
Regionales Übergangsmanagement Nürnberg. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf.
Übersicht
Dr. Hans Dieter Metzger
Regionales Übergangsmanagement Nürnberg
Bildungsbüro der Stadt Nürnberg
Unschlittplatz 7a
90403 Nürnberg
Tel.: 0911-231 14148
Mail: bildungsbuero@stadt.nuernberg.de
http://www.uebergangsmanagement-nuernberg.de
http://www.bildungsbuero.nuernberg.de
Die in den Bundesbildungsberichten 2006 und 2008 sowie im Berufsbildungsbericht 2010 dokumentierte Erkenntnis, dass der Übergang in die berufliche Ausbildung vor allem für junge Menschen mit niedriger schulischer Qualifikation zu einem Dauerproblem geworden sei, trifft auch auf Nürnberg zu, wie die vom Amt für Berufliche Schulen mitgeteilten Zahlen belegen. Zwischen 2001 und 2006 nahm bei einer besonders deutlichen Steigerung im Jahr 2003 die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) um rund 50% zu. Seit 2007 lässt sich eine Absenkung beobachten, die allerdings das Niveau von 2001 noch nicht erreicht hat. Im gleichen Maße nahm die Einmündung von Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss in Ausbildung bis 2006 ab. Erst seit 2007 erholt sich der Ausbildungsmarkt. Während im Jahr 2006 nur 13% der Absolventen sofort nach der Hauptschule einen dualen Ausbildungsplatz fanden, waren dies im Herbst 2008 28% und im Herbst 2009 26%. Diese verbesserten Werte sind zum Teil einer anziehenden Konjunktur zu verdanken, zum Teil aber auch auf die von der Stadt Nürnberg ergriffenen Maßnahmen zurückzuführen. Mit dem vom Stadtrat 2006 verabschiedeten Maßnahmenpaket und dem 2007 beschlossenen Masterplan engagiert sich die Kommune sowohl auf dem Feld des Übergangsmanagements – d.h. der Gestaltung der Übergangsberatung und -begleitung von der Schule in die Ausbildung oder ein alternatives Angebot – als auch auf dem Feld des Übergangssystems – d.h. der Bereitstellung von alternativen Angeboten zur beruflichen Ausbildung, z.B. die bedarfsdeckende Einrichtung des Angebots „Berufsvorbereitungsjahr“ (BVJ) an den Beruflichen Schulen. Insbesondere und bundesweit auch beispielhaft trieb die Stadt Nürnberg gezielt den Ausbau ihrer Berufsfachschulen voran, um zusätzliche Ausbildungskapazitäten in Form der vollschulischen Berufsausbildung zur Verfügung stellen zu können. Nimmt man die Berufsfachschulen als kompensatorische Maßnahme zum dualen Ausbildungsplatzangebot hinzu, dann betrug die Quote direkter Einmündung in Ausbildung im Jahr 2008 40%. Wegen des Rückgangs der dualen Ausbildungsplätze im Zuge der Banken- und Wirtschaftskrise 2009 wurde allerdings im letzten Herbst eine um etwa 3 Prozentpunkte verminderte Einmündungsquote erreicht.
Es ist angesichts dieser Zahlen angebracht, gegenüber den Ergebnissen von 2004 bis 2007 von einer merklichen Verbesserung zu sprechen. Um eine Trendwende handelt es sich jedoch nicht. Als Fazit bleibt stehen, dass auch in Nürnberg Schwierigkeiten bei der Einmündung in die Ausbildung zum Normalfall für Hauptschulabsolventen geworden sind.
Zentrales Ziel des Vorhabens ist es, systematisch die regionale Netzwerkbildung zwischen den Akteuren des Übergangsmanagements voranzutreiben, Synergien zu erschließen, eventuell Lücken im aktuellen Unterstützungsangebot für benachteiligte Jugendliche aufzudecken und durch angepasste oder neue Konzepte zu schließen. Besondere Aufmerksamkeit wird präventiven Ansätzen gewidmet. Mit ihnen soll der Übergang in die berufliche Ausbildung beziehungsweise in Arbeit bereits lange vor dem Übergangsgeschehen im engeren Sinne an schulischen und außerschulischen Lernorten thematisiert und vorbereitet sowie der Berufsorientierungsprozess angestoßen werden. Ein zusätzlicher Fokus soll auf eine geschlechtersensible Herangehensweise und Förderung im Sinne des Gender Mainstreamings sowie die Anwendung migrationsspezifischer Ansätze des Cultural Mainstreamings gelegt werden. Bestehende Angebote im Übergang Schule - Beruf sollen stadtweit besser aufeinander abgestimmt und vorhandene Ressourcen effektiver eingesetzt werden. Es geht darum, junge Menschen auf dem Weg in eine berufliche Ausbildung oder ein anderes weiterqualifizierendes schulisches Angebot systematisch, zielstrebig und ohne die Inkaufnahme von Umwegen zu unterstützen.
Zur Umsetzung der genannten Ziele wurde ein beim Oberbürgermeister angesiedeltes Nürnberger Bildungsbüro eingerichtet. Es dient allen regionalen Akteuren, die an der Schnittstelle Schule / Ausbildung arbeiten, als Netzwerk-Forum. Das Nürnberger Bildungsbüro tritt nicht selbst als Anbieter pädagogisch-didaktischer Förderkonzepte für benachteiligte Jugendliche auf, sondern versteht sich als eine strategisch arbeitende Einrichtung, welche einerseits den Austausch unter den operativ handelnden Akteuren organisiert und moderiert, andererseits auf Fortentwicklung ausgerichtete Reflexions- und Kooperationsprozesse anstößt und gegebenenfalls konzeptionell unterstützt.
Eine der zentralen Aufgaben ist die Herbeiführung eines abgestimmten Angebotstableaus. Die Beschreibung der wichtigsten Maßnahmen des Übergangs Schule – berufliche Ausbildung macht deutlich, dass es gelungen ist, einige der vorhandenen Angebote – wie SCHLAU und Ball oder Kompetenzagentur und „Future Guides“ – zu Verbesserung der Angebotsstruktur wie der Transparenz zusammenzuführen. Es ist darüber hinaus gelungen, die verbliebenen Angebote auf unterschiedliche Zielgruppen festzulegen, so dass sich die Angebote nunmehr ergänzen.
Das Spektrum reicht von Jugendlichen mit dem Wunsch nach einer dualen Ausbildung sowie der Perspektive den qualifizierenden Hauptschulabschluss zu erreichen (SCHLAU), über junge Menschen, die voraussichtlich nur mit zusätzlicher schulischer Förderung den qualifizierenden Hauptschulabschluss erreichen (Quapo) bis hin zu jungen Menschen, bei denen das Erlangen des erfolgreichen Hauptschulabschlusses und die Berufseingliederung im Mittelpunkt steht (Berufseinstiegsbegleitung, Kompetenzagentur).
Durch die vorgenommene Abstimmung ist es möglich geworden, die Teilnahmevoraussetzungen zu klären und Parallelstrukturen zu vermeiden. Eine Ausnahme stellt das Angebot „SCHLAU – Wege in die Berufliche Bildung“ dar, da es sich nicht um ein begleitende Maßnahme, sondern um ein Querschnittsangebot handelt, das sicherstellen soll, dass alle Absolventen über die aktuellen Angebote der Beruflichen Schulen informiert werden.
Das Bildungsbüro mit dem Projekt „Regionales Übergangsmanagement Nürnberg“ hat darüber hinaus mit den städtischen Dienststellen einschließlich der städtischen Tochtergesellschaft Noris-Arbeit (NOA) Evaluationskriterien entwickelt, die Aufschluss über die Wirksamkeit der anschlussorientierten Begleitangebote SCHLAU, Quapo und Kompetenzagentur geben sollen. Die wichtigsten Evaluationsparameter sind:
Das Projekt Regionales Übergangsmanagement Nürnberg hat seit Projektbeginn die Erfassung, Abstimmung und Systematisierung der einzelnen Angebote und Elemente des Übergangsmanagements mit Nachdruck betrieben und sich um eine verbesserte Information der Jugendlichen, Eltern, der Akteure auf dem Übergangsfeld und der Öffentlichkeit bemüht. Dazu zählen:
Einen großen Anteil an der Arbeit des Nürnberger Übergangsmanagements nahm die Entwicklung eines Instrumentariums für das Monitoring an der Schnittstelle von der allgemeinbildenden Schule in die Berufsausbildung ein. Bis zur Veröffentlichung des Berichts E „Berufliche Bildung“ im Rahmen des ersten Nürnberger Bildungsberichts erfolgen dazu folgende Schritte:
Das bereits entwickelte Corporate Design wurde verbessert und die RÜM-Homepage überarbeitet, um die Navigation zu vereinfachen. Die „Aktuell-Seite“ informiert über alle wichtigen Ereignisse im Nürnberger RÜM und darüber hinaus.
Mitarbeiter des Regionalen Übergangsmanagements nahmen an verschiedenen Tagungen und Kongressen aktiv mit Vorträgen und Workshops über die Nürnberger Praxis des Übergangsmanagements teil, unter anderem an den Transferworkshops für die RÜM-Standorte der zweiten Förderrunde.
Im Rahmen der überregionalen Vernetzung sind vor allem die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Hauptschulinitiativen (z. B. Bundestreffen in Nürnberg) und dem Arbeitskreis Weinheimer Initiative zu nennen. Darüber hinaus beteiligte sich das Nürnberger RÜM-Team regelmäßig an Treffen und am Erfahrungsaustausch mit weiteren Projektstandorten der Förderinitiative 1 im Programm „Perspektive Berufsabschluss".
RÜM Nürnberg hat die Begleitung und Unterstützung der bayerischen Standorte aus der zweiten Förderrunde übernommen:
Die bereits vorher bestehenden drei anschlussorientierten Angebote SCHLAU, QUAPO und Kompetenzagentur bilden seit Ende 2010 gemeinsamt mit den Bildungsketten des BMBF und der Erweiterten vertieften Berufsorientierung evBO (Kooperation Arbeitsagentur und Bayerisches Kultusministerium, sogen. Bayerisches Modell) das Nürnberger Modell Übergang Schule – Berufliche Ausbildung. Bei der Entwicklung dieses Modells übernahm das Nürnberger RÜM von Beginn an eine wichtige Rolle:
Im Jahre 2010 kam es zwischen den Trägern und RÜM Nürnberg zu Vereinbarungen über die Evaluation der drei Projekte SCHLAU, QUAPO und Kompetenzagentur. Diese sind mittlerweile Bestandteile des Nürnberger Modell (s. o.). Das Regionale Übergangsmanagement übernahm dabei insbesondere:
Der Stadtrat der Stadt Nürnberg beschloss am 21. September 2011 einstimmig, für die Umsetzung des „Nürnberger Modells: Übergang Schule - Berufliche Ausbildung“ vom kommenden Haushaltsjahr an Mittel für die drei anschlussorientierten Angebote sowie entsprechendes Personal im Bildungsbüro für das Regionale Übergangsmanagement einzustellen.