
ÜSB - Übergang Schule-Beruf. Regionales Übergangsmanagement der Stadt Mainz. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf
Übersicht
Projektleitung:
Horst Maus
Arbeitsmarktförderung im Büro OB der
Landeshauptstadt Mainz
Rathaus
Jockel-Fuchs-Platz 1
55116 Mainz
Tel.: 06131-12 36 33
Fax: 06131-12 36 37
E-Mail: horst.maus@stadt.mainz.de
Die kreisfreie rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz hat rund 200.000 Einwohner, darunter ca. 95.500 (48 Prozent) sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stand 2006). „Passausländer“ haben einen Anteil von knapp 16 Prozent. Im gesamten Agenturbezirk Mainz waren im Mai 2008 17.141 Menschen arbeitslos gemeldet, darunter 1.727 (10,1 Prozent) Jüngere unter 25 Jahren, und 3.701 (21,6 Prozent) Ausländer. Von den 8.367 bei der Hauptagentur Mainz gemeldeten Arbeitslosen entfielen 2.706 (32 Prozent) auf den Rechtskreis SGB III und 5.661 (68 Prozent) auf den Rechtskreis des SGB II.
Die Beschäftigungs- und Arbeitsmarktförderung im Büro des Oberbürgermeisters koordiniert in Zusammenarbeit mit dem Sozialdezernat das Netzwerk Forum Pro Ausbildung, ein seit 1999 institutionalisierter, wenngleich informeller Zusammenschluss der lokal und regional am Ausbildungsmarkt aktiven Akteure. Im Forum Pro Ausbildung engagieren sich die allgemein- und berufsbildenden Schulen, die Kammern, die Arbeitsagentur, das Job-Center, die mit der Thematik befassten Landesministerien (Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Ministerium für Bildung, Weiterbildung, Jugend und Kultur), die Kirchen, der DGB und Einzelgewerkschaften, Sozialverbände, der Ausländerbeirat, die Jugendmigrationsdienste, verschiedene Migrantenselbstorganisationen, die Bildungsträger und Träger einschlägiger Programme wie Kompetenzagenturen, Job-Füxe, Jugend-Scouts sowie Mitglieder des Stadtrates. Die Beschäftigungs- und Arbeitsmarktförderung versteht sich dabei als Impulsgeber und Katalysator eines Optimierungsprozesses, der auf die Verbesserung der Kooperations- und Kommunikationskultur im Netzwerk im Interesse der zielgruppenrelevanten Beratung junger Menschen abzielt.
Die Jugendberufsagentur Mainz hat nach zweieinhalbjährigen Vorbereitungen und Verhandlungen am 7. Januar 2008 ihre Arbeit aufgenommen und stellt derzeit bundesweit das erste Modell zur räumlichen und fachlichen Zusammenführung der Beratungsleistungen nach den Rechtskreisen des SGB II, III und VIII für die Zielgruppe der unter 25-jährigen dar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der U-25-Teams von Agentur für Arbeit und Job-Center für Arbeitsmarktintegration arbeiten unter einem Dach, dem der Mainzer Agentur für Arbeit, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Mainzer Jugendamts zusammen.
Ziel des Regionalen Übergangsmanagement ist die nachhaltige Verbesserung der Chancen benachteiligter junger Menschen auf Teilhabe an Bildung, Ausbildung und Berufsleben. Im Vordergrund steht dabei die gezielte Förderung und Berufsorientierung gerade der Jugendlichen mit geringeren Möglichkeiten am Ausbildungsmarkt zum Beispiel Hauptschülerinnen und -schüler mit und ohne Abschluss und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus soll mit den lokalen Akteuren eine Steigerung der Effektivität, der Übersichtlichkeit und der Qualität der Instrumente im Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf erreicht werden.
Es soll eine Zwei-Ebenen-Struktur, strategisch und operativ, mit den relevanten Akteuren der Schulen und des Ausbildungsmarktes geschaffen werden. Die Steuerungsebene erarbeitet ein Handlungskonzept, das die operative Ebene umsetzt beziehungsweise weiterentwickelt und bewertet Vorschläge aus der Praxis. Nach der systematischen Erfassung der Bedarfe sollen auch innovative Modelle zur beruflichen Orientierung erprobt werden. Das verfügbare Spektrum von Förder- und Unterstützungsangeboten soll prozesshaft so systematisiert werden, dass Übergänge von der Schule in den Ausbildungsmarkt noch besser gelingen.
Im Mai 2008 ist das Projekt „ÜSB … den Anschluss finden“ gestartet und bereits nach 3 ½ Jahren der bis Ende März 2012 befristeten Laufzeit ziehen die Beteiligten eine positive Bilanz.
In Mainz sind mit dem rheinland-pfälzischen Bildungs- und dem Arbeitsministerium, dem Job-Center Mainz und der Agentur für Arbeit, den Kammern und der Kreishandwerkerschaft, dem DGB, großen Arbeitgebern wie z. B. dem ZDF u.a.m. insgesamt mehr als 45 Institutionen, Organisationen und Bildungsträger im Projekt vertreten. Koordiniert wird „ÜSB … den Anschluss finden“ von der städtischen Arbeitsmarktförderung im Büro OB in Kooperation mit der städtischen Tochtergesellschaft SPAZ GmbH.
„In den vergangenen 3 ½ Jahren haben die Akteure in der Steuerungsgruppe und in den Arbeitsgruppen wichtige Akzente bei der Optimierung des Übergangs gesetzt und mehr Transparenz in die bisher unübersichtliche Übergangslandschaft gebracht“, beurteilt Projektleiter Horst Maus die bisherige Arbeit positiv. Zu diesen Akzenten gehöre nicht nur die Definition der Themenfelder, in denen die Akteure des regionalen Übergangs eine Optimierung sehen, sondern auch die sukzessive praktische Umsetzung der notwendigen Optimierungsschritte.
Durch die Teilnahme der verschiedenen Ebenen und Organisationen ist eine breite Plattform entstanden. In der Innen- und Außenwahrnehmung wurde die Möglichkeit geschaffen, verschiedene Sichtweisen und Vorgehensweisen bzw. Bedarfe aus erster Hand zu erhalten. „Mehr Transparenz und Kommunikation ist ein wesentliches Resultat der Arbeit des ÜSB in Mainz“, stellt der operative Projektkoordinator Thomas Häfner fest.
Die Netzwerkpartner beurteilen dies - nach Zitaten aus den Interviews durch die wissenschaftliche Begleitung - so:
„Die regelmäßigen Treffen haben eine intensive Kommunikation und einen intensiven Austausch zwischen den Netzwerkpartnern ermöglicht. Die Bereitschaft zur Abstimmung ist gestiegen. Die Transparenz ist größer geworden.“ …
„Alle Partner sitzen an einem Tisch zusammen und diskutieren über das Übergangssystem, machen Vorschläge und versuchen, sie umzusetzen.“ …
„Die Notwendigkeit von Netzwerkarbeit wurde in den Köpfen verankert. Dadurch wurde eine Kooperationskultur angestoßen. Das muss weiter entwickelt werden.“ …
„Durch die Steuerungsgruppe besteht die Möglichkeit, direkt mit potenziellen Kooperationspartnern des Übergangs zu kommunizieren…. Es ist eine Basis geschaffen worden für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in einem auch im Wettbewerb stehenden Markt. Die Kommunikation nicht nur unter den verschiedenen betroffenen Akteuren Schule, Arbeitsagentur, Kammern, Bildungsträger hat sich deutlich verbessert, auch die Kommunikation unter Marktteilnehmern, scheint deutlich besser geworden zu sein. Damit ist eine bessere Zielausrichtung möglich.“ …
Über die Zusammenarbeit von Schule, Berufsberatung und Wirtschaft im Bereich der Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung in Rheinland-Pfalz wurde im Oktober 2009 eine Rahmenvereinbarung zwischen dem rheinland-pfälzischen Bildungs- und Arbeitsministerium, der BA-Regionaldirektion, den Kammern sowie dem Landesverband der Unternehmen LVU geschlossen. Ein zentraler Bestandteil der Landesstrategie ist die Unterstützung und Etablierung von regionalen und lokalen Netzwerken, wie es das ÜSB darstellt:
„Zielrichtung der Rahmenvereinbarung ist es, dass die Region selbst Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler übernimmt, die dort leben, und sich Gedanken darüber macht, welche Übergangssysteme zu den jeweiligen regionalen Strukturen passen. Deswegen begrüßen wir auch dieses Projekt ÜSB, in dem alle Beteiligten gehört werden und ein Mitspracherecht haben.“ (MBWJK)
Nach dem intensiven Aufbau des ÜSB-Netzwerkes mit den relevanten Akteuren innerhalb des Übergangs Schule - Beruf in 2009 fanden in regelmäßigem Turnus die Sitzungen der Steuerungsgruppe, der Arbeitsgruppen sowie vier Akteurskonferenzen unter Beteiligung von Schulen, Bildungsträgern, Arbeitgebern und Migrantenorganisationen statt.
Die wichtigsten Meilensteine und Ergebnisse der bisherigen Aktivitäten sind:
Die 2009 entwickelte Online-Projektdatenbank wurde 2010 um die Angebote des Landkreises Mainz-Bingen erweitert. Um die Aktualität der Daten von eingetragenen Projekten zu gewährleisten, wurden alle Netzwerkpartner gebeten, ihre Profile zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Auch wurden neue Projekte in der Datenbank aufgenommen, um einen nahezu tagesaktuellen Überblick der Angebote des Übergangs Schule Beruf zu bieten.
Als Ergänzung wurden die „Übergangsmöglichkeiten nach Schulabschluss“ aufgelistet, sie sind nach einer Erprobungsphase mittlerweile online. Damit werden Interessierte vom aktuellen Schulabschluss auf entsprechende Maßnahmen, Schulen, Fördermöglichkeiten und deren Homepages verwiesen.
Im Jahr 2010 war ein Schwerpunkt der Kreativwettbewerb für Bildungsträger, die Vorschläge für eine frühzeitige Berufsorientierung an Schulen machen sollten.
Aus lediglich vier abgegebenen Angeboten wurde ein Bildungsträger mit der Durchführung des Projektes „Modellhafte Erprobung einer frühzeitigen Berufsorientierung an der Realschule plus Mainz-Gonsenheim“ beauftragt. Unter dem Namen „E³ – Erleben, Experimentieren, Erfahren“ startete das Modellprojekt an der Schule nach den Herbstferien 2010.
Bereits 2009 wurde die Praktikumszeitendatenbank zur Entzerrung der Praktikumstermine thematisiert. Anfang des Jahres 2010 erfolgte die Einbindung auf der Internetpräsenz des Projektes. Zum letzten Quartal 2010 wurde diese um den Praxistag ergänzt. Somit besteht die Möglichkeit für Schulen der Stadt Mainz und des Landkreises Mainz-Bingen, Blockpraktika und Praxistag selbstständig einzutragen. In Kooperation zwischen Boehringer Ingelheim und Schott Mainz mit dem Bildungsministerium RLP und dem Projekt ÜSB wurde damit ein insbesondere von Arbeitgeberseite gewünschtes Instrument geschaffen.
In regelmäßigen Abständen wird ein Elternbrief in Kooperation mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Mainz veröffentlicht. Themen bisher :
Eltern im Berufswahlprozess,
Als Ergänzung hat ÜSB einen Flyer zum Thema „Wie unterstütze ich mein Kind auf dem Weg in den Beruf?- Tipps und Hinweise für Eltern“ in deutscher, türkischer und arabischer Sprache erstellt. Eine weitere Veröffentlichung ist die Informationsbroschüre „Berufsorientierung“ auf der eigenen Homepage.
Derzeit arbeiten die Akteure des Netzwerks an einer Kooperationsvereinbarung zur Fortführung der Grundstruktur des Regionalen Übergangsmanagements nach dem Ende der geförderten Projektlaufzeit zum 31.03.2012.