
Bildungs-Forum Hohenlohekreis – Regionales Übergangsmanagement. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule–Beruf
Übersicht
Tanja Graner
Landratsamt Hohenlohekreis
Allee 17
74653 Künzelsau
Tel.: 07940-18510
E-Mail: mailto:tanja.graner@hohenloekreis.de
www.bildungs-forum-hohenlohekreis.de
www.hohenlohekreis.de
Der Hohenlohekreis gehört mit einer geringen Arbeitslosenquote von 3,6% (Stand Juli 2010) zu den Spitzenreitern in der Arbeitsmarktstatistik. Der Anteil der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren ist jedoch mit 10,7 Prozent überdurchschnittlich hoch im Vergleich zu den Nachbarkreisen.
Die Region hat die höchste Dichte an Weltmarktführern bundesweit und schon heute beklagt die Wirtschaft im Hohenlohekreis einen überdurchschnittlichen Fachkräftemangel. Der Kreis zählt ca. 109.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf einer Fläche von 776 Quadratkilometern. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. In den Bereichen zweier Wohnbauschwerpunkte in Öhringen und Künzelsau leben ca. 6.000 überwiegend russlanddeutsche Spätaussiedlerinnen und -aussiedler.
Kreis, Sozialpartner, Wirtschaft und Vertreterinnen und Vertretern der schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen haben früh erkannt, dass ein funktionierendes Übergangsmanagement jungen Menschen Perspektiven in der Region eröffnet und Abwanderung verhindern hilft. Überdies wird ein wirksamer Beitrag zur Bereitstellung geeigneter Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche, im Besonderen für Jugendliche mit Migrationshintergrund, und damit auch zur Bekämpfung des regionalen Fachkräftemangels und zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts geleistet.
Im Rahmen unseres Vorhabens wird das regionale Übergangsmanagement mit einem kreisweiten, koordinierten und abgestimmten ganzheitlichen Ansatz durch den Hohenlohekreis, im Gegensatz zu den bisher frei im Markt agierenden Einzelinstrumenten, gesteuert und strukturell verbessert.
Das Projekt enthält die Entwicklung und den Aufbau einer neuen, regional abgestimmten Koordinationsstruktur. Dies beinhaltet, die Aktivitäten aller Mitbewerber im Bereich des regionalen Übergangsmanagements für alle Beteiligten transparent zu machen, zu erfassen und im Internet sowie in einem Handbuch zu dokumentieren. Überschneidungen der vorhandenen Angebote sollen abgebaut sowie vorhandene Lücken festgestellt und geschlossen werden. Ziel ist es, eine abgestimmte, effiziente Verzahnung aller Angebote im Hohenlohekreis im Sinne einer bedarfsgerechten Wirkungskette zu erreichen, damit eine nahtlose, kontinuierliche biografische Fallarbeit mit zeitlichen und qualitativen Vorteilen für die Jugendlichen am Übergang Schule - Beruf, vor allem bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, entsteht.
Vier Bausteine bilden das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis: Bildungsbüro, Bildungskonferenz, Bildungsplattform und Bildungssteuergruppe.
Das Bildungsbüro führt kreisweit Koordinationsaufgaben im lokalen Übergangsmanagement durch. Ferner gehört die kontinuierliche inhaltliche Entwicklung des Übergangsmanagements im Hohenlohekreis zu den wesentlichen Aufgaben. Ebenso erledigt das Bildungsbüro die Verwaltungsarbeiten und die Berichterstattung an die Bildungssteuergruppe und die Bildungskonferenz.
In der Bildungskonferenz im Frühjahr und Herbst wird auf Basis der Berichte des Bildungsbüros, die Ausbildungsmarktsituation im Hohenlohekreis erfasst, beraten und er werden die erforderliche Schlüsse gezogen. Zudem werden Entwicklungen abgestimmt, Entscheidungen vorbereitet, geeignete Aktionen mit freien Trägern besprochen und initiiert. Projekte der Bildungsträger werden diskutiert und abgestimmt.
Über die Bildungsplattform wird die Öffentlichkeit über alle Aktivitäten informiert. Mit Hilfe von Internetauftritt und Flyern können sich Interessierte, regionale Akteure, Eltern und vor allem unversorgte Jugendlichen und junge Menschen über Ausbildungsgänge, angebotene Ausbildungs- und Praktikumsplätze im Hohenlohekreis informieren und um Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche anfragen.
Die Bildungssteuergruppe als Kreativteam initiiert geeignete Aktivitäten, berät, lenkt und kontrolliert das Bildungsbüro.
Das Handbuch, das alle existierenden Angebote im Hohenlohekreis übersichtlich darstellt, wurde aktualisiert und steht online unter www.bildungs-forum-hohenlohekreis.de zur Verfügung. Mit verschiedenen Suchoptionen kann sich der Besucher die Angebote anzeigen lassen und ausdrucken.
Im Frühjahr 2011 fand die 5. Bildungskonferenz unter dem Titel „Elternarbeit am Übergang Schule-Beruf“ statt. In vier verschiedenen Workshops wurden Grenzen und Möglichkeiten identifiziert, Besonderheiten in der Arbeit mit Migranteneltern beleuchtet und Beispiele erfolgreicher Elternarbeit aus anderen Projekten vorgestellt. Die Ergebnisse wurden im Anschluss im Plenum vorgestellt und mit den Beteiligten diskutiert.
Es wurde angeregt, das Plakat „Bildungswege nach der allgemeinbildenden Schule“, welches ebenfalls im Frühjahr veröffentlicht und an Netzwerkpartner verteilt wurde, ins Türkische und Russische zu übersetzen, was nun in Bearbeitung ist.
Das Plakat hängt in allen Schulen aus und wird auch von den Berufsberatern und -beraterinnen der Agentur für Arbeit und von den Fallmanagerinnen und Fallmanagern des Jobcenters genutzt. Auch war es Inhalt einer Multiplikatorenschulung, die von März bis Juni stattfand. Hier wurden über 30 Vertreter verschiedener Migrantenorganisationen in einer halbtägigen Schulung zu Multiplikatoren und Multiplikatorinnen ausgebildet, die Schüler und Schülerinnen durch das Bildungssystem „lotsen“ sollen.
In Zusammenarbeit mit der Hochschule Künzelsau führt das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis eine Längsschnittbefragung durch, die den Weg von Jugendlichen in die Berufswelt und mögliche „Umwege“ abbilden soll. Die Ergebnisse der 2. Folgebefragungen wurden in einer Broschüre veröffentlicht und durch ein Interview der Projektleitung in der örtlichen Tagespresse publik gemacht.
Die Studie belegt beispielsweise die Bedeutung der Schulen und Lehrkräfte für die weitere berufliche Entwicklung der Jugendlichen, wobei die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer als „wichtige Ratgeber bei Fragen der beruflichen Zukunft“ von Schule zu Schule stark variiert - ein Ergebnis, das das Schulamt zu weiteren Anstrengungen veranlasst, die Berufsorientierung an den Schulen zu forcieren.
Eltern zählen zu den wichtigsten Ansprechpartnern bzw. Beratern bei der Berufsorientierung Jugendlicher. In Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Jugendamt arbeitet das Bildungs-Forum-Hohenlohekreis daher, ähnlich wie andere Standorte, an einem „Elternbrief“.