Marburg
Regionales Übergangsmanagement im Landkreis Marburg–Biedenkopf. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf
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Übersicht

Kontakt

Landkreis Marburg-Biedenkopf
Fachbereich Familie, Jugend und Soziales
Fachdienst Jugendförderung 
Im Lichtenholz 60 
35043 Marburg 

Evelyne Rößer 
06421-4051730 
RoesserE@Marburg-Biedenkopf.de

www.ruem-marburg-biedenkopf.de

Ausgangslage

Das Vorhaben „Regionales Übergangsmanagement“ wird gemeinsam vom Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Stadt Marburg durchgeführt. Beide Gebietskörperschaften arbeiten auf dem Gebiet der Jugendberufshilfe und am Übergang Schule-Beruf für benachteiligte Jugendliche eng zusammen. In der Region Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Einrichtungen und Ansätzen, die zu einer gelingenden sozialen und beruflichen Integration junger Menschen einen Beitrag leisten. Was aber bisher fehlt, ist eine steuernde Instanz zur perspektivischen Planung der Erarbeitung gemeinsamer Zielvorgaben und zur strukturellen Abstimmung und Ausrichtung der Akteure.

Ziele

Vor dem Hintergrund der strategischen Ausrichtung des Vorhabens sollen die bestehenden Strukturen mit dem Ziel einer gesteigerten Effektivität und Effizienz modifiziert werden. Ziel dabei ist, ausgehend von Modellen einer sozialräumlichen und regionalen Ausrichtung, entwickelte Ansätze für die Fläche nutzbar zu machen und zum Beispiel im Rahmen von Fachtagungen einen entsprechenden Transfer zu leisten. Langfristig soll die Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss deutlich gesenkt werden mit dem Ziel, dass keine Jugendlichen im Übergang der Systeme „verloren“ gehen. Durch eine Optimierung des regionalen Übergangsmanagements sollen insbesondere die Zukunftschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund verbessert werden.

Umsetzungsstrategie

Damit Brüche im Bereich der Systemübergänge verhindert werden, muss im Sinne der Prävention möglichst frühzeitig eine abgestimmte Förderung schon im schulischen Bereich einsetzen. Die Optimierung adäquater Förderinstrumente und Verbesserung der Strukturen des regionalen Übergangsmanagements sollen durch die Handlungsschwerpunkte Förderung der auch interkulturellen Elternarbeit, Ausbau der Netzwerkstrukturen mit der Wirtschaft, Einführung einer abgestimmten Berufswegplanung, Optimierung der Datengrundlage und Verbindlichkeit der Kooperation der regionalen Akteure erreicht werden.

Umsetzungsstand Dezember 2011

Folgende Themenschwerpunkte wurden weiterverfolgt:

(interkulturelle) Elternarbeit

Die von den Lehrkräften in einer Fortbildungsreihe entwickelten Projekte zur berufsbezogenen Elternarbeit wurden an ihren Schulen durchgeführt und in einem Abschlussmodul ausgewertet. Die Projekte sowie die Erfahrungen, Stolpersteine und Lösungsmöglichkeiten wurden in einer Broschüre in Form einer Handreichung dokumentiert und der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Das RÜM-Team veranstaltete wie bisher schulische und außerschulische, z.T. auch fremdsprachige Elterninformationsveranstaltungen zum dualen Ausbildungssystem, dem Berufsorientierungsprozess und der Rolle der Eltern im Berufswahlprozess ihrer Kinder. Im August 2011 wurde ein Fachtag zum Thema berufsbezogene Elternarbeit durchgeführt. Hier berichteten Lehrkräfte, die an der zuvor genannten Fortbildung teilgenommen hatten, von ihren Erfahrungen in der Elternarbeit. Alle stellten eine positiven Entwicklung und eine verstärkte Zunahme der Elternbeteiligung fest. Dieser Fachtag wurde dokumentiert.

Darüber hinaus konnten weitere Multiplikatoren und Multiplikatorinnen zum Thema Elternarbeit in der Berufsorientierung in Workshops, regionalen und überregionalen Fachtagen und Fachveranstaltungen sowie Studienseminaren informiert und geschult werden. Unter anderem fand ein Runder Tisch Berufswahlpass statt, um einen informellen Austausch zum Thema Berufswahlpass zu ermöglichen. Dieses Angebot nahmen fast alle Schulen und Schulformen in der Region wahr.

Mozaik

Seit Beginn 2010 beteiligt sich das RÜM an dem Begleitprogramm „Mit MigrantInnen für MigrantInnen“. Ziel ist es, durch die Zusammenarbeit mit muttersprachlichen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren insbesondere aus Migrantenorganisationen (MO) die Bildungssituation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern und deren Eltern bei der Berufsorientierung ihrer Kinder zu unterstützen. Hierzu benötigen Eltern Informationen über das deutsche Schulsystem, Ansprechpersonen bei Problemen und Möglichkeiten ihre Kinder auf dem Weg in Ausbildung zu begleiten. Um diese Bedarfe zu decken, wurden die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für eine niedrigschwellige Beratung und Begleitung von jungen Menschen und deren Eltern (aus der eigenen MO) gestärkt und zu sogenannten „Bildungsbeauftragten“ qualifiziert.

