Duisburg
NQN, NachQualifizierungsnetzwerk Niederrhein, Nordrhein-Westfalen, Förderlaufzeit: 01.06.2008-30.06.2012


Kontakt

Christoph Eckhardt
qualiNETZ Beratung und Forschung GmbH
Ludgeristraße 16-18
47057 Duisburg

Tel.: 0203-28 75 88
Fax: 0203-2 17 15
E-Mail: info@qualinetz.de

www.nq-niederrhein.de


Eine im Landesvergleich überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig wachsender Nachfrage an gut qualifizierten Arbeitskräften kennzeichnen die Arbeitsmarktregion Niederrhein mit den beiden Landkreisen Kleve, Wesel und der Großstadt Duisburg. Etwa 50 Prozent der Arbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund ist in der Region besonders hoch. Bisher haben An- und Ungelernte kaum Chancen, einen Berufsabschluss nachzuholen.

Das Vorhaben betreibt den Aufbau dauerhafter Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für die Nachqualifizierung junger Menschen ohne Berufsabschluss und die Etablierung berufsbegleitender Weiterbildungsangebote in Zusammenarbeit mit Betrieben. In den wichtigsten Wirtschaftszweigen Logistik, Tourismuswirtschaft, Handwerk und Landwirtschaft / Gartenbau sowie in den kaufmännischen und Büroberufen sollen modulare berufsbegleitende Weiterbildungen zum Berufsabschluss geschaffen werden. Diese sollen speziell auf die Anforderungen An- und Ungelernter ausgerichtet sein, insbesondere auch auf die Voraussetzungen von Menschen mit Migrationshintergrund eingehen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten.

Es wird eine Weiterbildungsberatung für Betriebe installiert. In Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit, den Kammern und den Unternehmensverbänden wird zunächst der Bedarf der Unternehmen an Weiterbildung an- und ungelernter Beschäftigter sowie an Neueinstellungen erfasst. Kleinere und mittlere Unternehmen werden darin unterstützt, betriebsbezogene Weiterbildungsstrategien zu entwickeln sowie geeignete Anbieter für Bildungsdienstleistungen zu finden. Während der Weiterbildung wird ein Bildungscoaching sowohl für die Lernenden als auch für die betrieblichen Beauftragten installiert, um eine größtmögliche Abstimmung zwischen externen Lernprozessen und betrieblichen Arbeitsprozessen zu erreichen.

In Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen werden Verfahrensabläufe zur Anerkennung von Ausbildungsleistungen bei der Anmeldung zur Externenprüfung entwickelt und als Dienstleistung der Weiterbildungsberatung etabliert. Im Rahmen von Netzwerken mit Bildungsdienstleistern, Unternehmen, Verbänden und Institutionen werden einheitliche Qualitätsstandards für die Nachqualifizierung und ein trägerübergreifendes Angebot an Bildungsdienstleistungen gewährleistet. Durch Projektentwicklungsgruppen und Fortbildungsangebote werden Bildungsdienstleister auf die spezifischen Anforderungen der modularen Nachqualifizierung An- und Ungelernter vorbereitet. Die in den beiden Landkreisen Kleve und Wesel entwickelten Angebote und Konzepte sollen auch auf interessierte benachbarte Arbeitsmarktregionen übertragen werden.

Ergebnisse

Das Projekt Nachqualifizierungsnetzwerk Niederrhein erreichte vor allem die folgenden Erfolge:

Es werden langfristig modulare abschlussbezogene Nachqualifizierungsmaßnahmen in den Berufen Fachkraft für Lagerlogistik und Fachlagerist/in in Moers und in Kleve durchgeführt. Diese Pilotmaßnahme ist so konzipiert, dass sie flexibel auf unterschiedliche Bedürfnisse reagiert. So ist es möglich, in einer Maßnahme sowohl den Abschluss zweijährigen Berufes als auch des dreijährigen Berufes zu erreichen. Zusätzlich wird die Vorbereitung auf die Externenprüfung angeboten. Bei breiten Vorkenntnissen können individuell Module belegt werden, um die Externenprüfung bestehen zu können. Wenn zunächst Eignung oder Motivation für die Berufstätigkeit und für die Nachqualifizierung geprüft werden sollen, ist auch eine individuelle Qualifizierungsumsetzung möglich.

Konzepte für weitere abschlussbezogene modularisierte Nachqualifizierungsmaßnahmen liegen vor in den Berufen Metallbauer FR Konstruktionstechnik, Bürokaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Bürokommunikation, Servicefahrer/in, Industriemechaniker/in, Koch / Köchin, Restaurantfachmann /-frau, Fachkraft im Gastgewerbe, Maler/in und Lackierer/in bzw. Bauten- und Objektbeschichter/in. Diese sollen in Kooperation mit Partnern und Partnerinnen des Netzwerkes, unterstützt mit Mitteln aus der Fachkräfteinitiative NRW, im Jahr 2013 durchgeführt werden.

