Taunusstein: RÜM im Rheingau-Taunus-Kreis
RÜM - Regionales Übergangsmanagement im Rheingau-Taunus-Kreis. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf durch die Einrichtung einer regionalen Koordinierungsstelle
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Übersicht

Kontakt

Susanne Schneider
Regionales Übergangsmanagement des Rheingau-Taunus-Kreises (FB II RÜM)
Heimbacherstr. 7
65307 Bad Schwalbach
Tel.: 06124-510665
Fax: 06124-51018665
E-Mail: susanne.schneider@rheingau-taunus.de
www.ruem-rtk.de
www.rheingau-taunus.de

 

Ausgangslage

Der Rheingau-Taunus-Kreis ist ein Großflächenkreis mit einer Gesamtfläche von etwa 811 km² und erstreckt sich auf die beiden Kreisteile Rheingau und Untertaunus. Die Wohnbevölkerung umfasst 185.000 Einwohnerinnen und Einwohner, der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung liegt bei 8,9 Prozent. Die Personengruppe der Spätaussiedlerinnen und -aussiedler ist dabei nicht berücksichtigt. Die Unternehmensstruktur im Rheingau-Taunus-Kreis ist mittelständisch geprägt und zeichnet sich durch eine hohe Branchenvielfalt aus. Das Kreisgebiet ist ein moderner Wirtschafts- und Arbeitsraum, die wirtschaftlichen Schwerpunkte sind unterschiedlich verteilt: Im Rheingau konzentrieren sich Weinanbau und Fremdenverkehr, im Untertaunus sind der Dienstleistungs- und gewerbliche Sektor stark ausgeprägt. Im aktuellen Berichtsmonat August 2008 liegt die Erwerbslosenquote im Rheingau-Taunus-Kreis bei 4,4 Prozent, für Jugendliche unter 25 Jahren weist die Agentur für Arbeit einen Wert von 4,9 Prozent aus. Des Weiteren ist von einer schwer zu präzisierenden Dunkelziffer von nicht gemeldeten Jugendlichen und jungen Erwachsenen auszugehen, die von den Bildungs-, Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten nicht erreicht werden.

Ziele

Der Rheingau-Taunus-Kreis ist bestrebt, Entwicklung, Innovation und Kooperation auf den unterschiedlichsten Ebenen voranzutreiben und ist an vielen Stellen in die Netzwerkarbeit aktiv involviert. Bildung und Ausbildung sollen allen, auch bildungsfernen Bevölkerungsgruppen ermöglicht werden. Unter Berücksichtigung sozialer und wirtschaftlicher Herausforderungen durch den demografischer Wandel gewinnt die Zielaussage „Kein/e Jugendliche/r darf verloren gehen“ zusätzlich an Bedeutung.

Als Regieinstanz übernimmt das Übergangsmanagement die Aufgabe der Koordination und Steuerung des gesamten vorhandenen Angebots- und Beratungsspektrums im Landkreis, identifiziert Entwicklungs- und Innovationsbedarfe und führt beteiligte Akteure und bestehende Netzwerke zusammen. Dieses soll die Voraussetzungen schaffen, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit besonderem Förderbedarf den erfolgreichen Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt zu erleichtern. Der Verwirrung und der Überforderung angesichts zahlreich agierender Behörden, Träger und Einrichtungen mit einer Vielzahl an Maßnahmen und Angeboten kann so entgegengewirkt und den Bedarfen der Zielgruppe in verstärktem Maße angemessen und zielorientiert begegnet werden. Gender Mainstreaming und Cultural Mainstreaming sollen dabei als Querschnittsaufgabe berücksichtigt werden.

Umsetzungsstrategie

Die Aufgabenstellungen zum Aufbau einer kohärenten, abgestimmten Förderstruktur sind zahlreich und vielfältig angelegt. Die Koordinierungsstelle im Rheingau-Taunus-Kreis hat dazu Arbeitspakete identifiziert, die der inhaltlichen Ausrichtung und seiner Umsetzung den Rahmen geben. Als Grundlage zur weiteren Entwicklung dient eine umfassende Bestandsaufnahme der Akteure, ihrer Förderangebote sowie der formulierten Handlungs- und Entwicklungsbedarfe im Kreisgebiet. Thematische Zirkel befassen sich mit ausgewählten Themenkreisen, die sich aus den Entwicklungszielen, der Situationsanalyse und den Bedarfen ableiten lassen. Ein eigenes Arbeitspaket stellt der Schwerpunkt „Berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ dar. Zu den den Vorhabenprozess durchgängig begleitenden Arbeitspaketen zählen die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Transfer, Aufbau eines Netzwerkes der Unterstützungssysteme sowie das Feld der Mittelakquisition. Ein besonderes Augenmerk gehört der Einbindung von Politik und Wirtschaft, die in ihrer Funktion als steuernde Entscheidungsträger maßgeblich die Etablierung von Strukturen beeinflussen.

