
Finish For Future – Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Berufsabschluss. Modellhafter Auf- und Ausbau auf Dauer ausgerichteter regionaler Kooperations-, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen
Übersicht
Britta Bellen
TÜV Rheinland Akademie GmbH
Regionalbereich Ost, NL Lauchhammer
Ernst-Schneller-Str. 3
01979 Lauchhammer
Tel.: 03574-7819 21
Fax: 03574-7819 23
E-Mail: Britta.Bellen@de.tuv.com
www.tuv.com/de/deutschland/weiterbildung/finish_for_future.jsp
Einer Umfrage der IHK Cottbus im Herbst 2007 zufolge gibt es nur eine begrenzte Anzahl offener Stellen für geringqualifizierte Beschäftigte in Südbrandenburg, die meist auch nur eine kurze Vertragsdauer haben. Dabei liegt der Schwerpunkt der erforderlichen Qualifikationen für zusätzliche Arbeitskräfte im Bereich der dualen Berufsausbildung. 42 Prozent der Unternehmen in Brandenburg legen diesen Berufsabschluss der Beschäftigung im Unternehmen zugrunde.
Sogenannte Einfacharbeitsplätze werden, insbesondere im Bereich des produzierenden Gewerbes und Handwerks, um weitere Tätigkeitselemente angereichert, so dass hier eine Umwandlung in qualifiziertere Arbeit stattfindet. Durch technische Innovationen und die Einführung neuer Formen der Arbeitsorganisation steigen die beruflichen Anforderungen an.
Das Projekt „Finish For Future“ verfolgt daher das Ziel der Nachqualifizierung von jungen Menschen mit fehlenden oder nicht passenden Berufsabschlüssen im Raum Südbrandenburg bzw. im regionalen Wachstumskern Westlausitz.
Einerseits erlangen geringqualifizierte Erwerbslose im Rahmen des Vorhabens einen Berufsabschluss in regional relevanten Berufsfeldern, um ihre Chancen auf Vermittlung und Integration in den Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern. Zum anderen werden auch Beschäftigte ohne beziehungsweise mit nicht passendem Berufsabschluss arbeitsplatzbegleitend Schritt für Schritt zur Externenprüfung geführt.
Die berufliche Qualifizierung, insbesondere Teile der Berufsausbildung, wird als strategisches Element der Personalentwicklung und als Element der Arbeits- und Unternehmenskultur im Umfeld oder als integraler Bestandteil der betrieblichen Leistungserstellungsprozesse anhand geeigneter akzeptierter Qualifizierungsbausteine mit plausiblen Qualifizierungsinhalten und -zielen implementiert. Aus den Ergebnissen von Kompetenzerhebung und modularen, von den Projektpartnern entwickelten Curricula entstehen in der Zuständigkeit der Kammern zertifizierte und abschlussrelevante Bildungsformate. Diese werden bei gegebener Marktnähe über das Branchennetzwerk Kunststoff / Chemie sowie über die Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft in die Unternehmen getragen und zur Qualifizierung des Personals eingesetzt. Die erworbenen beruflichen Kompetenzen der An- und Ungelernten werden systematisch abgebildet und in branchenspezifischen Anrechnungssystemen berücksichtigt.
Neben dem produzierenden Gewerbe und dem Handwerk werden im Rahmen des Vorhabens noch weitere Branchen, wie die Zeitarbeit, das Gesundheitswesen und der Handel für geeignete Formen der modularen Nachqualifikation erschlossen.
Über Beratungsaktivitäten werden betriebliche Einsatzfelder für Qualifizierung ermittelt sowie Personalentwicklungskonzepte der Unternehmen im Bereich der Einfacharbeit begleitet. Als Kooperationspartner leistet die ATB GmbH Chemnitz Unterstützung im Aufbau kooperativer Beratungsstrukturen in klein- und mittel-ständischen Unternehmen der Region. Für die Ziele des Vorhabens kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kammern, der Agentur für Arbeit, der ARGE, der Branchennetzwerke, der Projektpartner und der interessierten Bildungsdienstleister in Kontakt und treten in einen systematischen und dauerhaften Abstimmungsprozess.
Umsetzungsstand Dezember 2011
Im ersten Halbjahr 2011 stand neben der Umsetzung von Nachqualifizierungen die Weiterentwicklung und Anwendung der Kompetenzbilanzierung im Fokus unserer Arbeit. Als Ergebnis konnten in der Handwerksbranche weitere angelernte Beschäftigte mit entsprechend vermittelter Vorbereitung an den Prüfungen 2011 teilnehmen und ihren Berufsabschluss nachträglich erwerben. Dabei erleichterten unsere bilateralen Kooperationen, u.a. mit der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft, eine individuelle Gestaltung der Wege zur Abschlussprüfung.
Im Bereich der Kunststofftechnik (Beruf: Verfahrensmechaniker/ Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik) sind insgesamt 56 junge Frauen und Männer bei der TÜV Rheinland Akademie GmbH in Lauchhammer bzw. in Riesa nachqualifiziert worden. Zur Sommerprüfung 2011 haben davon 12 Teilnehmende erfolgreich die Externenprüfung vor der IHK Cottbus abgelegt und ihren Berufsabschluss zum Verfahrensmechaniker / zur Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Schwerpunkt Bauteile erworben. Weitere 30 Teilnehmende haben im Sommer und 14 zum Winter vor der IHK Frankfurt/Oder ihre Prüfung als Verfahrensmechaniker / Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Schwerpunkt Mehrschicht-Kautschukteile absolviert. Im Vorhinein erfolgte nochmals eine zeitnahe Prüfungsvorbereitung bei der TÜV Rheinland Akademie GmbH. Je nach Umfang der bereits vorhandenen Kenntnisse und Fertigkeiten, die mit Hilfe der Kompetenzbilanzierung ermittelt wurden, werden den Teilnehmern in einem Zeitraum von ca. einem halben Jahr die Grundlagen der Kunststoff- und Kautschuktechnik theoretisch und praktisch vermittelt. Da die Nachqualifizierung auch berufsbegleitend durchgeführt wird, kann der tatsächlich benötigte Zeitrahmen variieren. Von den erwerbslosen Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Nachqualifizierungen wurden bisher 80 Prozent in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen.
Gefördert werden die Teilnehmenden der Nachqualifizierungen über Bildungsgutscheine und über das WeGebAU-Programm der Agentur für Arbeit. Weitere Betriebe der Region haben bereits ihr Interesse an abschlussorientierter Nachqualifizierung ihrer beschäftigten an- und ungelernten Mitarbeiter bekundet.
Ein weiteres Ziel im Jahr 2011 war der Aufbau eines Beratungsnetzwerkes (PLAN.B-Net), um über Multiplikatoren Interessierte auf unterschiedlichsten Wegen über die Möglichkeiten der Externenprüfung zu informieren. So sind nicht nur regionale Agenturen für Arbeit und Jobcenter Stellen zur Beratung, sondern auch Branchenverbände zur Fachkräftesicherung oder auch Unternehmensverbände. Um die Beratungskette der Multiplikatoren effizient zu gestalten, wurde von uns ein Beratungsleitfaden entwickelt. Der Leitfaden soll den Beratenden helfen, den Ratsuchenden schnell weitere Kontakte zu nennen, wo kompetente Hilfe erhältlich ist, beispielsweise bei Fragen der Finanzierung einer Nachqualifizierung.
Zudem führten wir 2011 Bedarfsanalysen in der Altenpflege und in der Zeitarbeitsbranche in der Region Südbrandenburg durch. Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels zeigen die Ergebnisse der Bedarfsanalyse in der Altenpflege noch einmal die Dringlichkeit der Reform der Ausbildung bzw. Qualifizierung zum Altenpfleger /zur Altenpflegerin – insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeit der Nachqualifizierung von Helfern und Helferinnen.