
Regionales Koordinationssystem U 25 im Kreis Gütersloh. Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf
Übersicht
Kathrin Adämmer
Kreis Gütersloh
Herzebrocker Str. 140
33334 Gütersloh
05241-85 1510
Kathrin.Adaemmer@gt-net.de
Der Kreis Gütersloh wird in absehbarer Zeit einer der jüngsten Landkreise der Republik mit einem untypisch hohen Aussiedler- und Migrantenanteil, aber auch mit einer deutlich überdurchschnittlichen Erwerbsbeteiligung von Frauen, Älteren und Migrantinnen und Migranten sein. Die Ausbildungslücke auf dem Ausbildungsmarkt im Kreisgebiet wird noch bis mindestens 2015 bei konstanten Schülerzahlen aktive Maßnahmen erfordern.
Der Kreis Gütersloh hat erkannt, dass Erfolge in der Bildungspolitik – insbesondere beim Übergang Schule-Beruf – ein wesentlicher Beitrag zur Standortentwicklung sind. Der kontinuierliche Auf- und Ausbau der Bildungsregion Gütersloh hat eine politische Priorität.
Das Übergangsmanagement ist der Kern des Regionalen Bildungsmanagements im Kreis Gütersloh, so hat es der Kreis Gütersloh definiert. Die Ziele des Übergangsmanagements im Kreis sind Monitoring und Analyse aller Entwicklungen im Übergang Schule-Beruf, Konzeptentwicklung für Jugendliche mit Schwierigkeiten im Übergang, Aufbau eines Kooperationssystems zwischen allen Akteuren sowie Mitarbeit an der Entwicklung einer dynamischen Bildungsregion.
Alle Aktivitäten sollen im Einklang mit den Zielen der Förderinitiative 1 "Regionales Übergangsmanagement" vertieft und gestützt werden.
Wichtige Schwerpunkte der regionalen Aktivität sind die Förderung von Kooperationen und der Ausbau von Netzwerken. Auf Grundlage verlässlicher Steuerungsdaten sollen diese vorangetrieben werden. Bereits vorhandene, regionale Ansätze zur Berufsorientierung werden unter Einbindung der wesentlichen Akteure weitergeführt und zukunftsweisende Perspektiven zur Verbesserung des Übergangsmanagements entwickelt. Bei der Anpassung dieser Kooperationsstruktur finden neue, überregionale Programme Berücksichtigung.
Die Jugendkonferenz hat sich zum zentralen Kooperationsorgan entwickelt. Das RÜM reagiert auf sich ändernde Schullandschaften (Verbundschulen, Gemeinschaftsschulen …) und unterstützt die Weiterentwicklung des Übergangs von der Schule in die duale Ausbildung bzw. die Angebote der weiterführenden Schulen / Berufskollegs. Die Einbindung von Migrantenorganisationen in das Übergangsmanagement ist eingeleitet und soll verstetigt werden. Auf der operativen Umsetzungsebene werden zwei Handlungsfelder bearbeitet, das „Kooperative Berufswahlsystem“ und das „Bildungsmonitoring“.
An einem gelingenden Übergang von der Schule in die Berufsausbildung ist eine Vielzahl an unterstützenden Einrichtungen und Akteuren maßgeblich beteiligt. Um für Jugendliche den Übergang zwischen Schule und Ausbildung zu optimieren, sollen die unterschiedlichen Kompetenzen der Institutionen in dem Kooperativen Berufswahlsystem gebündelt werden.
Ziele des Kooperativen Berufswahlsystems sind:
Konkrete Umsetzungsbausteine im Kooperativen Berufswahlsystem sind:
Gemeinsam mit den Netzwerkpartnern Mozaik gGmbH, Agentur für Arbeit, GT aktiv GmbH, Kreisschulpflegschaft, den Integrationsbeauftragten des Kreises und der Kommunen sowie den Jugendämtern wurde 2010 eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Schule-Ausbildung-Beruf“ konzipiert und durchgeführt. Aufgrund der guten Resonanz wird diese Veranstaltungsreihe weiter fortgesetzt.
Ziele dieser Reihe sind, Eltern mit Migrationshintergrund über Unterstützungsangebote zu informieren, den direkten Kontakt zwischen Eltern und Akteuren zu initiieren und Hemmschwellen abzubauen. Inhaltlich gilt es, einen Überblick über das schulische und duale Ausbildungssystem, berufliche Weiterbildungsformen sowie Institutionen zu geben, die Beratung und Unterstützung bereitstellen. Zentral ist dabei die Idee, dass an den jeweiligen Veranstaltungsorten jeweils die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Einrichtung vorstellen, die auch vor Ort für die Adressaten Ansprechpartner sind.
Alle beteiligten Institutionen übernehmen einen inhaltlichen Beitrag, so dass die Themen Schule, Ausbildung und Beruf aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Veranstaltungsorte sind Migrantenorganisationen und Familienzentren im Kreisgebiet. Es besteht die Möglichkeit der Übersetzung in verschiede Landessprachen.
Nach der erfolgreichen Pilotphase werden aktuell weitere Migrantenselbstorganisationen durch Integrationsbeauftragte und die Integrationsfachdienste in den jeweiligen Kommunen identifiziert und mit dem Angebot der Informationsveranstaltungen bekannt gemacht. Hierdurch wird das entstandene kreisweite interkulturelle Netzwerk ausgebaut. Es soll insbesondere gezielt mit Migrantenselbstorganisationen nachhaltig gesichert werden.
Die Aufgabe und Bedeutung von interkulturellen Netzwerken als Kommunikationsplattform wird sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene durch Synergieeffekte begleitet. „Good-Practice-Modelle“ können in weitere Landkreise und kreisfreie Städte transferiert werden.
Im Januar 2010 startete landesweit das Projekt „STARTKLAR! Mit Praxis fit für die Ausbildung“. Dieses Programm integriert Strukturen im Bereich der Berufsorientierung und des Übergangs von der Schule in Ausbildung und Beruf in ein dreijähriges Modell. Es gliedert sich in drei Phasen:
Das Programm richtet sich an Gesamtschulen, Förderschulen und Hauptschulen. Eine enge Zusammenarbeit mit außerbetrieblichen Ausbildungsstätten und Trägern der Jugendberufshilfe ist erforderlich. Das Programm zielt auf eine Verzahnung der Lerneinheiten im schulischen Unterricht und an außerschulischen Lernorten ab.
Die Koordination erfolgt bis Ende 2011 im Rahmen des BMBF-Programms „Perspektive Berufsabschluss“ und in enger Absprache mit der Schulaufsicht. Mittlerweile ist „STARTKLAR!“ ein Arbeitsbaustein des Bildungsbüros im Kreis Gütersloh.
In der Jugendkonferenz vom 25.11.2009 wurde die rückläufige Bereitschaft von Realschulabsolventinnen und -absolventen, eine duale Ausbildung anzustreben, kritisch hinterfragt. Auch der hohe Anteil an „Altbewerbern“ mit Realschulabschluss (ca. 32,7 % der Altbewerber und -bewerberinnen) gab Anlass zur Diskussion. Ein Maßnahmenpaket wurde abgestimmt und die Umsetzung im Rahmen des Programms unterstützt.
Das Kernstück ist die vom Schulministerium des Landes NRW initiierte Kooperationsvereinbarung zwischen den 12 Realschulen mit den 5 Berufskollegs des Kreises Gütersloh. Seit Sommer 2010 führen Schülerinnen und Schüler der Realschulen vor dem Schuljahresende ein zusätzliches Praktikum von einer Woche in den Berufskollegs durch. Die Zusammenarbeit der Berufskollegs mit den Realschulen soll den Jugendlichen im Rahmen von Unterrichtshospitationen Einblicke in fachtheoretische Aspekte einzelner Berufsfelder geben sowie die Möglichkeit eröffnen, das Berufskolleg und die Bildungsgänge kennenzulernen. Im Rahmen des BMBF-Programms „Perspektive Berufsabschluss“ war es seitens des Bildungsbüros möglich, 2010 und 2011 Schülerbefragungen durchzuführen, um die Kooperation zu optimieren und die Wirkung bei den Schülern und Schülerinnen zu evaluieren. Die Ergebnisse der 2. Evaluation wurden am 25.11.11 den Schuldezernenten und den Schulleitern und Schulleiterinnen der Realschulen und der Berufskollegs sowie deren Stubos vorgestellt.
Als Ergebnis lässt sich zusammenfassend festhalten, dass mehr als 82% der Schülerinnen und Schüler das Praktikum als positiv/sinnvoll bewerten (im Vorjahr lag dieser Wert bei rund 78%).
Die Schulleitungen der Realschulen und Berufskollegs im Kreis Gütersloh haben ebenfalls eine hohe Zufriedenheit bezüglich des neuen Angebotes geäußert. Im Schuljahr 2011/2012 wird das Praktikum deshalb fortgeführt.
Ergänzend zur Kooperation der Realschulen mit den Berufskollegs im Kreis Gütersloh hat das Übergangsmanagement mit der Agentur für Arbeit Informationsabende für Eltern von Realschülerinnen und -schülern angeboten. Das Ziel war, über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung zu informieren.
Das Bildungsmonitoring Übergang Schule-Beruf dient dem Kreis Gütersloh als Planungsgrundlage für die Optimierung und zur bedarfsgerechten Bereitstellung von Bildungsangeboten im Übergangssystem. Im Rahmen der Leitbildentwicklung des Bildungsbüros wurden die Handlungsfelder „Bildungsberichterstattung“ sowie „Integration“ in das Portfolio aufgenommen. Die Bedeutung der Inhalte aus "Perspektive Berufsabschluss“ wird dadurch hervorgehoben.
Der Gedanke, dass das Bildungsbüro zukünftig als „Servicestelle Bildungsdaten“ fungiert, soll weiter verfolgt werden. Die Schulverwaltung hat bei der IT-NRW einen Schulträgerdatensatz eingekauft, die zukünftig für Bildungsplanungszwecke vom Bildungsbüro und der Schulverwaltung zu nutzen sind.
Im Mai 2011 wurde der erste Bildungsbericht für den Kreis Gütersloh – Schwerpunkt: schulische Entwicklungen von den Grundschulen bis zu den Berufskollegs – offiziell vorgestellt. Das Bildungsbüro hat mit dem ersten Bildungsbericht und der bereits im vergangenen Jahr erstellten Längsschnittstudie (inklusive Phasenmodell) zwei Instrumente an der Hand, mit denen die Bildungsangebote im Kreis untersucht, strukturiert und reflektiert werden können. Damit ist das Bildungsbüro in der Lage, Nachfragen aus der Politik sowie der Bildungspraxis datenbasiert zu beantworten und als Servicestelle für Entscheidungsträgerinnen und -träger aufzutreten. Gleichzeitig ermöglichen diese Instrumente dem Bildungsbüro, eigenständig Themen, Entwicklungen und Bedarfe aus der Nachfrage und dem Angebot der Bildungslandschaft zu erkennen und frühzeitig darauf reagieren zu können.
Im November 2010 wurden Zwischenergebnisse aus der Längsschnittstudie in der Jugendkonferenz vorgestellt. 2011 hat sich daraus die Arbeitsgruppe „Phasenmodell zur Berufsorientierung“ konstituiert, um das Modell hinsichtlich einer Anschlussfähigkeit für die Praxis zu diskutieren. Die Ansatzpunkte sind in einem wissenschaftlichen Artikel für eine Veröffentlichung des DJI dargestellt.
Weitere Entwicklungen aus den Ergebnisse der Längsschnittstudie sind folgende:
Im Kreis Gütersloh sollen mehr Berufsorientierungsangebote im „privaten Bereich“ (Eltern, soziales Umfeld) der Jugendlichen bereitgestellt werden. Fast alle Angebote klammern diesen Bereich weitgehend aus. Elternbeteiligung im Rahmen der Berufsorientierung wird als eine zentrale Aufgabe beschrieben.
Im Herbst 2011 wurde das Programm „FuN-Beruf“ als Multiplikatorenfortbildung im Rahmen von "Perspektive Berufsabschluss" eingeführt. Durch diese Weiterqualifikation können nun Familien – auch mit wenig ausgeprägten Bildungszugängen – direkt angesprochen werden.
Dieser Angebotsbaustein ermöglicht auch eine „gelebte Kooperation“ zwischen Schule, Übergangsmanagement und Jugendhilfe.
Der Bestand vorhandener Angebote und Programme zur Berufsorientierung der freien Träger im Kreis Gütersloh wurde gemäß der Struktur des Phasenmodells (Schülerperspektive) zusammengetragen. Die Träger wünschen sich eine Fortsetzung der Arbeit und beschreiben das Ziel, Standards zur Berufsorientierung für den Kreis Gütersloh zu etablieren.
Der Gedanke des Phasenmodells, die Angebote stärker aus Schülerperspektive abzubilden, wurde bei der Überarbeitung der Broschüre „Berufskollegs“ berücksichtigt. Statt der bisherigen Broschüre wurde nun ein übersichtliches Plakat zum Bildungsgangangebot der Berufskollegs erstellt. Zusammen mit einem Flyer wurde es Ende 2011 in den Schulen verteilt.
Zur Steigerung der Transparenz über vorhandene Angebote im Übergang Schule-Beruf wurde seit September 2009 vierteljährlich der Newsletter herausgegeben. Neben der Vorstellung von Projekten des RÜM dient der Newsletter als Informationsplattform für Netzwerkparter. Auch der Schulausschuss des Kreises Gütersloh wird dadurch regelmäßig mit Informationen aus dem Übergangsmanagement versorgt. Zwecks Verstetigung des Informationsinstruments nach Beendigung von "Perspektive Berufsabschluss" wurde der Newsletter im September 2011 in die Struktur des Bildungsbüros überführt. Neben inhaltlichen Themen zum Übergang Schule-Beruf enthält der Newsletter ab sofort weitere Informationen zum Thema frühkindliche Bildung sowie Inhalte aus der Schul- und Unterrichtsentwicklung.