
Regionales Übergangsmanagement in der Bildungslandschaft Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Schule-Beruf
Übersicht
Manuela Sprechert
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Landratsamt
Referat Wirtschaftsförderung
Zehistaer Str. 9 (Haus B, Zi. 309)
01796 Pirna
Tel.: 03501-515 408
Fax: 03501-515 235
Mail: manuela.sprechert@bildungslandschaft.eu
Anna Schindler
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Landratsamt
Referat Wirtschaftsförderung
Zehistaer Str. 9 (Haus B, Zi. 309)
01796 Pirna
Tel.: 03501-515-408
Fax: 03501-515 235
Mail: anna.schindler@bildungslandschaft.eu
http://www.landratsamt-pirna.de
http://www.bildungslandschaft.eu
Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge agiert eine Vielzahl von engagierten Akteuren und Unterstützern, die das gemeinsame Ziel einer lebendigen, lebenswerten und zukunftsorientierten Region verfolgen.
Die Vielfalt der bisherigen Angebote im Landkreis sichert direkte und zahlreiche alternative Wege der schulischen Bildung, Berufsorientierung, Qualifizierung und beruflichen Integration. Sie schafft aber auch einen hohen Grad an Unübersichtlichkeit, der zu Unsicherheiten für Entwicklungswege und individuelle Unterstützungsmöglichkeiten bei Jugendlichen, Eltern und regionalen Akteuren führt. Aufgrund des ländlichen Raumes, der Demografie sowie der zum Teil finanzschwachen klein- bis mittelständischen Wirtschaft, besteht schon jetzt in einzelnen Branchen ein Fachkräftemangel.
Zu den Zielen des Projekts gehören die Schaffung eines zentralen Anlauf-, Sammel- und Koordinierungsmanagements und die koordinierte Weiterentwicklung bisheriger Einzelstrategien. Es soll eine stärkere Breitenwirkung der Maßnahmen und Projekte durch Öffentlichkeitsarbeit, aber auch durch Netzwerke zwischen Wirtschaft, Bildungsträgern, Politik und Jugend entstehen. Damit wird das Image der Region als attraktiver Arbeits- und Lebensraum gestärkt. Durch eine Kooperation und Abstim-mung der Akteure sollen Ressourcen geschont und optimiert werden. Fehlbewerbungen und Abbrecherquoten von Schülerinnen und Schülern beziehungsweise Auszubildenden können durch einen gezielten Abgleich von Fähigkeiten und Anforderungen gesenkt werden. Vor allem durch präventive Angebote soll hier so früh wie möglich flächendeckend Berufsorientierung stattfinden, bei der Qualitätsstandards angestrebt werden.
Über die Onlineplattform http://www.Bildungslandschaft.eu sollen Schülerinnen und Schüler, Eltern, Unternehmen, Politik und Bildungsträger vernetzt werden, um miteinander zu kommunizieren. Sie bietet eine zentrale Übersicht und Best-Practice-Beispiele. Doppelaktivitäten werden so vermieden. Mithilfe von zielgruppengerechten Ansprachen werden Akteure für jugendliche Lebenswelten sensibilisiert und junge Menschen mit Anforderungen und Erwartungen, zum Beispiel seitens der Wirtschaft, konfrontiert.Durch eine aktive Vernetzung, bei der bestehende Konkurrenzsituationen im System akzeptiert und Prioritäten gesetzt werden, werden die Strategien, Planungen und Inhalte beider Online-Angebote abgestimmt.
Eine aktive Einbindung in regionale Veranstaltungen der Berufsorientierung, wie den Tag der Ausbildung und die Jugendkonferenz ist vorgesehen. Bei der Ansprache der Jugendlichen werden auch niederschwellige Angebote, zum Beispiel ein Chatroom und Freitickets für die Aftershowparty beim Tag der Ausbildung, gemacht. Durch die Zusammenarbeit mit überregionalen Akteuren, wie der Sächsischen Landesservicestelle Schule-Wirtschaft, angesiedelt im Sächsischen Ministerium für Kultus, dem Wirtschaftsforum Sächsisches Elbland e.V., sowie dem durch das Sächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit beauftragten IRIS e.V. und dem Arbeitsmarktkoordinator, wird langfristig Nachhaltigkeit und Kontinuität in der Koordinierung und Qualität der beruflichen und sozialen Integration der Jugendlichen gesichert.
Die Strukturen des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben sich im Bereich Übergang Schule-Beruf unter Mitwirkung des Regionalen Übergangsmanagements (RÜM) weiter verstetigt. Über eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit, v.a. durch Pressemitteilungen und die laufende Aktualisierung der projekteigenen Webseite www.bildungslandschaft.de, hat sich das Projekt in Fachgremien und der gesamten Region etabliert. In seiner wachsenden Funktion als landkreisweite Koordinierungsinstanz zur Gestaltung der Berufs- und Studienorientierung unterstützt das RÜM die regionalen Akteure aus Schule, Jugendhilfe, Wirtschaft und Verwaltung bei der inhaltlichen Planung, Umsetzung und Evaluation der Arbeitsgremien. Dabei wirkt das RÜM als Multiplikator und trägt zu einer verbindlichen Abstimmungs- und Kommunikationsstruktur innerhalb der Netzwerkarbeit bei. Das Ziel besteht hierbei in der Schaffung bzw. Intensivierung nachhaltiger Kooperationsbeziehungen zwischen den Beteiligten.
