Wilhelmshaven-Friesland
Region Wilhelmshaven-Friesland, Niedersachsen, Förderlaufzeit: 01.05.2008-30.06.2012


Kontakt

Sven Pieper
Volkshochschule und Musikschule Wilhelmshaven gGmbH
Mühlenweg 67
26384 Wilhelmshaven

Tel.: 04421 - 16 40 81
Fax: 04421 - 16 40 90
E-Mail: sven.pieper@vhs-wilhelmshaven.de

 


Die Stadt Wilhelmshaven und der angrenzende Landkreis Friesland bilden eine überwiegend mittelständisch geprägte Wirtschaftsregion im nordwestlichen Niedersachsen mit zusammen etwa 180.000 Einwohnern.

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Strukturwandel im bedeutenden Marinestandort und Tiefwasserhafen Wilhelmshaven zu einem massiven Abbau industrieller Arbeitsplätze geführt. Wirtschaftliche Standbeine der Stadt sind der maritime Wirtschaftssektor (der durch den im Bau befindlichen Containerhafen Jade-Weser-Port weiter gestärkt wird) sowie die Bereiche Chemie, Energie und Logistik.

Problematisch ist die demografische Entwicklung: Wilhelmshaven ist die am stärksten schrumpfende Stadt in Niedersachsen, zudem besteht eine erhebliche Überalterung der Bevölkerung. Überdies ist der Anteil der Personen, die Transferleistungen erhalten, landesweit am höchsten.

Eine wichtige Rolle für die Wirtschaftsstruktur im Landkreis Friesland spielen neben dem Tourismus und der Landwirtschaft die Bereiche Luftfahrzeugbau und Kommunikationsdienstleistungen. Die demografische Entwicklung ist zwar weniger problematisch als in Wilhelmshaven, dennoch sind auch hier ein Rückgang und eine zunehmende Alterung der Bevölkerung zu beobachten.

Bereits jetzt herrscht in der Region in einigen Bereichen Mangel an geeigneten Nachwuchskräften. Ausbildungsplätze können oft nicht adäquat besetzt werden, zunehmender Fachkräftemangel gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Verstärkt wird der regionale Wettbewerb um die besten Kräfte durch Großprojekte wie den Bau des Containerhafens Jade-Weser-Port und eines Kohlekraftwerks in Wilhelmshaven.

Zur Bündelung der regionalen Kräfte wurde 2005 auf Initiative der beiden Gebietskörperschaften ein "Runder Tisch Berufliche Aus- und Fortbildung" gegründet, dem alle regionalen Akteure am Übergang Schule-Beruf angehören. Dennoch fehlte bislang eine systematische und umfassende Kooperationsstruktur im Übergangsbereich, die regionale Zusammenarbeit der Akteure blieb deutlich unter ihren Möglichkeiten. Eine durch den Runden Tisch in Auftrag gegebene externe Bedarfsanalyse hat als ein Ergebnis die Notwendigkeit einer koordinierenden Instanz für den Übergang Schule-Beruf postuliert.

Ein Netzwerk Übergangsmanagement soll die Zusammenarbeit der regionalen Akteure verbessern. Das Übergangsystem soll sowohl für Jugendliche und Eltern als auch für die Akteure mit optimal verzahnten regionalen Förderangeboten und Unterstützungsstrukturen transparenter gestaltet und bedarfsgerechter ausgerichtet werden. Ein systematisches und dauerhaftes Monitoring zeigt sowohl erfolgreiche Wege als auch Sackgassen und Umwege auf. Die im Vorhaben geschaffenen Kooperationsstrukturen sollen als regionale Verantwortungsgemeinschaft am Übergang Schule-Beruf dauerhaft verankert werden.

Basierend auf der Analyse der lokalen Problemstellungen steuert ein neutrales Koordinierungsbüro die Netzwerkarbeit, zeigt auf, welcher Akteur in welcher Weise in das lokale Übergangsgeschehen eingebunden ist und stärkt eine verbindliche regionale Kooperation. Ziel ist die Abkehr von bisherigen Zuständigkeitsabgrenzungen hin zu einem prozesshaften gemeinsamen Handeln und transparenten Verfahrensweisen.

Ergebnisse

Die Arbeit des RÜM WHV-FRI erstreckte sich auf sechs Handlungsschwerpunkte:

1. Aufbau von Arbeitsstrukturen/Regionale Vernetzung

Umsetzung:

* Zur Netzwerkentwicklung und -steuerung wurde ein RÜM-Koordinierungsbüro eingerichtet, zudem wurden ein projektbezogener Internetauftritt entwickelt

* Zur Projektsteuerung konstituierte sich eine Lenkungsgruppe für das regionale Übergangsmanagement, vertreten waren die Kernakteure am Übergang Schule-Ausbildung in der Region durch Personen mit Leitungsverantwortung: Stadt Wilhelmshaven, Landkreis Friesland, Bundesagentur für Arbeit, Oldenburgische Industrie- und Handwerkskammer, Handwerkskammer Oldenburg, Allgemeiner Wirtschaftsverband Wilhelmshaven-Friesland (regionaler Arbeitgeberverband) sowie VHS Wilhelmshaven. Die Lenkungsgruppe trat drei- bis viermal jährlich zusammen, um Prioritäten für die Projektarbeit zu setzen, die Arbeitsplanung abzustimmen und die praktische Umsetzung des Übergangsmanagements zu steuern. Im Projektverlauf fanden insgesamt 15 Sitzungen statt, vor- und nachbereitet und moderiert durch das RÜM-Koordinierungsbüro.

* Das RÜM-Koordinierungsbüro übernahm die Geschäftsführung des Runden Tisches berufliche Aus- und Fortbildung Wilhelmshaven-Friesland, der als Projekt- und Netzwerkforum diente und in dem alle regionalen Akteure am Übergang Schule-Beruf vertreten sind.

2. Bestandsaufnahme und Angebotstransparenz

Umsetzung:

* Zu Projektbeginn erfolgte eine Bestandsaufnahme des regionalen Übergangsgeschehens um festzustellen, welche Angebote durch wen für welche Zielgruppe gemacht werden.

* Ein Katalog der regionalen Übergangsmaßnahmen wurde erstellt und in eine internetbasierte Datenbank überführt.

* Zum Projektabschluss entwickelte das RÜM eine graphische Darstellung aller Übergangswege in Form eines Plakates, das an alle Akteure in der Region verteilt wurde.

3. Datenbeschaffung und Bildungsmonitoring:

* Es wurde eine Befragung von Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen an Haupt- und Realschulen, der IGS in Wilhelmshaven sowie an berufsbildenden Schulen durchgeführt, mit einem Schwerpunkt bei den Plänen nach der derzeit besuchten Schulform und einer Folgebefragung zum Verbleib sechs Monate später.

* Im September 2011 hat das RÜM den ersten Berufsintegrationsbericht für Wilhelmshaven und Friesland vorgelegt. Enthalten sind die Grunddaten zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt der Region, die Ergebnisse der Schüler- und Folgebefragungen sowie Handlungsempfehlungen.

4. Qualitätssicherung in der beruflichen Orientierung in Schulen

Die Qualitätsentwicklung in der schulischen Berufsorientierung auf regionaler Ebene ist aufgrund der fehlenden formalen Zuständigkeit der Schulträger ein komplexes Handlungsfeld. So gestaltete sich die Umsetzung einer regionalen Strategie der Gebietskörperschaften zur Stärkung der schulischen Berufsorientierung auf einem einheitlichen und für alle Schulen verbindlichen Niveau anhand eines Kataloges von Qualitätsstandards schwierig, da aus Sicht der Schulen die Vernetzung untereinander einerseits bereits zu einem stillschweigend akzeptierten Standard in der BO geführt habe, andererseits die individuellen schulischen Herausforderungen es notwendig machten, das Thema berufliche Orientierung an jeder Schule für sich zu betrachten.

Umsetzung:

* Für die Stadt Wilhelmshaven und den Landkreis Friesland wurden flächendeckend Beratungs- und Kompetenzpässe eingeführt, die Informationen über die Schülerinnen und Schüler von der allgemeinbildenden Schule in die BBS tragen und BO-Maßnahmen für die Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz dokumentieren.

* Im Rahmen des RÜM wurde für die Stadt Wilhelmshaven ermittelt, welche Ansätze der beruflichen Orientierung in den Sek.I-Schulen wann und mit welcher Zielsetzung einsetzen. Auf dieser Grundlage wurde ein idealtypisches Verlaufsmodell zu beruflichen Orientierung  in den Schulen entwickelt, das den beiden Schuldezernenten zur weiteren Verwendung bei der künftigen Arbeit des Runden Tisches übergeben wurde.

* Zur Evaluierung der Praxistage der allgemeinbildenden Schulen an den BBSn in Wilhelmshaven und Friesland führte das RÜM eine onlinegestützte Schülerbefragung durch.

5. Elterneinbindung: Basierend auf der Erkenntnis, dass Eltern die wichtigsten Berater um Berufsorientierungsprozess ihrer Kinder sind, sollte die Einbindung vor allem jener Eltern in die Arbeit der Schule und der weiteren Übergangsakteure gestärkt werden, die sich dieser Aufgabe bislang entziehen.

* Das RÜM Wilhelmshaven-Friesland hat zwei Workshops zum Thema Elterneinbindung in die schulische Arbeit mit externen Experten durchgeführt. Themen waren die Arbeit mit schwer erreichbaren Eltern sowie die erfolgreiche Einbeziehung von Eltern in schulische Prozesse im Vordergrund, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiteten Ansätze zur Gestaltung von Elternabenden, zum Führen schwieriger Elterngespräche sowie zur Entwicklung schulischer Konzepte zur Elterneinbindung.

* Das Thema Elternarbeit war in den vergangenen Jahren wiederholt Thema bei der durch das RÜM mitorganisierten Wilhelmshavener Jugendkonferenz. 2012 lautete das Thema der erstmals gemeinsam für Wilhelmshaven und Friesland veranstalteten Jugendkonferenz „Eltern als Übergangsmanager“.

6. Schaffung nachhaltiger Strukturen

 
Umsetzung:

* In der Stadt Wilhelmshaven wurde unter Federführung des Schuldezernenten im Rahmen einer Arbeitsgruppe ein Handlungskonzept mit dem Titel „Jedes Kind erhält einen Abschluss“ entwickelt und vom Rat beschlossen. Das RÜM war in einer multiprofessionell besetzten Arbeitsgruppe in den Prozess der Entwicklung des Handlungskonzeptes eingebunden, das 13 Einzelprojekte umfasst, darunter die Schaffung eines regionalen Bildungsmonitorings. Das Konzept wird durch das Jugendamt der Stadt Wilhelmshaven umgesetzt. Mittelfristig entsteht in Wilhelmshaven ein kommunaler Bildungsraum, der alle Bildungsübergänge in den Blick nimmt und auf einer umfassenden Sozialberichterstattung basiert.

* Die Arbeit des Runden Tisches berufliche Aus- und Fortbildung Wilhelmshaven-Friesland wird gemeinsam von den beiden Gebietskörperschaften fortgesetzt, mit einer Erweiterung der inhaltlichen Schwerpunkte über den Übergang Schule-Ausbildung hinaus.

* Vereinbart wurde zudem eine Fortsetzung der Zusammenarbeit der Lenkungsgruppe Regionales Übergangsmanagement.

Der Landkreis Friesland verfügt seit August 2011 über ein Bildungsbüro, das im Rahmen eines durch das Niedersächsische Kultusministerium geförderten Modellprojektes zur Weiterentwicklung als Bildungsregion eingerichtet wurde und mit abgeordneten Lehrkräften besetzt ist. Die Gestaltung des Übergangs an der ersten Schwelle ist eine der Schwerpunktsetzungen des Bildungsbüros. Zudem soll auch im Landkreis ein regionales Bildungsberichtswesen als datenbasiertes Steuerungsinstrument zur Arbeitsgrundlage gemacht werden.

 

  • Der erste Berufsintegrationsbericht für Wilhelmshaven und Friesland erscheint im September 2011. Enthalten sind die Grunddaten zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt der Region, die Ergebnisse der Schüler- und Folgebefragungen sowie Handlungsempfehlungen.
  • Für die Stadt Wilhelmshaven wurde flächendeckend ein Beratungs- und Kompetenzpass eingeführt, der Informationen über die Schülerinnen und Schüler von der allgemeinbildenden Schule in die BBS trägt und BO-Maßnahmen für die Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz dokumentiert. Die Einführung des BKP an den Schulen im Landkreis Friesland wird derzeit vorbereitet.
  • Inzwischen wurden zwei Workshops zum Thema Elterneinbindung durchgeführt. Aus den detaillierten Rückmeldungen zu den Veranstaltungen hat sich ergeben, dass die Reihe in Form einer Lehrkräftefortbildung zu bestimmten Themen fortgesetzt werden soll.
  • Es wird eine grafische Darstellung der Übergangsmöglichkeiten entwickelt, diese soll neben dem Printprodukt auch als interaktives Angebot auf der RÜM-Internetseite bereitgestellt werden.
  • Im Auftrag einer Arbeitsgruppe aus BBS und allgemeinbildenden Schulen wird derzeit eine Befragung zur Evaluierung der Praxistage der allgemeinbildenden Schulen an den BBSn in Wilhelmshaven und Friesland durchgeführt.
  • Durch eine Mitarbeiterin des RÜM wird die Nutzung des Beratungs- und Kompetenzpasses sowie dessen geplante Erweiterung um den Faktor Kompetenzdokumentation in einigen Modellschulen begleitet. Erfasst werden zudem alle schulischen BO-Aktivitäten und der Zeitpunkt, zu dem diese einsetzen. Ein weiteres Thema ist hier die Qualitätsentwicklung bei der Durchführung von Schulpraktika.

Sicherung der Nachhaltigkeit der Projektansätze:

  • Das RÜM war für die Stadt Wilhelmshaven in den Prozess der Entwicklung eines regionalen Bildungsmonitorings eingebunden. Unter Federführung des Schuldezernenten wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe ein Konzept unter dem Titel „Jedes Kind erhält einen Abschluss“ entwickelt und vom Rat beschlossen. Hier finden sich verschiedene Ansätze des RÜM, die künftig durch das Jugendamt fortgeführt werden.
  • Im Landkreis Friesland wurde ein Bildungsbüro eingerichtet, dass einen Teil der Projektansätze fortsetzen wird.

  • Das RÜM  Wilhelmshaven-Friesland wird durch eine Lenkungsgruppe gesteuert, der die Schuldezernenten der beiden Gebietskörperschaften, der Geschäftsführer der BA Wilhelmshaven sowie Vertreter der Handels und der Handwerkskammer, des regionalen Arbeitgeberverbandes und der VHS angehören. 
  • Der durch das RÜM-Koordinierungsbüro organisierte Runde Tisch Berufliche Aus- und Fortbildung Wilhelmshaven-Friesland tagt drei- bis viermal jährlich und bildet ein Forum für die regionalen Übergangsakteure. 
  • Das RÜM-Koordinierungsbüro ist Mitveranstalter der jährlich stattfindenden Jugendkonferenz Wilhelmshaven.
  • Ende 2009 wurde eine Befragung zur Bildungsbiographie von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Maßnahmen des Übergangssystems durchgeführt.
  • Auf der Internetpräsenz des RÜM unter www.berufseinstieg-wilhelmshaven-friesland.de wurde eine internetgestützte Datenbank zu den regionalen Unterstützungsangeboten im Übergang eingerichtet.
  • Daten für den regionalen Berufsintegrationsberichtes für Wilhelmshaven und Friesland wurden erhoben und werden derzeit ausgewertet 
  • Eine erste onlinegestützte Befragung von Schulabsolventen in Wilhelmshaven und Friesland hat im Frühjahr 2010 stattgefunden.
  • Ein Newsletter informiert in unregelmäßigen Abständen über Neuigkeiten aus dem RÜM WHV-FRI.
  • Die Qualitätsentwicklung in der schulischen Berufsorientierung auf regionaler Ebene wird durch Einbindung eines wissenschaftlichen Beraters vorangetrieben.
  • Ein Strategieworkshop zur Stärkung der Elternbeteiligung wird vorbereitet.
  • Das RÜM WHV-FRI wirkt an der Entwicklung eines Praxisleitfadens zur Durchführung von Schulabgängerbefragungen mit, der den Wissenstransfer für interessierte Gebietskörperschaften erleichtern soll, die ebenfalls ein regionales Übergangsmanagement einführen

Projekt­darstellungen

  • Newsletter 01/2010

    [PDF - 382,9 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Uebergangsmanagement/Uebergangsmanagement_Wilhelmshaven_newsletter_01_2010.pdf)

  • Projektflyer

    [PDF - 480,1 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Uebergangsmanagement/Uebergangsmanagement_Wilhelmshaven_flyer.pdf)

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung