
KoSa - Koordinierungsbüro Saarbrücken. Regionales Übergangsmanagement. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf
Übersicht
Claudia Barth
Koordinierungsbüro Saarbrücken (KoSa)
Regionalverband Saarbrücken, Fachbereich Schulen und Bildung, Fachdienst Gebäude- und Betriebsmanagement Schulen (GBS)
Heuduckstr. 1
66117 Saarbrücken
Tel.: 0681-506-7480
E-Mail: claudia.barth@rvsbr.de
Internet: www.kosa-net.de
Dem Regionalverband Saarbrücken gehören zehn Städte und Gemeinden an, darunter die Landeshauptstadt Saarbrücken. In der Region leben hier ca. 350.000 Menschen, etwa ein Drittel der saarländischen Bevölkerung. Damit gehört der Regionalverband Saarbrücken zu den am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands.
Der Strukturwandel im Bergbau und in der Stahlindustrie, der Beschäftigungsrückgang im produzierenden Gewerbe und die demografische Entwicklung haben Folgewirkungen für die Region, auf die Verwaltung und Politik reagieren müssen.
Im Bereich des Bildungswesens flankieren das Land und der Regionalverband Saarbrücken die Arbeit der insgesamt 70 weiterführenden Schulen in der Region durch den Einsatz sozialpädagogischer Fachkräfte. In den Berufsbildenden Schulen werden die Produktionsschule als alternative Schulform des Berufsvorbereitungsjahres sowie die dualisierten Klassen des Berufsgrundbildungsjahres sozialpädagogisch begleitet. Neben den regulären Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten von ARGE und Agentur für Arbeit Saarbrücken bieten beide vielfältige Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Auch im Bereich der Jugendhilfe existieren zahlreiche Angebote. Eine systematische, koordinierte und strukturierte Heranführung benachteiligter Jugendlicher an die regulären Angebote besteht jedoch noch nicht.
Ziel ist die Einrichtung eines frühzeitigen systematischen Übergangsmanagements. Dabei sollen ineffektive Zeiten zwischen Schule und Ausbildung beziehungsweise Beruf vermieden und Arbeitslosigkeit soweit wie möglich ausgeschlossen werden. Schwerpunktmäßig Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie junge Frauen mit Kindern sollen ihre Potenziale besser ausschöpfen können. Das Übergangsmanagement soll zu einem regional gesteuerten Regelsystem entwickelt werden, in dem bisher bereits vorhandene aber noch nicht systematisierte Einzelmaßnahmen zusammengeführt werden. Die Institutionalisierung eines regionalen Verbundes, der alle wesentlichen Akteure im Bereich des Übergangs von Schule in Ausbildung und Beruf vernetzt und damit die Angebotsstruktur transparent macht, wird angestrebt.
Der Regionalverband Saarbrücken setzt das „Koordinierungsbüro Saarbrücken (KoSa)“ als ausführendes Organ für die Etablierung eines regionalen Übergangsmanagements ein. KoSa ist damit zuständig für die Initiierung, Gestaltung und Koordinierung eines regionalen Netzwerkes, das alle für die berufliche Integration relevanten Akteure umfassen soll. Planung und Steuerung von KoSa soll insbesondere durch zwei Gremien, eine Lenkungs- und eine Umsetzungsgruppe, sichergestellt werden, wobei die Lenkungsgruppe das Arbeitsprogramm festlegt und steuert und die Umsetzungsgruppe die Arbeit auf der operativen Ebene begleitet. In beiden Gremien arbeiten jeweils Vertreterinnen und Vertreter der für das regionale Übergangsmanagement relevanten Akteure mit. Darüber hinaus werden regelmäßige Integrationszirkel etabliert, bestehend aus Praktikerinnen und Praktikern, die an der Integration junger Menschen in die Arbeitswelt beteiligt sind, die zu konkreten Zielsetzungen in enger Kooperation mit KoSa Lösungsstrategien entwickeln sollen. Durch die arbeitsteilige Vorgehensweise unter Einbeziehung der relevanten Akteure und die festgelegten Schwerpunkte, Verbesserung der Datenlage, Klärung des Handlungsbedarfs und der Zuständigkeiten, Festlegung von Formen der Abstimmung, Systematisierung der Angebote für den Übergang von Schule in Beruf sowie Systematisierung der Angebote für spezielle Zielgruppen soll die Zahl Jugendlicher ohne Berufsabschluss nachhaltig und deutlich gesenkt werden.
Seit dem Schuljahr 2010/2011 läuft das Landesprogramm "AnschlussDirekt", eine Kooperation von Wirtschaftsministerium, Arbeitsagentur, IHK und Schulen zur schnelleren Vermittlung Jugendlicher mit (voraussichtlich) gutem Hauptschulabschluss in das duale System.
In das Programm „Berufseinstiegsbegleitung (BerEB) - Bildungsketten“ wurden im Regionalverband Saarbrücken zusätzlich vier Schulen (jeweils zwei Gesamtschulen und Erweiterte Realschulen) aufgenommen. Damit gibt es „BerEB“ an insgesamt neuen Schulen im Regionalverband.
Projektschwerpunkte im Zeitraum Juli 2010 bis Juni 2011 lagen in den Bereichen Bestandsanalysen, Gremienarbeit, Cultural Mainstreaming, verwaltungsinterne Vernetzung, Ergebnissicherung und Nachhaltigkeit.
Nachfolgend eine Auswahl der Arbeitsergebnisse:
Die Informationsangebote wurden kontinuierlich aktualisiert. Die Version 2.0 (Stand November 2010) des Plakat-Wegweisers „Startklar?” steht inzwischen auch online zur Verfügung. Es soll noch während der Projektlaufzeit eine weitere Aktualisierung geben.
Auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Jugendamtes sowie die Berufsberater und Berufsberaterinnen der Agentur für Arbeit nutzen den Plakat-Wegweiser „Startklar?”.
Das Info-Portal Schule - Beruf, das Förderprogramme und Angebote im Regionalverband Saarbrücken rund um den Schwerpunkt „Jugend und Beruf” beschreibt, wird ebenfalls ständig aktualisiert. Unter dem Link Dokumentation findet man eine Tabelle mit Angaben über erfolgte Aktualisierungen, so dass für regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer schnell ersichtlich wird, ob sich seit dem letzten Besuch des Info-Portals wesentliche Änderungen ergeben haben.
Die KoSa NEWS informieren regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Projekte, die im weiteren Sinn das Thema Übergang Schule-Beruf und insbesondere das Projekt KoSa betreffen. Der jüngste Newsletter Nr. 2/2010 informiert über die Ergebnisse der Schul- und Schüler-, Schülerinnenbefragung, über ein Modellprojekt zu anonymisierten Bewerbungen, über das Projekt „Mit MigrantInnen für MigrantInnen“, über den Ausbau der Berufseinstiegsbegleitung und den Wegweiser „Startklar?“.
Bislang haben sieben Sitzungen der Umsetzungs- und vier Sitzungen der Lenkungsebene stattgefunden. Ferner gab und gibt es temporäre Arbeitsgruppen der Akteure zu Schwerpunktthemen (Daten, Best Practices, Kooperation allgemein- und berufsbildende Schulen). Zu nennen wären insbesondere der Runde Tisch „Berufseinstiegsbegleitung“, der Runde Tisch „Erweiterte Vertiefte Berufsorientierung“, der Arbeitskreis der Schulsozialarbeit zum Übergang Schule-Beruf und die Kooperation mit dem Bildungsministerium im Landesprogramm „Zukunft konkret“.
Es hat sich ferner eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich um Verbesserungen in der Kooperation am Übergang von der allgemein- zur berufsbildenden Schule bemüht (Integrationszirkel „Schnittstelle“).
Aus diesem Zusammenhang heraus entstand eine Kooperation zwischen einer Erweiterten Realschule und einem Berufsbildungszentrum, in der ein Modellkonzept zur Kooperation der beiden Schulformen erstellt wird, um den Übergang zu erleichtern. Im September 2011 wird es dazu eine Veranstaltung für Lehrkräfte beider Schulformen geben.
KoSa hat die Diskussion über die im Saarland nicht geregelte Kontrolle der Einhaltung der Berufsschulpflicht angestoßen und auf die daraus resultierenden Schwierigkeiten hingewiesen. Das Thema wurde von den Gremien an eine Arbeitsgruppe (im Bildungsministerium) delegiert, die Wege zur Abhilfe entwickeln soll. KoSa erhielt ferner den Auftrag, den vor Jahren versandeten „Arbeitskreis Schule-Wirtschaft“ zu reanimieren, als Forum zur Information und Abstimmung des Übergangsgeschehens zwischen Unternehmen und Schule. Die erste Sitzung des wiederbelebten Arbeitskreises ist für den November 2011 vorgesehen.
KoSa steht weiterhin in regelmäßigem Austausch mit dem zweiten saarländischen Projekt der Förderinitiative 1, mit dem RÜM Landkreis St. Wendel.
Die Ergebnisse der Schul- und Schülerinnen-, Schülerbefragungen wurden dokumentiert und im Herbst 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. KoSa hat seine Datenerhebungen zur Berufsorientierung im Regionalverband im Frühjahr 2011 mit einer Elternbefragung abgeschlossen. Befragt wurden die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 an allen Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen sowie Eltern in Migrantenselbstorganisationen. Für türkischstämmige Eltern (Personen türkischer Herkunft stellen den größten Teil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Regionalverband) wurde der Fragebogen in Zusammenarbeit mit dem Türkischen Elternbund Saarbrücken ins Türkische übersetzt. Die Ergebnisse der Befragungen sind verschriftlicht und werden im Herbst 2011 auf einer Fachveranstaltung öffentlich präsentiert.
In Kooperation mit dem Projekt "Lernen vor Ort" fand im November 2010 die zweite Sitzung des verwaltungsinternen Arbeitskreises „Bildung im Regionalverband Saarbrücken“ unter Beteiligung der Verwaltungsspitze und aller bildungsrelevanten Fachdienste statt. Themenschwerpunkte sind: Eckpunktepapier Gebundene Ganztagsschule, Intergenerationelles Lernen und regionale Bildungsberichterstattung.
Auf Anregung des Jobcenters bildete sich aus dem genannten Arbeitskreis eine Kooperation mit der Agentur für Arbeit zum Thema „Arbeitsmarktmonitor“ heraus. Es soll ein „Integriertes Entwicklungskonzept Dekadenplanung - Vision 2022“ auf der Ebene des Regionalverbandes entstehen. Das Konzept soll den Datenaustausch regeln, Indikatoren entwickeln und Ziele formulieren. KoSa ist in den Prozess eingebunden.
Seit Projektbeginn sind Migrantenorganisationen in den KoSa-Gremien als ordentliche Mitglieder beteiligt.
Seit Januar 2010 ist KoSa aktives Mitglied des regionalverbandsweiten Arbeitskreises MIA (Migration und Integration).
Im Frühjahr 2011 beteiligte sich KoSa erneut an der Integrationsmesse „IMMIGRA“.
Im Rahmen des programmbegleitenden Projektes "Mit MigrantInnen für MigrantInnen" wurden ab November 2009 18 Personen aus 15 Migrantenselbstorganisationen von KoSa und QUASA (Förderinitiative 2) als Bildungsbeauftragte geschult. Die Schulungen fanden im 1-bis 2-Monatsrhythmus möglichst in den Vereinen statt. Als Veranstaltungsform wurden offene Gesprächsrunden mit der Möglichkeit des persönlichen Dialoges zwischen Netzwerkpartnerinnen, -partnern und Bildungsbeauftragten gewählt. Außerdem trafen sich KoSa und QUASA regelmäßig mit den Bildungsbeauftragten zum Austausch, zur Vorbereitung der Dialogforen und zum Klären offener Fragen.
Zu jeder Veranstaltung wurden gut verständliche Handouts ausgegeben, die in einem Schulungsordner gesammelt werden und auch online zum Abruf stehen.
Es fanden außerdem zwei interkulturelle Schulungen für 14 Vertreterinnen und Vertreter der Netzwerkpartner und eine für die Bildungsbeauftragten statt.
Eine Elternveranstaltung informierte unter Mitwirkung der Bildungsbeauftragten türkische Eltern über Wege in den Beruf.
Über das Thema „Bildungsbeauftragte im Regionalverband Saarbrücken“ informiert ein Flyer, der u.a. auch Anschriften und Telefonnummern der mitwirkenden Vereine sowie Photos und Portraits von bereits ernannten Bildungsbeauftragten enthält. Der Flyer wendet sich vor allem an Schulen und Bildungsakteure im Regionalverband.
Zur Eigenwerbung in ihrem räumlichen Umfeld wurden den Bildungsbeauftragten außerdem individuelle, mehrsprachige Plakate zur Verfügung gestellt.