Umsetzungsstand Juli 2011

Die Tätigkeit der RÜM-Koordinierungsstelle war mit der zweiten Hälfte des Jahres 2010 und in 2011 durch politisches Geschehen beeinflusst. Landratswahlkampf, Wahl, Stichwahl als auch die nachfolgenden Koalitionsverhandlungen bis hin zum Koalitionsvertrag standen im Mittelpunkt des Kreisgeschehens.

 

Die Auseinandersetzung mit der nachhaltigen Verankerung und Verstetigung angestoßener und initiierter Aufgaben durch RÜM haben im Rahmen der Koordinierungsstelle mit der Halbzeit des Projekts in 2010 verstärkten Gedankenspielraum eingenommen.

 

Die bereits existenten Bildungsnetzstrukturen haben sich durch die Arbeitsansätze des RÜM qualitativ weiterentwickelt, Beziehungsgefüge innerhalb der Netzwerkstrukturen haben sich intensiviert und verdichtet.

 

Beispiele für umgesetzte Aktivitäten

 

Das RÜM im Rheingau-Taunus-Kreis hat ein Konzept entwickelt, das Sprach- und Lernförderung nach motivationspädagogischem Ansatz umsetzt, gekoppelt mit Einheiten zur Berufsorientierung. Das Konzept sieht des Weiteren vor, regionale Unternehmen in Förderpatenschaften einzubinden und den Jugendlichen Einblick in ihre Betriebe zu ermöglichen.

 

Eine Abwandlung dazu bildete das Kooperationsprojekt „Prüfungscoaching durch Schule ergänzende Sprach- und Lernförderung“ zwischen den Beruflichen Schulen Untertaunus und dem Lernzentrum „Learning by doing“ des ASB, das mit Beginn des Schulhalbjahres 2010/2011 als Pilot umgesetzt werden konnte: Jugendliche der 11. Fachschulklassen (mit und ohne Migrationsgeschichte), deren Abschluss gefährdet  war,  konnten an einem speziellen Prüfungscoaching teilnehmen, das Training führte zu einer Leistungsverbesserung besonders im Fach Deutsch. 4 der 5 Teilnehmer-/innen konnten die Schule erfolgreich abschließen.

 

Im Rahmen von Mittelakquisition verfolgt RÜM das Ziel, Gelder für die Finanzierung von schulergänzenden Sprachförderangeboten zu akquirieren bzw. bei der Akquirierung behilflich zu sein. Dazu ist u. a. mit dem Lions Club Verbindung aufgenommen worden.

 

In der Türkisch-Islamischen Gemeinde Bad Schwalbach hat eine weitere Informationsveranstaltung für Jugendliche und Eltern stattgefunden.

 

RÜM hat Kontakte zu Integrationslotsenden aufgebaut, die im Rahmen des Projektes „Lernen vor Ort“ und in anderem Bezugsrahmen ausgebildet worden sind und als Brücke für den Kontakt in die Migrantenorganisationen fungieren können. RÜM hat die Integrationslotsenden mit einem Informationsangebot bereits an seinem Stand auf der Ausbildungsmesse in Wiesbaden mit einbeziehen können.

 

Ein großes Themenfeld bildet der Dialog mit der Wirtschaft. Vor dem Hintergrund der demographischen Herausforderung „Fachkräftesicherung“ hat RÜM zahlreiche Aktivitäten angestoßen und umgesetzt. Im November 2010 konnte das Forum „Fachkräftesicherung und Ausbildungsperspektiven im Rheingau – Gewerbetreibende stellen sich den Herausforderungen“ mit dem Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Vorsitzenden und stv. Vorsitzenden der Rheingauer Gewerbevereine sowie der Wirtschaftsförderung des Kreises initiiert und umgesetzt werden.

 

Gemeinsam mit der Handwerkskammer Wiesbaden wurde die Informationsveranstaltung „Ohne Nachwuchs keine Zukunft“ für Betriebe und Bildungspartner im November 2010 durchgeführt.

 

Die Präsenz auf Gewerbemessen (Taunussteiner Industrie- und Gewerbeausstellung, Tage der Wirtschaft Idsteiner Land im September 2010, Leistungsschau Oestrich-Winkel April 2011 sowie Ausbildungsmesse Wiesbaden im Juni 2011) wird gezielt verfolgt, sie dient dem Aufbau von Kontakten zu Betrieben und Unternehmen, Eltern, Multiplikator/-innen und Jugendlichen.

Mit den Kammern und der Kreishandwerkerschaft ist der Blick auf einen Bildungspakt zur Fachkräftesicherung gerichtet, weiterhin steht in der Konkretion die Entwicklung eines gemeinsamen Konzeptes zur Einbindung von Eltern in allen Fragen rund um die Berufsbildung ihrer Kinder.

 

Im Rahmen des RÜM-Arbeitskreises „Wirtschaft - Bildung“ stehen im Themenspeicher die Durchführung von Speed-Dating-Veranstaltungen an Schulen zu bestimmten Berufsbranchen als auch die Idee der Konzeptionierung einer Lernwerkstatt (an Schule).

 

Für die Zielgruppe der Förderschülerinnen und -schüler wurde im April 2011 in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft, den Kammern und der Agentur für Arbeit ein Fachtag „Berufe zum Anfassen“ in Wiesbaden durchgeführt, dem Verein „Barrierefrei starten e.V.“ oblag dazu die Federführung.

 

Das Projekt „FuN“ (Familie und Nachbarschaft) zur Einbeziehung von Eltern, die in der Regel schwer erreicht werden, konnte unter Beteiligung dreier Schulstandorte (St.-Vincenzstift Aulhausen gemeinsam mit Hildegardisschule in Rüdesheim, Reformschule Oestrich-Winkel, IGS Wallrabenstein in Hünstetten) auf den Weg gebracht werden: Eine Fortbildungswerkstatt zur Qualifizierung eines Trainerteams von 12 Personen wurde durchgeführt, die Umsetzung Trainingseinheiten mit Eltern, Jugendlichen und Schule hat an zwei Schulen bereits erfolgreich stattgefunden, Supervisionsveranstaltungen haben sich angeschlossen. Die Finanzierung wurde in Kooperation mit den Präventionsräten Unterer und Oberer Rheingau, der Stadt Idstein sowie aus OloV-Mitteln sichergestellt.

 

Auf der jährlichen Ausbildungsmesse in Wiesbaden für die Region Wiesbaden/Rheingau-Taunus ist RÜM kontinuierlich vertreten. Im Juni 2011 wurde am Stand des RÜM ein Elterntreff eingerichtet, der Eltern als Anlaufstelle diente, um sich auszutauschen und zum Thema Ausbildung und Berufswahl mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Die Ausbildungsmesse Wiesbaden stellt für Eltern ein interessantes Forum mit zahlreichen Informationen rund um das Feld „Berufsorientierung und Berufswahlentscheidung“ dar.

 

Die Zusammenarbeit mit OloV hat sich intensiviert. So ist RÜM in den OloV-Fachzirkel der Förderschulen wie auch in den OloV-Fachzirkel der Schulkoordinator/-innen Berufsorientierung eingebunden. Der RÜM-Themenzirkel „Einbindung von Eltern“ hat sich mit der OloV-Arbeitsgruppe „Elternarbeit“ zusammengetan. Im Bereich der Übergangsberichterstattung auf datenbasierter Grundlage für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis hat sich eine enge Zusammenarbeit mit OloV und Lernen vor Ort im Rheingau-Taunus-Kreis entwickelt.

 

Weitere Verknüpfungen zwischen RÜM und Lernen vor Ort finden sich an den Schnittstellen „Integration“ und „Ehrenamtliches Engagement“. Im Fokus des RÜM steht die Durchführung einer Veranstaltung zum Thema „Integration“. Ein solches Format ist ebenso von Lernen vor Ort anvisiert. Daher ist die Umsetzung einer gemeinsamen Veranstaltung angestrebt.

 

Für die Entwicklung einer kohärenten Gesamtbildungsstrategie für den Rheingau-Taunus-Kreis und orientiert am Programmziel „Lebenslanges Lernen“ ist die gemeinsame Arbeit aller relevanten Partner an den Bildungs-Übergängen eines Menschen (Kindergarten-Grundschule, Schule-Beruf, Ende Erwerbsphase-nachberufliche Lebensphase) von grundlegender Bedeutung. RÜM ist als Koordinierungsstelle für den Übergang Schule-Beruf in die zweite Bildungskonferenz des Projektes  „Lernen vor Ort“ in die Vorbereitung und Ausrichtung der Veranstaltung mit eingebunden.

 

 

 
Förderung
Durchführung