
U 25 - Regionales Übergangsmanagement in Mülheim an der Ruhr. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf
Übersicht
Brita Russack
U 25 – Regionales Übergangsmanagement in Mülheim an der Ruhr
Viktoriastraße 26-28
45468 Mülheim
Tel.: 0208-455 29 30
Mail: Brita.Russack@Muelheim-Ruhr.de
Eine Bestandsaufnahme zum Mülheimer Übergangsmanagement 2006 zeigte, dass die Übergangsbegleitung für Jugendliche mit Förderbedarf mit den üblichen Maßnahmeinstrumenten häufig zu spät ansetzte, zu wenig koordiniert und zu wenig präventiv ausgerichtet war. Die präventiven Angebote wurden seit 2007 in Kooperation mit den Schulen systematisch ausgebaut, parallel wurden gemeinsam mit dem Schulamt kommunale Steuerungsstrukturen entwickelt und durch die Oberbürgermeisterin eingesetzt. Die Planung von Förderprojekten bezieht sich bisher auf einfache Übergangsstatistiken der Netzwerkpartner sowie auf Erfahrungswerte der handelnden Personen und lässt bisher noch keine fundierte Bedarfsplanung zu.
Während der Laufzeit des Vorhabens soll deshalb ein Konzept zur Erhebung von belastbaren Planungsdaten, auch Verlaufsdaten, im Übergang Schule -Beruf entwickelt und umgesetzt werden. Förderangebote für benachteiligte Jugendliche sollen auf dieser Grundlage koordiniert, strukturiert und erweitert werden. Mit den Netzwerkpartnern werden gemeinsame und theoretisch fundierte Strategien entwickelt. Durch das Vermeiden von Warteschleifen im Übergangssystem wird langfristig auch eine signifikante und darstellbare Verbesserung bei der Reduzierung der Anzahl junger Erwachsener ohne Schul- und Berufsabschluss, insbesondere für Jugendliche mit Migrationshintergrund erwartet.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der neuen Geschäftsstelle für das regionale Übergangsmanagement werden die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Steuerungsgruppe bei der Erarbeitung von Strategien aktiv unterstützen. Die Aufgabe besteht konkret in der qualitativen Weiterentwicklung der Kooperationen und der Abstimmungsprozesse mit dem Ziel eines durchgängigen Beratungs- und Begleitungssystems mit zusammenhängenden Förderwegen sowie der erforderlichen Öffentlichkeitsarbeit und der fortlaufende Erschließung neuer Ressourcen für die gemeinsamen Ziele.
Gemeinsam mit den Netzwerkpartnern sollen kommunale Qualitätsstandards und Steuerungselemente für die Förderung benachteiligter Jugendlicher erarbeitet und festgelegt werden. Dabei sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle verantwortlich für die Erarbeitung und das Nachhalten von Arbeitsergebnissen, Vorhabenzielen und Fortschrittskontrolle.
Parallel beginnt die Konzeptionierung einer fundierten regionalen Datenerhebung und -auswertung sowohl durch eine bessere Nutzung der vorhandenen Datenbestände als auch durch die Auswahl, Gestaltung und Einführung einer systemübergreifenden Software zum Übergangsmangement. Dies soll ermöglichen, den Verlauf der erfassten Schulabgängerinnen und -abgänger durch das Übergangssystem gesichert zu verfolgen und die vorhandenen und künftigen Förderprojekte dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Seit 2007 werden vom RÜM in Mülheim an der Ruhr Übergangsdaten erfasst und ausgewertet und in einem Report vorgestellt. Im September 2011 erschien der aktuelle U25-Übergangsreport. Der aktuelle Report hat aus dem Schulabgangsjahr 2009/2010 wieder die voraussichtlichen Verbleibe der Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien sowie deren unentschuldigte Fehlzeiten abgefragt und Unterschiede zum Vorjahr skizziert und diskutiert. Durch die erstmalige Beteiligung der Mülheimer Berufskollegs kann dieser Report gezielt Aussagen über den Verbleib von Berufsschulabgängern treffen und beispielsweise ermitteln, wie viele Abgänger aus dem Berufsgrundschuljahr den Sprung in die Ausbildung schaffen. Der Report zeigt auch auf, wo das Bildungsniveau in Mülheim an der Ruhr im Vergleich zu den erreichten Schulabschlüssen im Regierungsbezirk Düsseldorf steht, wie realistisch die Chancen für einen Hauptschüler bzw. eine Hauptschülerin in die direkte Ausbildung ist und wie hoch der direkte Einstieg in die duale Ausbildung für Abgängerinnen und Abgänger von Gesamtschulen ist.
Der Übergangsreport wird im Netzwerkverbund an alle Kooperationspartner verschickt.
Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wird zurzeit eine Broschüre erarbeitet, die kurz und knapp alle wichtigen Informationen der Mülheimer Angebote im Übergangssystem Schule-Beruf enthält. Diese Broschüre soll vor allem Fachkräften im Übergang Schule-Beruf die Möglichkeit schaffen, ohne viel Aufwand praxistaugliche Informationen zu erhalten, um diese dann gewinnbringend in ihre Arbeit mit den Jugendlichen umsetzen zu können. So erhält diese Übersicht im DINA4-Format zum Beispiel Informationen, Inhalte, Zielsetzungen und Ansprechpartner/Ansprechpartnerinnen zur Berufsorientierung, Einzelberatung, Maßnahmen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Fördermöglichkeiten und anderes mehr. Ziel dieser Übersicht ist, durch Schaffung von Struktur und Transparenz Fachkräften im Übergangssystem Schule-Beruf die Möglichkeit zu geben, Schülerinnen und Schüler möglichst optimal beraten und vermitteln zu können.
Parallel zur Broschüre wird ein Plakat entwickelt, welches in komprimierter Form die Inhalte der Broschüre widerspiegelt und somit eine gute Ergänzung zur Broschüre darstellt.
Ein weiterer Meilenstein ist die jährlich stattfindende Ausbildermesse in und für Mülheim an der Ruhr. Im Oktober 2011 konnten ca. 45 Unternehmen, Bildungsträger und Hochschulen ihre Arbeit und Angebote ca. 1200 interessierten Schülerinnen und Schülern vorstellen. Eine gute Möglichkeit für Betriebe und Jugendliche, sich vor Ort ein Bild von einer möglichen Ausbildungssituation zu verschaffen, aber auch ein gutes Signal für die Stadt und die hier ansässigen Firmen, dass hier ein gutes und vernetztes Arbeiten eine solch erfolgreiche Ausbildermesse hervorbringen können.
Hinsichtlich der Schaffung von Transparenz und der Vermeidung von Parallelstrukturen hat das RÜM für Mülheim an der Ruhr die Erstellung einer Datenbankstruktur in Auftrag gegeben, mit welcher sowohl Fachkräfte als auch Schülerinnen und Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene passgenau nach Berufswahl- und Berufsorientierungsangeboten suchen können. Die Fertigstellung der Datenbank liegt in den Endzügen und kann etwa im Februar des Jahres 2012 starten.
Die Projektarbeit, die durch das RÜM koordiniert wird, läuft nach wie vor sehr erfolgreich.
Das Bundesprogramm Jobstarter konnte in der Vermittlung von Jugendlichen in lokale Ausbildungsbetriebe durch gute Ergebnisse überzeugen. Um diesbezüglich die Wichtigkeit und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Betrieben zu verdeutlichen, wurde in Mülheim an der Ruhr im Oktober 2011 erstmals ein Ausbilderpokal verliehen. Unterstützt durch das Programm Jobstarter wurden Betriebe geehrt, die sich in ihrer Arbeit mit Auszubildenden besonders engagiert haben. Aufgrund der bisherigen guten Ergebnisse wird das Bundesprogramm Jobstarter bis Ende 2012 verlängert.
Im Programm Xenos werden bis zum Sommer 2012 Gesamtschüler und Gesamtschülerinnen mit und ohne Migrationshintergrund in Ausbildung vermittelt, an einer Anschlusslösung für dieses Projekt wird mit Dringlichkeit gearbeitet, um auch diese sinnvolle Arbeit erhalten zu können.
Die Kompetenzagentur Mülheim an der Ruhr wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und kann ebenfalls durch eine Verlängerung bis Ende 2012 durchgeführt werden. Die Arbeit kann inhaltlich und zielführend fortgesetzt und junge Heranwachsende aus problematischen Verhältnissen können in ihrer beruflichen Orientierung unterstützt werden.
In einem weiteren Projekt kann Mülheim an der Ruhr aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets zusätzliche Schulsozialarbeit an Schulen implementieren. Das Ziel dieses Programms ist, durch die Unterstützung sogenannter Ausbildungscoaches die Quote der Schülerinnen und Schüler, die nach Verlassen der Schule direkt in Ausbildung münden, zu erhöhen und gleichzeitig deren Teilhabe am soziokulturellen Leben zu steigern. Parallel dazu sollen für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten, adäquate Anschlussmaßnahmen gefunden werden, um anschließend den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt zu finden. Unterstützt wird dieses Projekt durch die Kontaktstelle Wirtschaft, die ebenfalls aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets finanziert wird und durch gezielte Ausbildungsplatzakquise das Ziel dieses Programms unterstützt.
Durch die bisherigen Projekte im Übergangssystem Schule-Beruf, die durch das RÜM koordiniert wurden, konnten sich sehr schnell Erfolge in den einzelnen Projekten abzeichnen. Für die Stadt Mülheim an der Ruhr war und ist dies ein gutes Signal, dass sich Förderprogramme auszeichnen und die Bemühungen um eine koordinierte und präventive Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsnen Früchte tragen.
Vor diesem Hintergrund engagiert sich die Kommune nach wie vor, diesen Prozess aktiv weiter zu gestalten und zu entwickeln und auch nach Auslaufen des Regionalen Übergangsmanagements Mülheim an der Ruhr neue Wege zu gehen. Eine Möglichkeit, das Übergangssystem Schule-Beruf aktiv weiterzuentwickeln, bietet sich für Mülheim an der Ruhr im Rahmen des Landesvorhabens „Neues Übergangssystem Schule-Beruf“. Ziel dieses Landesprogramms ist eine Systematisierung und Koordinierung des Übergangs von der Schule in Beruf und Studium, um allen ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Schülerinnen und Schülern eine verbindliche Ausbildungsperspektive zu geben. Um dies zu erreichen, werden vorhandene Angebote im Übergangssystem überprüft und ausgedünnt, um mit der neu geschaffenen Transparenz Parallelstrukturen zu vermeiden. Mülheim an der Ruhr wird sich in diesem Landesvorhaben als Referenzkommune engagiert einbringen.