot muss den Fachkräftebedarf in der Region produzierender Industriebetriebe kennen, berücksichtigen und ihm entgegenkommen.

Ergebnisse

Das Projekt verfolgte im Sinne des Förderprogramms folgende übergreifenden Ziele:
NQ als Regelangebot nachhaltig in regionale bzw. branchenbezogene Strukturen zu verankern sowie auf die Erhöhung der Anzahl erfolgreich an der Externenprüfung Teilnehmender hinzuwirken.
Dies erfolgte insbesondere durch Projektaktivitäten in den folgenden Bereichen

  •  Auf- und Ausbau strategischer Netzwerke
    Der Auf- und Ausbau strategischer Netzwerke für die Region Waldeck-Frankenberg wurde erreicht. Von Beginn an wurden alle relevanten Akteure in die Projektaktivitäten einbezogen.
  • Strategisches Zusammenwirken der Arbeitsmarktakteure zur stärkeren Nutzung bestehender Förderinstrumente für NQ
    Zur Schaffung von Transparenz über bestehende Fördermöglichkeiten wurde im Projekt ein "Förderleitfaden" erstellt und regelmäßig aktualisiert.
  •  Erfassung und Transparenz von NQ-Angeboten
    Es wurden alle regional NQ-Angebote erfasst und in einem "Baukastensystem" nach Berufsfeldern sortiert veröffentlicht. Darüber hinaus wurden bestehende Nachqualifizierungsangebote auf regionalen Weiterbildungsdatenbanken eingestellt und beworben.
  • Auf- und Ausbau auf Dauer ausgerichteter Unterstützungsstrukturen zur Beratung von Betrieben und An- und Ungelernten
    Das Projekt baute ein umfassendes NQ-Beratungsangebot auf. Neben der aufsuchenden Beratung und Begleitung von Unternehmen wurden Beratungsleistungen für An- und Ungelernte mit und ohne Beschäftigung aufgebaut. Zusätzlich wurde ein spezielles Beratungsangebot für Migrantinnen und Migranten sowie für erwerbslose Frauen etabliert
  • Entwicklung zielgruppenbezogener NQ-Konzepte
    Es wurden Nachqualifizierungsangebote in unterschiedlichen Berufsfeldern neu konzipiert. Außerdem wurde eine Teilzeit-NQ im Erziehendenberuf initiiert. Diese berücksichtigt auch die besonderen Bedürfnisse von MigrantInnen durch die Vermittlung in vorgeschalteten berufsbezogenen Sprachkurse sowie durch Beratung zum Anerkennungsverfahren ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse.
  • Sensibilisierung von UnternehmerInnen, Personalverant wortlichen, Personal- und Betriebsräten für die Personalentwicklung von An- und Ungelernten sowie Information zur NQ als Weg der Fachkräftegewinnung und -sicherung
    Die Information für NQ als Weg der Fachkräftegewinnung und -sicherung war eines der Kernthemen der Betriebsberatung sowie der Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit im Projekt
  • Ermittlung, Erfassung und Anerkennung nicht formal erworbener Qualifikationen (z. B. im Arbeitsprozess erworbene Kenntnisse, im Ausland erworbene Qualifikationen)
    Zur Erreichung dieses Ziels wurden Qualifizierungspässe und Kompetenzfeststellungsverfahren bei der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg eingesetzt.

Verankerung modularer Nachqualifizierungsangebote in der Region

 

Seit August 2010 setzt das evangelische Fröbelseminar auf Initiative und in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe Perspektive Berufsabschluss Waldeck-Frankenberg die landesweit erste modulare Nachqualifizierung im Erzieher-/Erzieherinnenberuf in Teilzeit um. 2012 startet bereits die „dritte Runde“ in Korbach.
Im Sommer 2011 wurde dieses Nachqualifizierungsangebot auch auf den Standort Kassel ausgeweitet.

In Zusammenarbeit mit einem in der Region produzierenden Industriebetrieb und dem Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach werden derzeit neun Mitarbeitende zu Industrie- bzw. Verfahrensmechanikern/-mechanikerinnen nachqualifiziert. Im Frühjahr 2012 schließen die Teilnehmenden ihre Nachqualifizierung durch Ablegen der Externenprüfung ab. Aufbauend auf den Erfahrungen der betrieblichen Nachqualifizierung wurde gemeinsam mit dem Unternehmen im Rahmen eines Feedback-Workshops ein verändertes Durchführungskonzept erstellt. Dieses wird derzeit bei Unternehmen sowie An- und Ungelernten der Region beworben.

Nachqualifizierungsbedarfe zeichnen sich in der Region vermehrt für den Bereich Lager und Logistik ab. Das entwickelte Konzept sieht zunächst eine Nachqualifizierung zur Fachlageristin bzw. zum Fachlageristen vor. Die Nachqualifizierung kann zur Fachkraft Lagerlogistik fortgeführt werden.

Im Hotel- und Gaststättensektor werden derzeit in Zusammenarbeit mit Betrieben sowie der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Nachqualifizierungen in den Berufsbildern Koch/Köchin und Hauswirtschafter/ Hauswirtschafterin auf den Weg gebracht. Die Nachqualifizierung soll in Abstimmung mit den genannten Netzwerkpartnern den Anforderungen der Betriebe (beispielsweise Blockunterricht in saisonschwachen Zeiten) entsprechen und nach gemeinsam verabredeten Qualitätsstandards Umsetzung finden.

Zusammengefasst liegen Nachqualifizierungsangebote in den folgenden Berufen vor:

  • Maschinen- und Anlagenführer/in
  • Industriemechaniker/in
  • Verfahrensmechaniker/in
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Fachlagerist/in
  • Erzieher/in
  • Zimmerer/Zimmerin
  • Hauswirtschafter/in
  • Koch/Köchin

2011 konnte zudem einzelnen An- und Ungelernten in den folgenden Berufen der nachträgliche Erwerb des Berufsabschlusses ermöglicht werden:

  • Anlagenmechaniker SHK
  • Automobilkaufmann/-frau
  • Metallbauer/in
  • Friseur/in
  • Bürokaufmann/-frau
  • Speditionskaufmann/-frau
  • Einzelhandelskaufmann/-frau
  • Tischler/in

 

Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit

 

Der Frauenkompass „Gewusst wo!“ wurde als eine Handreichung für an Nachqualifizierung interessierte Frauen erstellt. Er stellt nützliche Adressen beispielsweise für Kinderbetreuung bereit und führt somit zu einer Erleichterung für das Gelingen von Nachqualifizierungen.

Für die Bewerbung von Nachqualifizierung wurden vermehrt Netzwerkpartner eingebunden. Als Multiplikatoren/Multiplikatorinnen informieren und beraten Vertreter/Vertreterinnen von IHK, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Unternehmensverbänden, Wirtschaftsförderung sowie der Gewerkschaft oder des Regionalmanagements Unternehmen und An- und Ungelernte zum Thema.

 

Zielgruppenspezifische Nachqualifizierungs-Beratung

 

In enger Abstimmung mit den Jobcentern des Landkreises werden insbesondere an- und ungelernte erwerbssuchende Frauen bei einer von der Projektgruppe eingerichteten Beratungsstelle in ihrer Bildungszielplanung mit Blick auf eine gelingende Erwerbsbiografie unterstützt.

Für Migrantinnen und Migranten bietet das Projektteam die Beratung zur Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen an. Ratsuchende werden über die Notwendigkeit eines Anerkennungsverfahrens informiert und erhalten Unterstützung bei der Antragstellung. Bei Bedarf wird zudem nach passgenauen, individuellen Weiterbildungsangeboten recherchiert, durch die sich die Chancen der Beratenen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Nachhaltigkeit

Der Fokus der Projektarbeit lag 2011 und liegt in der verbleibenden Projektlaufzeit insbesondere auf der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien.

Das Fröbel Seminar setzt, beginnend im August diesen Jahres, auf Initiative und in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe Perspektive Berufsabschluss Waldeck-Frankenberg die landesweit erste modulare Nachqualifizierung im Erzieher/Innenberuf um. Der Netzwerkarbeit mit der Arbeitsförderung ist eine flexible Förderung dieser Bildungsmaßnahme durch die Bundesagentur zu verdanken. In einem Netzwerk Gender Mainstreaming kooperierende Gleichstellungsbeauftragte der Arbeitsförderung und der kommunalen Gebietskörperschaften, Mitarbeiterinnen von Wohlfahrtsverbänden, Vertreterinnen von Parteien, die Gewerkschaftsvertretung und insbesondere an Nachqualifizierung interessierte an- und ungelernte Frauen arbeiten daran, infrastrukturelle Voraussetzungen für gelingende Nachqualifizierung (wie etwa eine verbesserte Kinderbetreuung) zu verbessern und Handreichungen zur Information Interessierter vorzubereiten.

In Zusammenarbeit mit einem in der Region produzierenden Industriebetrieb und dem Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach werden derzeit zehn Mitarbeiter/Innen dieses Betriebs zu Maschinen- und Anlagenführer/Innen und im Anschluss zu Industrie- bzw. Verfahrensmechaniker/Innen nachqualifiziert.

Im Anschluss an erste Gespräche mit Vertreter/Innen von Betrieben des Hotel- und Gaststättengewerbes in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Beruflichen Schule in Korbach werden im dritten Quartal diesen Jahres an Nachqualifizierung interessierte Betriebe aufsuchend beraten. Ziel ist die Nachqualifizierung an- und ungelernter Menschen in mindestens einem Berufsbild bei gemeinsam verabredeten Qualitätsstandards für die Nachqualifizierung.

Nachqualifizierung im Handwerk wird auf zwei Wegen vorbereitet. Einmal mittelbar: Eine in diesem Jahr begonnene Vortragsreihe soll an technischen Innovationen und avancierten Entwicklungen in der Beruflichen Bildung interessierte Handwerksbetriebe zwanglos zusammenführen und langfristig die Rückbindung fortschreitenden technischen Wissens aus dem urbanen Raum an den ländlichen strukturell, das heißt, auch  über neue an Nachqualifizierung anschlussfähige Bildungsangebote, ermöglichen.

Zum zweiten durch erweiterte Kooperation im Gesamtvorhaben: Der Rückgang der Beschäftigtenzahlen in manchen Gewerken und der damit verbundene Zwang zum Rückbau an Bildungsangeboten soll durch kooperativ organisierte/durchgeführte Nachqualifizierungen mit ebenfalls in strukturschwachen ländlichen Räumen tätigen Partnerinitiativen aus dem Vorhaben Förderinitiative II verlangsamt werden. Eine erste kooperative Nachqualifizierung ist für das Zimmerergewerk beabsichtigt. Perspektive Berufsabschluss Waldeck – Frankenberg arbeitet an einer Modularisierung der Ausbildung, mit der Absicht, sie als Nachqualifizierung gemeinsam mit den Kolleg/Innen des BtZ Rohr/Südthüringen und der Handwerkskammer Ostwestfalen - Lippe zu realisieren.

In enger Abstimmung mit der ARGE werden seit diesem Frühjahr insbesondere an- und ungelernte erwerbssuchende Frauen bei einer von der Projektgruppe eingerichteten Beratungsstelle in ihrer Bildungszielplanung mit Blick auf eine gelingende Erwerbsbiografie unterstützt.

Für Migrant/Innen wird ebenfalls seit dem Frühjahr diesen Jahres Beratung zur Anerkennung oder Teilanerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen vorgehalten.

Für das dritte Quartal ist der Beginn der Zusammenarbeit einer neuen, beim Landkreis eingerichteten „Stabstelle Regionalentwicklung“ vorgesehen.

Zuletzt: Die abschlussbezogene modulare Nachqualifizierung von erwachsenen, möglicherweise seit geraumer Zeit im Erwerbsleben stehenden Menschen, erfordert Besonderes hinsichtlich der mit Nachqualifizierung einhergehenden Didaktik.

In den Modulen der anstehenden mit dem Hessischen Kultusministerium abgestimmten Erzieher/Innennachqualifizierung sind Einführung in wissenschaftliches Arbeiten und Einführung in Didaktik nach Theorie und Praxis Themenschwerpunkte. Beabsichtigt ist, die Lerngruppe der Erzieher/Innennachqualifizierung im Vollzug dieser Module praktisch durch „teilnehmende Beobachtung“ etc. entlang einer anderen laufenden Nachqualifizierungsmaßnahme Elemente zu einer Didaktik der Nachqualifizierung entwickeln zu lassen, die ihrerseits durch Ausbildungs- und Lehrkräfte dann praktisch erprobt werden sollen. Erste Gespräche mit der ausbildenden Einrichtung finden im August statt.

Im Rahmen einer geplanten Kooperation im Gesamtvorhaben (Arbeitsgruppe Didaktik) sollen die Ergebnisse in ein Arbeitsprogramm zur Qualifizierung der Lehrenden einfließen.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung