Leipzig
Regionales Übergangsmanagement Leipzig. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf
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Kontakt

Claudia Steudel
Regionales Übergangsmanagement Leipzig
c/o Stadt Leipzig, Amt für Jugend, Familie und Bildung, Abteilung Planung und Fachaufsicht;
Naumburger Str. 26, Raum B 306
04229 Leipzig

Tel.: 0341-123 6823
Fax: 0341-123 4495
E-Mail: claudia.steudel@leipzig.de

www.uebergangsmanagement-leipzig.de  

Ausgangslage

Jugendlichen stehen nach der Beendigung der allgemeinbildenden Schule zahlreiche Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten offen. Doch nicht allen gelingt nach der Schulzeit der direkte Anschluss in die Ausbildung, die Grundvoraussetzung für eine langfristige gesellschaftliche Integration ist. Besonders Schülerinnen und Schüler mit niedrigem oder ohne Schulabschluss haben es schwer, den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt schnell und erfolgreich zu bewältigen. Sie absolvieren auf ihrem Weg oft Zwischenschritte, wie das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) oder Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB).

Den Schwierigkeiten Jugendlicher beim Einstieg in die Arbeitswelt wird in den letzten Jahren mit wachsender politischer Aufmerksamkeit und hohem Mitteleinsatz begegnet. Der „Leipziger Aktionsplan für Beschäftigung“ aus dem jahr 2007 benennt drei Handlungsfelder, die sich dezidiert auf die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen beziehen und das strategische Ziel der Verbesserung der Integration von Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt formulieren. Die Stadt Leipzig setzt jährlich umfangreiche Mittel, u.a. für Angebote im Bereich der Schulsozialarbeit, Projekte für Schulverweigerer und Schulverweigerinnen sowie für die arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit ein.

Ziele

Trotz des bisherigen kommunalen Engagements bleiben immer wieder Jugendliche zurück. Dabei ist der Blick auf die Defizite des Einzelnen unzureichend. Vielmehr sind strukturelle Verbesserungen anzustreben, welche die Integrationschancen von Jugendlichen in Ausbildung oder Arbeit erhöhen. Das „Regionale Übergangsmanagement Leipzig“ zielt deshalb ab auf
  • die Erhöhung der Transparenz über Aufgaben und Zuständigkeiten von Akteuren im Übergangsfeld,
  • die Herstellung verbesserter Arbeitsbeziehungen und die Organisation fachlicher Verständigung über institutionelle Grenzen hinaus und
  • die Ermittlung von Lücken im lokalen Übergangssystem sowie die Vereinbarung und Umsetzung gemeinsamer Handlungsschritte.

Anliegen ist es, die Übergänge Jugendlicher durch eine intensive Zusammenarbeit der Akteure zielgenauer und präventiver zu gestalten. Gelingt diese Optimierung, wird ihre berufliche und soziale Integration gestärkt, die Zahl der Mädchen und Jungen ohne Berufsabschluss sinkt und die Folgekosten verringern sich.

Umsetzungsstrategie

Die Vernetzung der Akteure im Bereich des Übergangs wird federführend durch die im Rahmen des Projekts eingerichtete Koordinierungsstelle gesteuert. Sie dient als Schnittstelle und Impulsgeber für die Umsetzung der vier zentralen Handlungsschwerpunkte des Vorhabens:
  • Weiterentwicklung schulischer Berufsorientierung,
  • Gewinnung und Aktivierung von Eltern für die Berufsorientierung ihrer Kinder,
  • Steigerung der Effektivität von Übergangsmaßnahmen und
  • Optimierung des Übergangs Jugendlicher von Maßnahmen in Ausbildung beziehungsweise Erwerbstätigkeit.

Als Beirat fungiert die Koordinierungsrunde „Berufliche Bildung“. Im Beirat sind u.a.: die HWK zu Leipzig, die IHK zu Leipzig, die Agentur für Arbeit Leipzig, die Jobcenter Leipzig, das Schulverwaltungsamt der Stadt Leipzig, das Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig und die Sächsische Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig vertreten. Durch die Anbindung an die Koordinierungsrunde „Berufliche Bildung“ können bestehende Strukturen genutzt und der Aufbau von Parallelstrukturen umgangen werden. Zur stärkeren Verknüpfung bestehender Einzelnetzwerke im Übergangssystem, wodurch u.a. eine Verbesserung der Abstimmungsprozesse gelingt, wurden zum Jahresanfang 2009 die Kompetenzagenturen, das Netzwerk B.O.S.S. Mitteldeutschland und die Fachgruppe Jugendberufshilfe in den Beirat integriert.

Über Arbeitsforen mit prozessorientierten Arbeitsaufträgen und Fachveranstaltungen wird ein hoher Praxisgehalt sowie eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit erreicht. Neben zahlreichen Fachaustauschen wurden bislang fünf Fachtagungen, wie beispielsweise „BE[nach]TEILIGUNG! Potentiale nutzen. Impulse zur beruflichen Förderung von Jugendlichen und Erwachsenen in Unternehmen“ (06.10.2009), „Lebensplanung ohne Eltern ist wie Segeln ohne Wind“ (19./20.03.2010) und „Bildungs- und Arbeitsmarktpotentiale nutzen“ (27.05.2011) ausgerichtet.

Umsetzungsstand August 2011

Für die Umsetzung des Projektes bilden die „Leipziger Schulabsolventenstudien“ eine wichtige Datengrundlage. Die Längsschnittuntersuchungen verfolgen die Wege Leipziger Mittelschüler und -schülerinnen des Abschlussjahrgangs 2006/2007 sowie Leipziger Förderschülerinnen und -schüler des Abschlussjahrgangs 2008/2009 durch das Bildungs-, Ausbildungs- und Erwerbssystem und konnten im Juni 2011 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Studien stellen nicht nur eine Bestandsaufnahme kommunaler Strukturen und Angebote im Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt dar, sondern weisen zugleich auch Handlungsbedarfe im Übergangssystem auf. Nach Abschluss der Längsschnittuntersuchung der Mittel- und Förderschüler zeigt sich, wie vielen Jugendlichen ein erfolgreicher Übergang in den ersten Arbeitsmarkt gelang. Die Studien bestätigen aber auch, dass die Jugendlichen an Förder- und Hauptschulen weiterhin große Unterstützung beim Übergang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt benötigen.

Die Folgexpertise „Stand und Entwicklungsoptionen von schulischen Konzepten zur Berufs- und Studienorientierung“ stellt dar, dass seit Beginn des Projektes 2008 und der Einführung der „Sächsischen Strategie zur Berufs- und Studienorientierung“ die Entwicklung schuleigener Konzepte und die Arbeit mit dem Berufswahlpass weiter voranschreitet.
Darüber hinaus wurde die Thematik der Berufsorientierung im Lehramtsstudium der Universität Leipzig, im Referendariat und der Ausbildung von Sozialpädagogen verankert. Die Fortbildung für Lehrkräfte sieht ein Unternehmenspraktikum vor und wurde im Jahr 2011 zum dritten Mal in Folge erfolgreich durchgeführt. Lehrkräfte erhalten hier neben Theoriemodulen im Rahmen eines einwöchigen Unternehmenspraktikums vertiefende Einblicke in die regionale Ausbildungs- und Wirtschaftspolitik.

Im Bereich der Elternarbeit wurden Instrumente entwickelt und erprobt, die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag stärken, sie für ihre Rolle im Berufsorientierungsprozess sensibilisieren und ihnen Informationen zur Thematik des Übergangs von der Schule in die Arbeitswelt vermitteln sollen. Es entstanden Informationsmaterialien wie eine Aktionslandkarte mit Informations- und Beratungsangeboten für Eltern zum Thema Berufsorientierung und Elternbriefe zur Thematik Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. Die 2009 durchgeführte Elternbefragung zur Ermittlung von Wünschen und Bedarf an Informationsmöglichkeiten und Beratungsangeboten sowie das Modellprojekt „Gemeinsam in die Zukunft. Elternarbeit am Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt“ an einer Förder- und einer Mittelschule in Leipzig, liefern Ansätze und Erfahrungen in der Ansprache von Eltern. Nach Abschluss des Modellprojekts entstand die Broschüre „Elternarbeit. Was?, Wie?, Warum?" als Handreichung und Anregung für Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter und Multiplikatoren.

Die ergänzend zu den bereits vorhandenen Angebotskatalogen zur Berufsorientierung vorliegende Datenbank zu Förderinstrumenten, die während und mit Verlassen der Schule greifen, wird weiterhin regelmäßig ergänzt und aktualisiert. Das Onlineportal schafft Transparenz, dient als Leitfaden und Arbeitshilfe für Akteure im Übergangssystem und leistet einen Beitrag zur passgerechteren Vermittlung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Maßnahmen. Ausgehend von den zahlreichen Angeboten in der Datenbank und Anregungen durch Kooperationspartner entstanden in den letzen Monaten verschiedene Publikationen: „Wegweiser für deine berufliche Zukunft“ für Jugendliche, „Berufsausbildung - Förderungen für Unternehmen“ sowie die Broschüre „Berufliche Perspektiven für Ein-Eltern-Familien im SGB II“.

Leipzig ist mit Schwerin, Darmstadt, Kiel, Marburg, Dortmund, Bielefeld und Saarbrücken weiterhin in das bis Oktober 2011 laufende Begleitprojekt „Mit MigrantInnen für MigrantInnen - Interkulturelle Kooperation zur Verbesserung der Bildungsintegration“ eingebunden. Neben der Konzipierung und Durchführung einer monatlich statt findenden „Qualifizierungsreihe zum Bildungsbeauftragten in Migrantenorganisationen“ wurden interkulturelle Schulungen für Partner und Akteure am Übergang Schule-Beruf initiiert, unterstützend die Leipziger Integrationsmessen 2010 und 2011 ausgerichtet sowie ein Modellprojekt zur Sensibilisierung von Eltern mit Migrationshintergrund für den Übergang Schule-Beruf begleitet.

Die Sensibilisierung von Unternehmen für chancenarme Jugendliche wird in der verbleibenden Projektlaufzeit weiterhin ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt sein. Vor diesem Hintergrund wurde 2010 die Neuausrichtung des Berufsausbildungspreises der Stadt Leipzig „AZUBI 2010 - Erzähl uns Deine Geschichte“ unterstützt und auch 2011 fortgeführt.
Bereits Anfang des Jahres fanden in Zusammenarbeit mit den Kammern Veranstaltungen zur Sensibilisierung von Unternehmen und zur Bekanntmachung von Fördermöglichkeiten statt. Derzeit befindet sich eine Kampagne in Planung, die das Thema aufgreifen wird.

Weitere Schwerpunkte bis zum Ende der Projektlaufzeit sind Schulabbrecher und -abbrecherinnen, Schulabgängerinnen und -abgänger, die Schulverweigerung im Berufsvorbereitungsjahr, der Abbruch von Berufsausbildungen sowie die Übergabe erarbeiteter Ergebnisse und Produkte an Kooperationspartner.

 

 
Förderung
Durchführung