Es konnten neun Organisationen für eine Kooperation gewonnen, 11 Bildungsbeauftragte in Qualifizierungsveranstaltungen geschult, vereinsinterne Informationsveranstaltungen durchgeführt sowie die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in regionale Netzwerke eingebunden werden. Hieraus entwickelten sich auch Kontakte zwischen Schulen und Migrantenvereinen, die weiterhin ausgebaut und intensiviert werden. Im November wurden die Bildungsbeauftragten für ihr Engagement zertifiziert. Das Projekt wird bis März 2012 weitergeführt.

Transparenz

Im Mai 2010 ging die Homepage des RÜM mit Angebotsseiten für Eltern, Betriebe, Netzwerkpartner, Schulen und Jugendliche unter der Adresse www.ruem-marburg-biedenkopf.de ans Netz. Die Internetseiten werden ständig aktualisiert und Termine, Aktuelles, Produkte und Dokumentationen des Projektes auf ihnen präsentiert.

Um die Transparenz am Übergang Schule-Beruf auszubauen, wurde auch eine Online-Datenbank Übergang Schule-Beruf erstellt. Hier können Träger ihre Maßnahmen und Angebote am Übergang Schule-Beruf einstellen und für Jugendliche, Eltern und Fachkräfte zugänglich machen.

Mit einer durch das RÜM durchgeführten Telefonakquise Ende 2010 konnten für die Online-Praktikumsbörse des Landkreises Marburg-Biedenkopf zahlreiche Betriebe, die Praktikaplätze anbieten, für einen Börseneintrag gewonnen werden.

Zusammenarbeit mit Wirtschaft

In dem vom RÜM in Kooperation mit dem SSA moderierten Netzwerk Dialogforum Arbeitgeber-Schule wurde ein Kriterienkatalog „Qualitätskriterien für betriebliche Praktika“ mit dazugehörigen Verhaltensregeln in Praktika entwickelt. Dieser wurde flächendeckend in der Region an alle Schulen und Betriebe verteilt. Thematische Schwerpunkte in den regelmäßig stattfindenden Treffen waren: Schule-Wirtschaftskooperationen, Ausbildungsreife, Berufswahlpass und Bewerbungsverfahren. Um die Zusammenarbeit der Netzwerkpartner untereinander zu fördern und die direkte Kontaktaufnahme untereinander zu erleichtern, wurde Anfang 2011 eine AG Kontakte gegründet. Die Mitglieder dieses Netzwerkes konnten in verschiedenste Berufsinformationsveranstaltungen eingebunden werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und der regionalen Wirtschaft konnte durch zahlreiche Aktivitäten gestärkt werden, z.B. „Schüler schnuppern Wirtschaftsluft“. Die Wirtschaftsjunioren bieten Schulbesuche und Betriebsbesichtigungen mit dem Ziel an, die Motivation der Jugendlichen durch den persönlichen Kontakt mit Führungskräften aus der Wirtschaft zu stärken. In dem ebenfalls in Zusammenarbeit mit OloV durchgeführten „PeerGroup-Projekt“ berichten Auszubildende in Schulklassen über ihre Erfahrungen auf dem Weg in den Beruf.

Zusammenarbeit mit Modellschulen

Die Zusammenarbeit mit den Modellschulen konnte weiter fortgesetzt werden. RÜM unterstützte und beriet die Schulen bei der Durchführung von Berufsorientierungsveranstaltungen, Berufsorientierungs-Camps oder Elternabenden. An allen Schulen wurden Schulcurricula im Rahmen von OloV entwickelt. Die für die Berufsorientierung zuständigen Schulkoordinatoren und -koordinatorinnen sind in die regionalen Netzwerke eingebunden. An einer Modellschule wurde in Kooperation mit dem RÜM ein schuleigener Berufsorientierungsraum aufgebaut und die Elternarbeit intensiviert. Der Berufsorientierungsraum bietet Raum für alle Themen, Aktionen und Akteure, die am Übergang Schule-Beruf an der Schule zum Einsatz kommen (wie Beratungsgespräche, Elterngespräche, Kompetenzfeststellungen, Berufsberatung, Informationssuche und -vermittlung u.v.m). Beide Angebote konnten in das schulische Berufsorientierungskonzept der Modellschule integriert werden. Außerdem kam aufgrund der gut ausgebauten Netzwerkarbeit des RÜM eine Kooperation Schule-Betrieb zwischen dieser Modellschule, einem Betrieb aus der Region und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zustande. Diese und eine weitere Modellschule sind mit dem hessischen Gütesiegel Berufs- und Studienorienierung ausgezeichnet worden.

Das regionale Schulraster, welches die Berufsorientierungsaktivitäten aller Haupt- und Realschulen der Region zusammenfasst, um der regionalen Koordinierungsstelle eine gezielte Maßnahmesteuerung und bedarfsgerechte Unterstützung der Schulen zu ermöglichen, wurde durch Angaben der Förderschulen ergänzt. Die Schulkoordinatorinnen und -koordinatoren der Förderschulen nehmen ebenfalls an den SchuKo-Versammlungen teil.

Datenerhebung

Im Juni 2009, im Mai/Juni 2010 und im Mai/ Juni 2011 wurden die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen (Hauptschulen) sowie der Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung (Berufliche Schulen) befragt, um eine Datengrundlage für die weitere Arbeit zu schaffen. Bereits in den Jahren 2006-2008 gab es ähnliche Befragungen vor Ort, so dass Entwicklungen dargestellt werden können. Die Ergebnisse der Schülerbefragung 2011 werden in den Netzwerken bekanntgegeben.
Als ein Fazit zeigt sich, dass folgende Themen sollten weiterhin bearbeitet und ausgebaut werden sollten:

  • Zielgruppengerechte Angebote zur Berufsorientierung und Erweiterung des Berufswahlspektrums von Jugendlichen sollten ausgeweitet und fortgesetzt werden (durch Einbindung von Eltern, der Wirtschaft u.a.);
  • die Attraktivität, Perspektiven und Chancen der dualen Ausbildung sollten frühzeitig aufgezeigt werden (durch Einbindung von Eltern, der Wirtschaft u.a.);
  • Eltern sollten durch zielgruppen- und bedarfsgerechte Angebote in die (schulische) Berufsorientierung aktiv eingebunden werden; auch Peer-Group-Ansätze sind Erfolg versprechend und sollten weiterentwickelt werden;
  • Außerdem sollten Angebote zur Qualifizierung und Stärkung von Lehrkräften im Kontext der zielgruppenbezogenen Berufsorientierung aufrecht erhalten bzw. ausgebaut werden.

Es wurde eine Online-Datenbank Übergang Schule-Beruf erstellt und auf der Homepage des RÜM zugänglich gemacht. Hier können Institutionen ihre Maßnahmen und Angebote am Übergang Schule-Beruf bekanntmachen. Mit Hilfe einer Suchmaske können Jugendliche die für sie in der Region passenden Angebote herausfiltern. Es wurde großen Wert auf eine jugendgerechte Sprache gelegt.

Um die Zufriedenheit von Schülerinnen und Schülern am Übergang Schule-Beruf und in der Berufsorientierung zu erfassen, wird gerade ein Online-Fragebogen entwickelt, der die adressatenbezogene Zufriedenheit mit der schulischen Berufsorientierung und die Einstellungen und Erwartungen von Jugendlichen um Übergang Schule-Beruf misst.

Netzwerkarbeit

RÜM moderiert und organisiert verschiedenste Netzwerke und Regionalkonferenzen am Übergang Schule-Beruf mit den Zielen, Transparenz zu schaffen und Netzwerkarbeit zu fördern. Darüber hinaus ist das RÜM in weitere Netzwerke als Teilnehmer eingebunden.

Beteiligung an Veranstaltungen, z.B. Ausbildungstage des KJC, Berufsorientierungsveranstaltung „Komm rein - Mach mit“, Ausbildungsmessen.

Kooperation

Das Regionale Übergangsmanagement hat die OloV-Regionalkoordination für die Region Marburg-Biedenkopf übernommen, moderiert die Treffen der OloV-Steuerungsgruppe und koordiniert die Umsetzung der Zielvereinbarungen.

Veröffentlichungen

  • das RÜM Marburg-Biedenkopf beteiligte sich an der Praxis-Publikation des Projektträgers mit einem Beitrag zur berufsbezogenen Elternarbeit;
  • Herausgabe eines Elternflyers in türkischer Sprache; die Flyer wurden an Schulen, Institutionen und Migrantenvereine verteilt;
  • das Plakat „Wie weiter nach der Schule“ soll Transparenz am Übergang Schule-Beruf schaffen; dieses wird vom RÜM in Zusammenarbeit mit OloV gestaltet und demnächst herausgegeben;
  • eine Dokumentation des 2010 an einer Modellschule durchgeführten Berufsorientierungs-Camps wurde von RÜM in Zusammenarbeit mit OloV erstellt;
  • ein Flyer über das Peer-Group-Projekt ist ebenfalls in Zusammenarbeit mit OloV in Arbeit.


 

 
Förderung
Durchführung