Um mehr Transparenz im Übergangssystem zu schaffen, hat das RÜM im Rahmen einer Bestandsaufnahme landkreisweite Angebote am Übergang Schule-Beruf in einem "Katalog regionaler Übergangsmöglichkeiten Schule-Beruf" zusammengefasst. Mit Unterstützung seiner lokalen Partner stellt das RÜM in diesem Katalog erstmalig die Aktivitäten von Trägern, Vereinen und Verbänden der Jugend(berufs)hilfe im Bereich der Berufsorientierung, -vorbereitung sowie der Jugendberufshilfe im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in ihrer ganzen Vielfalt detailliert vor, erläutert Zugangsvoraussetzungen und vermittelt entsprechende Kontaktdaten. Diese Zusammenstellung dient allen Fachkräften aus Jugendarbeit, Wirtschaft und Verwaltung, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern und Lehrern als Arbeitshilfe und ist sowohl als Print-Produkt als auch zum Download unter www.bildungslandschaft.eu verfügbar. Ferner trägt der Katalog zur ressourcenorientierten Nutzung vorhandener Angebote bei und dient Akteuren vor Ort als Ausgangspunkt zur Initiierung von Kooperationsprojekten.
Beispielhaft sei hier das Kooperationsprojekt zur Berufsorientierung "Wirtschaft Regional Erleben" (WRE) der AWO Jugendwerkstatt Elbe/Labe und Agentur für Arbeit Pirna genannt, bei dem interessierte Schülerinnen und Schüler in Betrieben der Region praxisnahe Erfahrungen in unterschiedlichen Berufsfeldern sammeln und dabei mit den realen Anforderungen im Wunschberuf vertraut gemacht werden. Unterstützt und begleitet wird das Projekt durch das RÜM.
Das Regionale Übergangsmanagement hat im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Schuljahr 2009/10 durch ein Dresdner Dienstleistungsunternehmen eine Schülerbefragung zum Thema "Berufsorientierung und Berufswunschverhalten" durchführen lassen. Befragt wurden die Schülerinnen und Schüler der Vorabgangs- und Abgangsklassen der Mittel- und Förderschulen des Landkreises zu ihren Berufs- und Ausbildungswünschen, den Kriterien für ihre Berufswahl sowie zu den Angeboten und wichtigsten Ansprechpartnern im Berufsorientierungsprozess. Die Ergebnisse sind auszugsweise auf der Webseite des RÜM einzusehen und werden zeitnah in einem Bildungsbericht zur Diskussion gestellt.
In Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Pirna hat das RÜM einen ersten landkreisweiten Elternbrief "Zwischen Schule und Arbeitswelt" herausgebracht, der zukünftig dreimal im Jahr erscheinen soll und Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Interessierten kostenfrei bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit oder auf www.bildungslandschaft.eu als Download zur Verfügung steht. Der Elternbrief fasst auf einem A4-Blatt aktuelle Informationen rund um das Thema Berufsorientierung aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zusammen, gibt Tipps zu verschiedenen Themen wie Bewerbung, Ausbildungssuche oder finanzielle Hilfen und weist auf regionale Veranstaltungstermine hin. Eine aktuelle, zweite Ausgabe folgt im August 2010.
Um Eltern neben der reinen Information auch aktiv in den Prozess der Berufswahlentscheidung ihrer Kinder einzubeziehen und zu stärken, plant das RÜM für November 2010 eine entsprechende Veranstaltung. Dabei sollen ihnen aktuelle Entwicklungen aus dem Übergangsgeschehen nahe gebracht werden und ein Diskurs mit regionalen Wirtschaftsunternehmen stattfinden. An der Planung und Durchführung dieses Vorhabens sind außerdem der Kreiselternrat und der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft des Landkreises mit einbezogen.
Die "Bildungslandschaft Sächsische Schweiz-Osterzgebirge" zeigt sich auch in diesem Jahr aktiv zum "Tag der Ausbildung". Regionale Wirtschaftsunternehmen, Bildungsträger und andere Akteure präsentieren ihr Angebot rund um das Thema Beruf und Ausbildung. Mit Unterstützung des Regionalen Übergangsmanagements findet die jährliche, regionale Berufsorientierungs- und Ausbildungsmesse des Landkreises bereits zum achten Mal statt und wird wie auch in der Vergangenheit trotz großem Einzugsgebiet mit weit über 100 Ausstellern und ca. 4.500 Besuchern ein wirkungsvoller Magnet für Wirtschaft und Jugend sein.