
amoN - abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Berufsabschluss. Modellhafter Auf- und Ausbau auf Dauer ausgerichteter Kooperations-, Unterstützungs- und Beratungsstrukturen unter Einbeziehung der relevanten regionalen Arbeitsmarktakteure
Übersicht
Gerd Poloski
Schweriner Ausbildungszentrum e.V.
Ziegeleiweg 7
19057 Schwerin
Tel.: 0385-48020
Fax: 0385-480215
E-Mail: poloski@sazev.de
www.sazev.de
In Mecklenburg-Vorpommern stehen wir einem zunehmenden Fachkräftemangel gegenüber, der sich aus drei wesentlichen Trends ergibt:
Durch den Geburtenrückgang und die Abwanderung wird ein Rückgang der Schulabgängerzahlen von fast 50 Prozent hervorgerufen. Die Arbeitslosenquote in Schwerin beträgt ca. 14 Prozent. Ungefähr 4 Prozent der Schweriner Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund, in einigen Stadtteilen - wie in Neu Zippendorf - ist der Anteil etwa viermal so hoch.
Im Rahmen des Schweriner Projekts sollen betriebliche Qualifizierungsbedarfe in der Region erhoben und mit den Qualifizierungswünschen und -möglichkeiten von Geringqualifizierten abgeglichen und passgenau zusammengeführt werden.
Weiterhin soll der Aufbau nachhaltiger Beratungsstrukturen geleistet und die Netzwerkarbeit zwischen allen Arbeitsmarktakteuren intensiviert werden. Die Zusammenarbeit wird dabei zielorientiert gestaltet.
Am Anfang des Projekts sind die Bemühungen der Nachqualifizierung vor allem auf den gewerblich-technischen Bereich ausgerichtet, die innerhalb der Projektphase auf andere Branchen ausgeweitet werden.
Für die Erreichung der genannten Ziele werden wir die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Migration intensivieren, zusätzliche Arbeitstreffen durchführen und gemeinsame Vorhaben planen.
Die Bedarfe der Wirtschaft werden wir weiter analysieren, wobei die Bedarfserhebung im Dienstleistungssektor im Fokus unserer Arbeit steht, um den Anteil qualifizierungswilliger Frauen zu erhöhen.
Das Projekt „amoN“ befindet sich in der zweiten Hälfte der Laufzeit. Ergebnisse der Projektarbeit gilt es zu sichern. Die Gründung eines überregionalen Nachqualifizierungsnetzes für Mecklenburg -Vorpommern soll einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.
Migrantinnen und Migranten als Fachkräftereserve zu erkennen, zu fördern und zu nutzen ist ein besonderes Ziel. Dazu gilt es, die branchenspezifischen Bedarfe der Wirtschaft und vorhandene Potenziale der Migrantinnen und Migranten zusammenzubringen. Eine Unternehmensbefragung zu diesem Thema sowie eine Fachtagung in Kooperation mit allen relevanten Akteuren sind dazu wichtige Meilensteine.
Eine zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit wird die Implementierung der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung fördern.
Die professionelle Bildungs- und Qualifizierungsberatung wird weiter in der Region verankert. Das Beratungsbüro im Schweriner Ausbildungszentrum ist dafür die zentrale Anlaufstelle.
Das vergangene Projektjahr war geprägt durch intensive Netzwerkarbeit. Dabei galt es, das regionale Netz der Akteure im Raum Schwerin / Westmecklenburg weiter zu aktivieren und in seiner Zusammenarbeit zu intensivieren.
Das Projektteam „amoN“ hat dazu im vergangenen Jahr zwei Konferenzen des Lenkungskreises einberufen, um durch gemeinsame Aktivitäten die modulare Nachqualifizierung als einen Weg zum Berufsabschluss weiter zu implementieren und so einen Beitrag für die Fachkräftesicherung in der Region zu leisten. Zum Lenkungskreis gehören u.a. die Agentur für Arbeit, die Jobcenter, die zuständigen Stellen, das Netzwerk Migration, Bildungsdienstleister, Unternehmen, Branchenverbände, Wissenschaft und Verwaltung.
Die Impulse aus der Zusammenarbeit mit der MOZAIK gGmbH haben wir für die Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem regionalen Migrationsnetzwerk genutzt. Zahlreiche Arbeitsgespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Migrantenorganisationen und deren Teilnahme an den Lenkungskreiskonferenzen dienten dem gegenseitigen Austausch, der Förderung einer partnerschaftlichen Kooperation und nicht zuletzt der gemeinsamen Organisation und Durchführung einer Fachtagung am 29.09. 2011 zum Thema „Anerkennung durch Anerkennung“. Diese Fachtagung verstehen wir als Beitrag, um Bedarfe der Wirtschaft und Potenziale der Migrantinnen und Migranten zusammenzubringen und ein Zeichen zur Förderung der Willkommenskultur in Mecklenburg-Vorpommern zu setzen.
Zur weiteren Professionalisierung der Bildungs- und Qualifizierungsberatung haben wir eine zweite Weiterbildungsveranstaltung zur Förderung der kulturellen Handlungsfähigkeit in Kooperation mit der MOZAIK gGmbH für und mit einschlägigen Kooperationspartnern auf diesem Gebiet durchgeführt.
In der Zusammenarbeit mit unserem regionalen Unternehmensnetzwerk haben wir im vergangen Jahr zwei Arbeitsschwerpunkte in Angriff genommen. Zu Beginn des Jahres wurde in 160 Unternehmen eine Befragung zur Beschäftigungs- und Ausbildungssituation von Migraninnen und Migranten durchgeführt. Grundlage der Erhebung war ein gemeinsam mit der MOZAIK gGmbH erarbeiteter Fragebogen, Ziel war neben der Erfassung statistischer Daten auch die Sensibilisierung der Unternehmen. Die Ergebnisse sind in einer Präsentation zusammengestellt, die an interessierte Unternehmen übergeben oder für Weiterbildungs- und Präsentationszwecke genutzt wird.
Ergänzend dazu haben wir eine intensive Akquise und Beratung in Dienstleistungsunternehmen als eher frauentypische Branche durchgeführt. Ziel dieser Vorgehensweise war, den Anteil an qualifizierungswilligen Frauen zu erhöhen. Im Ergebnis wurde eine Qualifizierungsmaßnahme entwickelt, die in enger Kooperation mit einem regionalen Unternehmen gestaltet wird und in der die Frauenquote 50 Prozent beträgt.
Für die zweite Hälfte unserer Projektlaufzeit war uns die Sicherung der Nachhaltigkeit besonders wichtig. Dazu hat „amoN“ - als eines der insgesamt vier Projekte der „Abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung“ in Mecklenburg-Vorpommern - nach intensiven Vorgesprächen mit allen betroffenen Akteuren und in Absprache mit der Programmstelle die Gründung eines Nachqualifizierungsnetzes für Mecklenburg-Vorpommern initiiert: Das Nachqualifizierungsnetz Mecklenburg-Vorpommern wurde zu Beginn des Jahres 2011 durch einen Kooperationsvertrag besiegelt. Die Vernetzung dieser Projekte ist eine sinnvolle Möglichkeit, Kooperationspotenziale effektiv auszuschöpfen. Die übergreifende Regionalspezifik und die kurzen Wege erlauben eine intensive, stringente und zielorientierte Zusammenarbeit innerhalb der Projektarbeit.
Im Nachqualifizierungsnetz Mecklenburg-Vorpommern werden durch die Kooperation der Projekte mehr Transparenz, Validität und Ansätze zur Standardisierung im Rahmen der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung und der damit verbundenen Externenprüfung angestrebt. In monatlich stattfindenden Arbeitstreffen stehen folgende Schwerpunkte der Kooperation auf der Agenda
Die modulare Nachqualifizierung mit dem Ziel Externenprüfung lebt von einer individuellen Bildungs- und Qualifizierungsberatung als Ausgangspunkt für einen umfassenden Qualifizierungsprozesses. Die anfängliche Beratung mündet nahtlos in eine Begleitung und ein Matching des Qualifizierungsprozesses bis hin zur Externenprüfung, im Idealfall mit der Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Auch im vergangenen Jahr wurde das im Schweriner Ausbildungszentrum eingerichtete Beratungsbüro stark von den an einem Berufsabschluss interessierten An- und Ungelernten frequentiert.
Die ganzheitliche Beratung als eine wichtige Vorschaltphase der abschlussorientierten Qualifizierung war in den meisten Fällen der Schlüssel zum Erfolg. Insgesamt konnten wir in der bisherigen Projektlaufzeit über 300 Beratungsgespräche führen, von denen gut zwei Drittel in unserer Datenbank dokumentiert sind. Ein Drittel davon wiederum konnte durch die Entwicklung und Durchführung eines individuellen Qualifizierungsplanes zur Externenprüfung begleitet werden.
Ohne Öffentlichkeitsarbeit geht es nicht
Auch 2010/2011 spielte die Öffentlichkeitsarbeit eine zentrale Rolle. Hier galt es, die zahlreichen Aktivitäten für die unterschiedlichsten Zielgruppen aufzubereiten. Dazu zählen u.a.:
Unsere Erfahrungen in der Praxis haben wir auch in den ersten beiden Bänden der PBA-Praxisreihe zu Papier gebracht.