
Verbund: BNN – Bremer Netzwerk Nachqualifizierung. Koordination des modellhaften Auf- und Ausbaus auf Dauer ausgerichteter Kooperations-, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen sowie Qualifikationsmonitoring, Vernetzung und Förderung der Handlungskompetenz von Unternehmen, regionalen Bildungs- und Arbeitsmarktakteuren
Übersicht
Birgit Spindler
BNN-Bremer Netzwerk Nachqualifizierung
Arbeitnehmerkammer Bremen
Bürgerstr. 1
Tel:. 0421-36301914
E-Mail: spindler@arbeitnehmerkammer.de
Herbert Rüb
BNN-Bremer Netzwerk Nachqualifizierung
INBAS GmbH - Büro Nord
Kieler Str. 103
22769 Hamburg
Tel.: 040-85506495
E-Mail: rueb@inbas.com
Für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der Bremischen Wirtschaft sind die Gewinnung, Ausbildung und Weiterbildung von Fachkräften von fundamentaler Bedeutung. Auch in Bremen wird der demografische Faktor dazu führen, dass der künftige Arbeitskräftebedarf besondere Qualifizierungsanstrengungen und die Nutzung aller Personalressourcen erfordert. Ein großes Reservoir nicht ausreichend formal Qualifizierter unter Beschäftigten wie Arbeitslosen ist hierfür vorhanden: Im Jahr 2007 verfügte jede bzw. jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zwischen 20 und 30 Jahren über keinen anerkannten Berufsabschluss. Diese Potenziale sollten genutzt werden, um über die Nachqualifizierung das Fachkräftepotenzial in den Bremischen Unternehmen zu verstärken.
Das „Bremer Netzwerk Nachqualifizierung“ vernetzt die regionalen Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungsförderung, um die berufliche Nachqualifizierung zu einem Berufsabschluss oder einer anerkannten Teilqualifikation für junge Erwachsene dauerhaft im Land Bremen zu etablieren. Dazu setzt es an den in der Region vorhandenen Beratungs-, Unterstützungs- oder Qualifizierungsangeboten und -strukturen an und bündelt, ergänzt oder erweitert sie hinsichtlich der abschlussorientierten Nachqualifizierung. Mit der zugesagten Unterstützung von Wirtschaft und Politik sucht es die Qualifikationspotenziale der Unternehmen, ihrer Beschäftigten und Arbeitsloser zu verbessern und einen substanziellen Beitrag zur Deckung des zukünftigen Fachkräftebedarfs zu leisten.
Strategische Ansatzpunkte in den Unternehmen sind vor allem die Personalleitungen und Betriebs- beziehungsweise Personalräte sowie die Weiterbildungsverantwortlichen. Bezüglich der nicht ausreichend formal qualifizierten Arbeitslosen soll gemeinsam mit den arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Akteuren ein nachhaltiges, abschlussorientiertes und modulares Angebot initiiert bzw. etabliert werden.
Das „Bremer Netzwerk Nachqualifizierung“ ist ein Kooperationsvorhaben der Arbeitnehmerkammer Bremen und des Instituts für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt-, und Sozialpolitik GmbH (INBAS) sowie weiterer regionaler Partner.
Umsetzungsstand Dezember 2011
Mit Unterstützung der senatorischen Dienststellen und lokaler Partner konnten erfolgreich die Weichen gestellt werden, um die abschlussorientierte Nachqualifizierung im Lande Bremen zu stärken und auch zukünftig weiter umzusetzen:
Die Vorgehensweise nach Schwerpunkten:
Im September 2008 konstituierte sich die Steuerungsgruppe von Vertreterinnen und Vertretern der Bremischen Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, arbeitsmarktpolitischen Akteuren und lokalen Organisationen. Seitdem tagte das Gremium zweimal jährlich. Die Steuerungsgruppe gab als Zielgruppe zunächst vor allem Unternehmen und ihre Beschäftigten vor, seit 2010 rückten auch Arbeitslose ohne Berufsabschluss in den Fokus. In der Abstimmung nahm auch das Thema Kurzarbeit und Nachqualifizierung breiteren Raum ein. Entsprechende Konzepte im Bereich der Automobilindustrie - in den Bereichen Fahrzeuginnenausstattung, Lager/Logistik, EDV und Qualitätssicherung und -management - wurden entwickelt.
Die Vernetzung mit Bildungsanbietern erfolgte über thematische Workshops. Es konstituierten sich insgesamt drei Projektgruppen im gewerblich-technischen Bereich, im kaufmännischen und Dienstleistungsbereich sowie im Bereich der Beratungsstellen. Die Projektgruppen tagten in der Regel vierteljährlich. Ziel war es, sich über die Standards der Nachqualifizierung zu verständigen, Angebote zu entwickeln und gemeinsame Standards für den Beratungsprozess zu vereinbaren sowie einen Beratungsleitfaden zu entwickeln. Kleinere Arbeitstreffen und Einzelgespräche vor Ort bei den lokalen Partnern sollen deren Einbindung und die Vernetzung fördern. Entwickelt wurden Angebote vor allem im kaufmännischen Bereich, im gewerblichen Bereich entstand eine Nachqualifizierung zum Gebäudereiniger/zur Gebäudereinigerin in Bremen und zur Bäckereifachverkäuferin/zum Bäckereifachverkäufer in Bremerhaven. Beratungsstandards zur Externenprüfung wurden vereinbart und 2011 mit der Handelskammer abgestimmt und verabredet.
Die Netzwerkarbeit vertiefende Kooperationen bestanden und bestehen mit der Handelskammer zum Thema „Beratungsstandards zur Externenprüfung“ sowie mit der Handwerkskammer bezüglich einer Nachrecherche zu den Ausbildungsabbrüchen im Bremer Handwerk der vergangenen Jahre. Ziel war es hier, Möglichkeiten zur Integration in Ausbildung und Nachqualifizierung dieser Personengruppe zu ermitteln.
Zu anderen im Lande bestehenden Netzwerken organisierte BNN entsprechende Arbeitskontakte und transferierte die abschlussorientierte Nachqualifizierung in die entsprechenden Arbeitsschwerpunkte (AK Berufliche Perspektiven für Frauen der ZGF; ARGE Reißverschluss; Lernen vor Ort; Bremer Rat für Integration (AK Berufliche Qualifizierung und Arbeitsmarkt); VaDiB e.V. etc.).
Erhebungen zu den Qualifizierungsbedarfen von Unternehmen in Bremerhaven erfolgten in qualitativer und quantitativer Form sowie Einzelgesprächen. Nach den qualitativen Erhebungen im Jahr 2009 folgte 2011 eine quantitative Erhebung im Bereich der IG Metall. Auswertungen der Arbeitslosenstatistik zum Personenkreis wurden monatlich im Internet veröffentlicht. Mit Unterstützung des Statistischen Landesamtes wurden Angaben zu den betrieblich Beschäftigten ohne Abschluss zusammengestellt.
Eine 2009 in Auftrag gegebene systematische Erfassung der Qualifizierungsangebote wurde 2010 fertiggestellt. Sie trägt bausteinorientierte Maßnahmen, Umschulungen, abschlussorientierte Teilqualifikationen und Vorbereitungen auf die Externenprüfung als Nachqualifizierungen zusammen. Bestehende Angebote wurden auf der Internetseite veröffentlicht. Die Bildungsanbieter in den Projektgruppen sagten die Veröffentlichung im KURSNET der Bundesagentur für Arbeit zu.
Ziel von BNN war die Beratung von Ratsuchenden und die Erweiterung des bestehenden Beratungsangebots in Bezug auf die abschlussorientierte Nachqualifizierung. Die entsprechende Arbeit erfolgte in mehreren Schritten: In der Projektgruppe Beratungsstellen wurden die bestehenden Beratungsstellen informiert und ein entsprechender Handlungsleitfaden entwickelt. Daneben wurden die Bestrebungen im Land zur Einrichtung einer trägerneutralen Beratungsstelle zu Fragen der Weiterbildung unterstützt. Diese wird nun 2012 bei der Handels- und Arbeitnehmerkammer ihre Arbeit aufnehmen, die Beratung zur Nachqualifizierung ist Bestandteil ihres Aufgaben-Portfolios. Zur Verbesserung der Beratungskompetenz dienten unsere Fortbildungen (s.u.), die auch von den Beratungsstellen besucht wurden.
Know-how-Transfer und Standards der Nachqualifizierung
2010 startete das Bremer Netzwerk Nachqualifizierung (BNN) seine Fortbildungsreihe zu den Standards der Nachqualifizierung. Folgende Themen standen im Mittelpunkt: Module und Bausteine, Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen, Kompetenzfeststellung, Beratung, Nachqualifizierung für Personen mit Migrationshintergrund. Bisher konnten in den Fortbildungen rund 150 Teilnehmende verzeichnet werden. Für 2012 sind als Themen in der Planung: Fragen der Modularisierung, Externenprüfung und Maßnahmeformen.
Öffentlichkeitsarbeit
Das BNN ist mit einem eigenen Internet-Auftritt vertreten und hat in der lokalen Presse eine Reihe von Artikeln zur Nachqualifizierung und zum Projekt platziert und damit für eine hohe Bekanntheit in der Region gesorgt. Zudem haben wir in Bremen und Bremerhaven 14 Informationsveranstaltungen und 2009 eine Fachtagung durchgeführt. Eine weitere Fachtagung ist für 2012 - zusammen mit dem Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen - geplant. Auf sechs Lern- und Weiterbildungsmessen in Bremen und Bremerhaven hat BNN die Nachqualifizierung vorgestellt und Beratung angeboten.
In rund 300 Experten- und Zielgruppengesprächen sind wir genauer auf Einzelfragen zur Nachqualifizierung eingegangen.
Zu den Produkten der Öffentlichkeitsarbeit gehören u.a. Flyer für die Zielgruppe (in Deutsch, Russisch und Türkisch), ein allgemeiner Flyer für Unternehmen, drei unterschiedliche Poster für den Aushang in Einrichtungen und Beratungsstellen (z.B. den Agenturen für Arbeit, den Jobcentern etc.); eine besondere Broschüre informiert über die Möglichkeiten der Externenprüfung im Land Bremen und nennt alle zuständigen Stellen mit Ansprechpartnerinnen und -partnern sowie Öffnungszeiten. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die Präsentation auf anderen Veranstaltungen im Land (z.B. im Rahmen der ARGE Reißverschluss).
Nachhaltigkeit und Transfer
Ein Schwergewicht der Aktivitäten liegt seit 2010 auf der Verankerung in den Bildungsstrukturen im Land Bremen. Dazu fand BNN Aufnahme in den Arbeitskreis zu den „Bremer Vereinbarungen für Ausbildung und Fachkräftesicherung“ von Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Ende 2010 wurden die neuen Bremer Vereinbarungen beschlossen, in denen auch die abschlussorientierte Nachqualifizierung als Aufgabe des Landes und der Partner für die kommenden Jahre festgehalten ist.
Für die Dokumentation der be- oder entstehenden Qualifizierungsangebote wurde eine Datenbankstruktur angelegt, deren Pflege in Nachfolgehände gelegt werden soll.
Mit der Etablierung einer trägerneutralen Weiterbildung bei der Arbeitnehmer- und der Handelskammer in Bremen findet ab 2012 auch die Beratung zur Nachqualifizierung nach Ablauf des Projekts einen festen Ort. Dazu wird BNN ein entsprechendes Qualifizierungs- und Informationsangebot für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auflegen.
Die Aktivitäten aus der Projektgruppenarbeit fanden ihren Niederschlag in Standards für die Beratung zur Nachqualifizierung, auf die sich kooperierende Träger mit der Kammer schriftlich verständigt haben. Noch offen ist hier die Übergabe der kooperierenden Aktivitäten.