Mit der Nachqualifizierung von arbeitenden Hilfskräften in der Pflegebranche zu Altenpflegerinnen und Altenpflegern wurde im November 2012 im Rahmen eines weiteren Projektvorhabens - finanziert über die Fachkräfteinitiative NRW - begonnen.

In Kleve haben 59 Teilnehmende an Nachqualifizierungsmaßnahmen in verschiedenen Berufen teilgenommen. 17 haben diese inzwischen bestanden, 12 haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Insgesamt 32 befinden sich zurzeit noch in der Qualifizierung. In Moers haben 28 Teilnehmende an der Nachqualifizierung zum Fachlageristen / zur Fachlageristin bzw. zur Fachkraft für Lagerlogistik teilgenommen. Von diesen haben 12 die Qualifizierung inzwischen bestanden, 10 haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. 10 befinden sich zurzeit noch in der Qualifizierung. Darüber hinaus konnten in Moers 62 Teilnehmende in Vorbereitungskurse für die Zulassung zur Externenprüfung vermittelt werden.

Entwickelt wurde ein Konzept für eine Kompetenzfeststellungsmaßnahme, die das Ziel hat, die beruflichen Handlungskompetenzen der an- und ungelernten Weiterbildungsteilnehmenden zu erfassen, um die Qualifizierungsplanung darauf aufzubauen. Dieses Konzept wird in der Nachqualifizierung im Bereich Logistik zu Beginn des ersten Modules angewandt und soll im Laufe weiterer Projektvorhaben auf andere Berufe ausgeweitet werden.

Es wurde ein Beratungshandbuch erarbeitet, das sich an diejenigen richtet, die abschlussbezogene modulare Nachqualifizierungsmaßnahmen anbieten oder planen anzubieten. Es beinhaltet u.a. Standards bei der Umsetzung von Nachqualifizierung, Beratungsstrategien, Möglichkeiten zur Finanzierung von Nachqualifizierung, Strategien bei der Betriebsakquise und vieles mehr. Das Handbuch kann als Printversion kostenlos bezogen werden oder ist online-Handbuch auf der Projekthomepage einsehbar.

Ein Qualifizierungspass zur Unterstützung der Qualifizierungsplanung sowie zur Dokumentation des Fortschritts des Kompetenzerwerbs wurde, angelehnt an Qualifizierungspass der BBJ Consult AG in Berlin und der Jobmappe NRW, entwickelt.

Ein Fortbildungskonzept für pädagogisches Personal in abschlussbezogenen modularen Weiterbildungssangeboten wurde entwickelt und erprobt. Es behandelt die Themen „Didaktische Umsetzung von Modulen in der Aus- und Weiterbildung“, „Kompetenzfeststellung auf der Basis von Modulen“, „Ausbilderinnen und Ausbilder als Coachs im Lern- und Arbeitsprozess“ sowie „Umgang mit heterogenen Lerngruppen“.

Die Finanzierung von Weiterbildung bis zum Berufsabschluss hat sich im Jahre 2011 stabilisiert. In der Regel gelingt es, die erforderlichen Bildungsgutscheine zu bekommen, vor allem da WeGebAU- oder IFLAS-Mittel genutzt werden können. Die Agentur für Arbeit in Wesel ist sehr daran interessiert, dass auch einzelne Module belegt werden können, die nach kurzer Zeit eine Einmündung in ein Arbeitsverhältnis nach sich ziehen, insbesondere bei Arbeitskräften, die bereits Vorqualifikationen nachweisen können.

In Zusammenarbeit mit einem Logistik-Unternehmen wurden zum Beispiel 26 an- und ungelernte Beschäftigte beraten, ob und wie sie zu einem Berufsabschluss kommen können. Viele von ihnen nahmen dies zum Anlass für eine berufliche Neuorientierung. Eine Gruppe von sechs Personen wird nun durch einen um die Module 6 und 7 erweiterten Kurs zur Vorbereitung auf die Externenprüfung berufsbegleitend qualifiziert. Der Kurs findet im Betrieb statt, zum Teil während der Arbeitszeit. Das erspart nicht nur zusätzliche Fahrzeiten, sondern ermöglicht auch das Lernen am Beispiel der dort vorhandenen betrieblichen Abläufe.

Inzwischen wurden allein für den Bereich Lagerlogistik 47 Personen mit dem Ergebnis beraten, dass sie die Zulassungsvoraussetzung zur Externenprüfung erfüllen und die Prüfung zum Teil bereits bestanden haben. Weitere 54 wurden in andere abschlussbezogene modulare Nachqualifizierungsmaßnahmen integriert, 33 haben nach der Beratung kurzzeitige Weiterbildungsangebote genutzt.

Auf der Grundlage der Module und ihrer Untergliederung in Lern- und Arbeitsaufgaben wurde ein Kompetenzfeststellungsverfahren eingeführt. Vorhandene berufliche Kompetenzen werden zunächst durch Selbsteinschätzung und Dokumentenanalyse eingegrenzt, dann aber mit Hilfe von Arbeitsproben, schriftlichen Tests und letztlich durch die Modulabschlussprüfung kontrolliert und nachgewiesen. Dieses Vorgehen findet auch bei der Kammer Anklang. Auf dieser Grundlage konnten einzelnen Lernenden bereits die ersten zwei Module angerechnet werden. Die Gesamtdauer der modularen Weiterbildung kann dadurch im Einzelfall verkürzt werden.

Nach wie vor gibt es bei den Bildungsträgern eine gewisse Zurückhaltung, modulare Nachqualifizierungsangebote zertifizieren zu lassen. Der zu erwartende geringe Ertrag – aufgrund der niedrigen Fallzahlen – lässt viele davor zurückschrecken, in dieses Arbeitsfeld zu investieren. Um den Bildungsunternehmen die Arbeit zu erleichtern, werden derzeit von unserer Servicestelle zertifizierungsfähige Konzepte ausgearbeitet, bei denen nur noch die trägerspezifischen Informationen ergänzt werden müssen.

Auch die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit erfolgt verstärkt durch das Netzwerk. Damit kann das gleiche Angebot an verschiedenen Standorten am Niederrhein und in Nachbarregionen nach einheitlichen Standards realisiert werden. Im Rahmen von Transferangeboten kann dieser Service auch von Bildungsträgern aus anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen genutzt werden.

Bis zum Ende des Projektes im Juni 2012 wollen wir auf diese Weise das regionale Nachqualifizierungsangebot erweitert haben: auf die Berufe Fachkraft für Lagerlogistik, Servicefahrer, Bürokauffrau/-mann, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation, Verkäufer/ Verkäuferin im Einzelhandel, Metallhandwerk, Malerhandwerk, industrielle Metall- und Elektroberufe und Gastronomie.

 

Seit April 2010 gibt es die modulare Weiterbildung bis zum Berufsabschluss im Bereich Lagerlogistik. Sie soll im Herbst auch an anderen Standorten angeboten werden. Durch die modulare Struktur können unterschiedliche Bildungsbedürfnisse erfüllt werden: Weiterbildung bis zum Berufsabschluss, schneller Wiedereinstieg in Arbeit auf erweitertem Qualifikationsniveau nach einzelnen Modulen (gegebenenfalls mit späterer Fortsetzung der Weiterbildung), Nachholen einzelner, noch fehlender Module bis zum Abschluss oder auch nur die Vorbereitung auf die Externenprüfung, wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen.

Die Weiterbildungsberatung ist trägerneutral und ergebnisoffen. Meist sind sehr aufwändige Recherchen notwendig, um die Ausgangslage und die Rahmenbedingungen für den individuellen Weiterbildungswunsch zu analysieren, Angebote und Finanzierungen zu klären oder bisherige Arbeitserfahrungen zu dokumentieren.

Durch die Initiative zur Flankierung des Strukturwandels (IFLAS) standen 2010 auch die nötigen Finanzierungsmittel für die modulare Weiterbildung zum Berufsabschluss zur Verfügung. Langfristige abschlussbezogene Weiterbildungen tauchen in den Bildungszielplanungen kaum auf. Die Leistungsträger haben keine mittelfristige Planungssicherheit in ihrem Haushalt. Betriebe und Weiterbildungskunden brauchen aber eine verlässliche Finanzierung, die bedarfsgerecht eingesetzt werden kann.

2012 soll es ein breites Angebot an modularer Weiterbildung an verschiedenen Standorten in der Region geben. Lagerlogistik, Büro und Metallhandwerk gibt es bereits. Malerhandwerk, Einzelhandel, Gastronomie sowie die industriellen Metall- und Elektroberufe sind in Vorbereitung. Bestehende Weiterbildungsangebote sollen modular strukturiert werden, um flexibler auf individuelle Wünsche eingehen zu können. Weiterhin sollen Umschulungsbegleitende Hilfen installiert werden, um auch für Einzelfälle betriebliche Umschulungen unterstützen zu können.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung