Künzelsau
Bildungs-Forum Hohenlohekreis, Baden-Württemberg, Förderlaufzeit: 01.05.2008-31.03.2012


Kontakt

Landratsamt Hohenlohekreis
Allee 17
74653 Künzelsau

Barbara Bürkle
Tel.: 07940 18-423
E-Mail: barbara.buerkle@hohenlohekreis.de

http://www.bildungsregion-hohenlohekreis.de/index.php?id=65


Der Hohenlohekreis gehört mit einer geringen Arbeitslosenquote von 3,6% (Stand Juli 2010) zu den Spitzenreitern in der Arbeitsmarktstatistik. Der Anteil der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren ist jedoch mit 10,7 Prozent überdurchschnittlich hoch im Vergleich zu den Nachbarkreisen.

Die Region hat die höchste Dichte an Weltmarktführern bundesweit und schon heute beklagt die Wirtschaft im Hohenlohekreis einen überdurchschnittlichen Fachkräftemangel. Der Kreis zählt ca. 109.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf einer Fläche von 776 Quadratkilometern. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. In den Bereichen zweier Wohnbauschwerpunkte in Öhringen und Künzelsau leben ca. 6.000 überwiegend russlanddeutsche Spätaussiedlerinnen und -aussiedler.  

 

Kreis, Sozialpartner, Wirtschaft und Vertreterinnen und Vertretern der schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen haben früh erkannt, dass ein funktionierendes Übergangsmanagement jungen Menschen Perspektiven in der Region eröffnet und Abwanderung verhindern hilft. Überdies wird ein wirksamer Beitrag zur Bereitstellung geeigneter Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche, im Besonderen für Jugendliche mit Migrationshintergrund, und damit auch zur Bekämpfung des regionalen Fachkräftemangels und zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts geleistet.

Im Rahmen unseres Vorhabens wird das regionale Übergangsmanagement mit einem kreisweiten, koordinierten und abgestimmten ganzheitlichen Ansatz durch den Hohenlohekreis, im Gegensatz zu den bisher frei im Markt agierenden Einzelinstrumenten, gesteuert und strukturell verbessert.

Das Projekt enthält die Entwicklung und den Aufbau einer neuen, regional abgestimmten Koordinationsstruktur. Dies beinhaltet, die Aktivitäten aller Mitbewerber im Bereich des regionalen Übergangsmanagements für alle Beteiligten transparent zu machen, zu erfassen und im Internet sowie in einem Handbuch zu dokumentieren. Überschneidungen der vorhandenen Angebote sollen abgebaut sowie vorhandene Lücken festgestellt und geschlossen werden. Ziel ist es, eine abgestimmte, effiziente Verzahnung aller Angebote im Hohenlohekreis im Sinne einer bedarfsgerechten Wirkungskette zu erreichen, damit eine nahtlose, kontinuierliche biografische Fallarbeit mit zeitlichen und qualitativen Vorteilen für die Jugendlichen am Übergang Schule - Beruf, vor allem bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, entsteht. 

Vier Bausteine bilden das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis: Bildungsbüro, Bildungskonferenz, Bildungsplattform und Bildungssteuergruppe.

Das Bildungsbüro führt kreisweit Koordinationsaufgaben im lokalen Übergangsmanagement durch. Ferner gehört die kontinuierliche inhaltliche Entwicklung des Übergangsmanagements im Hohenlohekreis zu den wesentlichen Aufgaben. Ebenso erledigt das Bildungsbüro die Verwaltungsarbeiten und die Berichterstattung an die Bildungssteuergruppe und die Bildungskonferenz.

In der Bildungskonferenz im Frühjahr und Herbst wird auf Basis der Berichte des Bildungsbüros, die Ausbildungsmarktsituation im Hohenlohekreis erfasst, beraten und er werden die erforderliche Schlüsse gezogen. Zudem werden Entwicklungen abgestimmt, Entscheidungen vorbereitet, geeignete Aktionen mit freien Trägern besprochen und initiiert. Projekte der Bildungsträger werden diskutiert und abgestimmt.

Über die Bildungsplattform wird die Öffentlichkeit über alle Aktivitäten informiert. Mit Hilfe von Internetauftritt und Flyern können sich Interessierte, regionale Akteure, Eltern und vor allem unversorgte Jugendlichen und junge Menschen über Ausbildungsgänge, angebotene Ausbildungs- und Praktikumsplätze im Hohenlohekreis informieren und um Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche anfragen.

Die Bildungssteuergruppe als Kreativteam initiiert geeignete Aktivitäten, berät, lenkt und kontrolliert das Bildungsbüro.

Ergebnisse

„Internetbasierte soziale Netzwerke zur Ansprache von Jugendlichen am Übergang Schule-Beruf“ war das Thema der 6. Bildungskonferenz im Herbst 2011, bei der rund 70 Teilnehmer anwesend waren. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen sollte die Frage beantwortet werden, wie Social Media bei der Akquirierung von Auszubildenden genutzt werden kann. Gleichzeitig sollten auch Schulen und Jugendliche auf Chancen und Gefahren bei der Nutzung sozialer Netzwerke im Internet aufmerksam gemacht werden. Es hat sich gezeigt, dass die Firmen zwar dabei sind, sich auf facebook und anderen Netzwerken darzustellen, allerdings steckt dieses Vorhaben – auch bei großen Unternehmen – noch in den Kinderschuhen. Vorsicht und Respekt sind geboten und prägen auch das Vorgehen bei der Nutzung internetbasierter Netzwerke.

Noch vor Weihnachten 2011 wurde der Elternbrief unter dem Titel „Eltern(als)RATgeber – Ihr Kind auf dem Weg in die Berufswelt“ fertiggestellt. 4'000 Exemplare konnten an Eltern mit Kindern der 7.-10. Klassen (Förder-, Haupt-, Werkreal-, Realschulen, BVJ, BEJ, 1-jährige Berufsfachschule) verteilt werden. Schwerpunkte dieser Broschüre, die in Zusammenarbeit mit dem Jugend- und Schulamt sowie der Handwerkskammer Heilbronn-Franken entworfen wurde, waren die Themen „Berufsorientierung“ und „Handwerk“.

Der Elternratgeber wurde in mehreren Veröffentlichungen in der Zeitung publik gemacht, woraufhin einige Eltern mit großem Interesse Kontakt zum Bildungs-Forum aufgenommen haben.

Die Längsschnittbefragung der Schulabsolventenstudie wurde Ende 2011 mit der dritten Folgebefragung abgeschlossen. Die Ergebnisse für den Hohenlohekreis zeigten sehr gute Werte auf. Weniger als 4 Prozent der befragten Schulabgänger und -abgängerinnen waren drei Jahre nach Schulabschluss komplett aus dem System ausgestiegen und somit weder im Übergangssystem noch in einer weiterführenden Schule oder einer Ausbildung zu finden. Alle anderen, also über 96 Prozent, befinden sich noch in der schulischen Weiterbildung, absolvieren ein freiwilliges soziales Jahr oder ein Praktikum, haben eine Ausbildung begonnen oder auch bereits abgeschlossen oder befinden sich in berufsvorbereitenden Maßnahmen.

Neben der Aussage, dass sie in der Schule mehr hätten lernen sollen, haben die Schülerinnen und Schüler die absolvierten Betriebs-Praktika im Nachhinein als sehr hilfreich für die spätere Berufsorientierung bewertet. Hier konnten bereits ausschlaggebende Weichen für die spätere Berufswahl gestellt werden.

Bei der Abschlusskonferenz im März wird auf vier Jahre Bildungs-Forum Hohenlohekreis zurückgeblickt. Ergebnisse der Absolventenstudie werden vorgestellt und aus der Projektarbeit abgeleitete Handlungsempfehlungen vorgestellt.

Oliver Thieß (HWK Hamburg) rückt in einem Vortrag zum Thema "Mehr Nachwuchs für das Handwerk! - Die Serviceagentur ANSCHLUSS HANDWERK“ einmal mehr das Handwerk in den Mittelpunkt. Elisabeth Hoffmann (Konrad-Adenauer-Stiftung), berichtet als zweite Referentin über das Thema „Der erfolgreiche Weg zum Berufsabschluss – Neue Reformvorschläge“.

Seit Juli 2011 ist der Hohenlohekreis Bildungsregion („Impulsprogramm Bildungsregionen“ des Landes Baden-Württemberg). Einige Aspekte aus dem Bildungs-Forum können dadurch nachhaltig weiterbearbeitet und ausgebaut werden. In der Bildungsregion ist der Bereich Übergang Schule-Beruf zwar kein expliziter Handlungsschwerpunkt, aber Themen wie Sprachförderung, ökonomische Bildung und MINTEC bilden präventive Ansätze, um Jugendliche ausbildungsreif zu machen; Elternarbeit – als ein Schwerpunkt der Bildungsregion – wurde auch bereits im Bildungs-Forum thematisiert. Somit ist gewährleistet, dass erprobte Aktivitäten und Maßnahmen des Bildungs-Forums Hohenlohekreis in der Region weiterhin aktiv gestaltet werden. Auch die Netzwerktreffen in Form von Bildungskonferenzen werden weiterhin stattfinden – mit den bisherigen (und weiteren) Kooperationspartnern.

Handlungsempfehlungen des Bildungs-Forums:

  • Stärkere Förderung Jugendlicher mit Migrationshintergrund
  • Mehr Gender-Bewusstsein bei der Berufsorientierung
  • Stärkung der Elternbeteiligung
  • Bessere Anschlüsse an die Berufvorbereitung
  • Stärkere Vermittlung ins Handwerk und Förderung der „Assistierten Ausbildung“
  • Verstetigung einer engen Kooperation der Akteure
  • Schaffen einer nachhaltigen Prozesssteuerung
  • Wechsel von reparierendem zu präventivem Handeln

 

Das Bildungsbüro gibt gerne Auskunft über Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Projekt Bildungs-Forum Hohenlohekreis. Ansprechpartnerin ist Frau Barbara Bürkle, Projektleiterin der Bildungsregion Hohenlohekreis.

 

Das Handbuch, das alle existierenden Angebote im Hohenlohekreis übersichtlich darstellt, wurde aktualisiert und steht online unter www.bildungs-forum-hohenlohekreis.de zur Verfügung. Mit verschiedenen Suchoptionen kann sich der Besucher die Angebote anzeigen lassen und ausdrucken.

 

Im Frühjahr 2011 fand die 5. Bildungskonferenz unter dem Titel „Elternarbeit am Übergang Schule-Beruf“ statt. In vier verschiedenen Workshops wurden Grenzen und Möglichkeiten erarbeitet, Besonderheiten in der Arbeit mit Migranteneltern beleuchtet und Beispiele erfolgreicher Elternarbeit anderer Projekte vorgestellt. Die Ergebnisse wurden im Anschluss im Plenum vorgestellt und mit den Beteiligten diskutiert.

Es wurde angeregt, das Plakat „Bildungswege nach der allgemeinbildenden Schule“, welches ebenfalls im Frühjahr veröffentlicht und an Netzwerkpartner verteilt wurde, ins Türkische und Russische zu übersetzen, was nun in Bearbeitung ist.

Das Plakat hängt in allen Schulen aus und wird auch von den Berufsberatern und -beraterinnen der Agentur für Arbeit und von den Fallmanagerinnen und Fallmanagern des Jobcenters genutzt.

Darüber hinaus war es Inhalt einer Multiplikatorenschulung, die von März bis Juni stattfand. Hier wurden über 30 Vertreter verschiedener Migrantenorganisationen in einer halbtägigen Schulung zu Multiplikatoren und Multiplikatorinnen ausgebildet, die Schüler und Schülerinnen durch das Bildungssystem „lotsen“ sollen.

 

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Künzelsau führt das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis eine Längsschnittbefragung durch, die den Weg von Jugendlichen in die Berufswelt und mögliche „Umwege“ abbilden soll. Die Ergebnisse der 2. Folgebefragungen wurden in einer Broschüre veröffentlicht und durch ein Interview der Projektleitung in der örtlichen Tagespresse publik gemacht.

Die Studie belegt beispielsweise die Bedeutung der Schulen und Lehrkräfte für die weitere berufliche Entwicklung der Jugendlichen, wobei die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer als „wichtige Ratgeber bei Fragen der beruflichen Zukunft“ von Schule zu Schule stark variiert - ein Ergebnis, das das Schulamt zu weiteren Anstrengungen veranlasst, die Berufsorientierung an den Schulen zu forcieren.

Eltern zählen zu den wichtigsten Ansprechpartnern bzw. Beratern bei der Berufsorientierung Jugendlicher. In Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Jugendamt arbeitet das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis daher, ähnlich wie andere Standorte, an einem „Elternbrief“.

Schaffung von Transparenz und Stärkung der Zusammenarbeit der Bildungsbeteiligten im Hohenlohekreis ist eines der Ziele des Bildungs-Forums. Um dies umzusetzen, wurden im Rahmen einer Bildungsträgerkonferenz die regionalen Hilfs- und Unterstützungsangebote für den Übergang Schule - Beruf erfasst. Das Ergebnis ist ein gedrucktes Handbuch, welches übersichtlich alle existierenden Angebote im Hohenlohekreis darstellt. Es wurde an alle am Übergang Schule - Beruf Beteiligten überreicht und liegt an den Bildungsorten des Hohenlohekreises zur Mitnahme aus. Um die Informationen über die Hilfs- und Unterstützungsangebote stets aktuell zur Verfügung zu stellen, wurden die Inhalte in eine Angebotsdatenbank auf der Website www.bildungs-forum-hohenlohekreis.de eingepflegt. Die Aktualisierung wird durch das Bildungsbüro gewährleistet. Mit verschiedenen Suchoptionen kann der Besucher sich die Angebote anzeigen lassen und ausdrucken.

Ein weiterer Baustein zur Verbesserung des Netzwerkes sind die Bildungskonferenzen. In regelmäßigen Abständen finden sie statt, die letzte am 20. Mai 2010. Unter der Beteiligung von Schulvertretern, Unternehmen, Bildungsträgern, Politikern und Vertretern der Jugendarbeit wurde diskutiert, was der demografische Wandel mit Fokus auf den Fachkräftenachwuchs für unsere Region bedeutet. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde festgestellt, dass es unerlässlich ist, schon heute jeden Jugendlichen zu fördern, um das vorhandene Potenzial voll auszuschöpfen. Dazu bedarf es einer passgenauen, individuellen Förderung. Als Anregung wurden dem Publikum die Modellprojekte im Landkreis vorgestellt. Ein Beispiel ist eine Kooperation zwischen einer Schule mit hohem Migrationsanteil und lokalen Firmen. Durch eine intensive Zusammenarbeit Lehrer - Ausbilder sollen auch schwächere Schülerinnen und Schüler in ein Praktikum bzw. Ausbildungsstelle vermittelt werden. Die Websiten der Schule und Unternehmen sind verlinkt und bieten leicht zugängliche Informationen rund um das Thema Ausbildung.
Um Schwachstellen festzustellen, Lücken zu schließen und die Wirksamkeit von Maßnahmen zu prüfen, ist es unerlässlich, eine Datenbasis zu generieren. Mit der Schülerlängsschnittbefragung des Bildungs-Forums verfügt der Hohenlohekreis über Verlaufsdaten für den Übergang Schule - Beruf. Im März / April 2009 fand die Basiserhebung aller Abschlussklassen der Haupt-, Real- und Förderschulen sowie der Schulen für Erziehungshilfen im Landkreis statt. Thema war die aktuelle Situation der Schülerinnen und Schüler, ihre Berufswünsche und konkreten Berufspläne.

Die erste telefonische Folgeerhebung im November befragte die Jugendliche knapp ein halbes Jahr nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule. In Zusammenarbeit mit der Hochschule in Künzelsau wurden bei der Befragung folgende Fragen gestellt: Welchen Weg haben sie gewählt? Welche Pläne konnten sie umsetzen? Neben der aktuellen Bildungssituation wurden auch die Hintergründe und Motivation sowie ihre Empfindungen über die ersten Schritte in die Berufswelt abgefragt.

Es zeigte sich, dass 52% der Jugendlichen eine weiterführende Schule besuchen, 30% eine duale Ausbildung begonnen haben und sich 15% in der Berufsvorbereitung befinden. Die verbleibenden knapp 4% waren entweder in einem Praktikum, freiwilliges soziales Jahr, Klassenwiederholer oder nicht erwerbstätig und nicht in Ausbildung.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Künzelsau wird das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis den Weg der Jugendlichen in die Berufswelt in zwei Folgebefragungen im November 2010 und 2011 weiter begleiten.
Die Ergebnisse bieten eine Basis, die Angebotsstruktur und Wirksamkeit von Maßnahmen zu diskutieren. In Arbeitskreisen mit Verantwortlichen vor Ort werden die Ergebnisse gemeinsam analysiert und entsprechende Maßnahmen ergriffen

Projekt­darstellungen

  • Projektflyer

    [PDF - 5,29 MB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Uebergangsmanagement/Uebergangsmanagement_Kuenzelsau_Flyer.pdf)

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung