Parchim
ParMa, Landkreis Parchim, Mecklenburg-Vorpommern, Förderlaufzeit: 01.05.2008-31.05.2012


Kontakt

Landratsamt Ludwigslust
Fachdienst 60 Regionalmanagement und Europa
Garnisonstr. 1
19288 Ludwigslust
Tel.: 03871 722-0

www.ausbildungsnetz-swm.de


Der Landkreis Parchim ist ein Flächenkreis mit besonders geringer Bevölkerungsdichte, und die Unternehmensstruktur ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Nur 1,75 Prozent der Unternehmen haben über 100 Beschäftigte und große Betriebe fehlen gänzlich.
Gegenwärtig besuchen im Landkreis Parchim 2929 Jugendliche an 13 regionalen Schulen Bildungsgänge, die mit der Berufsreife beziehungsweise dem Realschulabschluss abschließen. An drei Allgemeinen Förderschulen lernen derzeit 582 Schüler. Die unbefriedigende Arbeitsmarktsituation veranlasst viele junge Menschen, die Region zu verlassen. Eine Chance für eine aussichtsreiche, nachhaltige Entwicklung des Landkreises besteht darin, die bisherigen Kräfte und Ressourcen zu bündeln. Jungen Menschen soll durch ein modernes Übergangsmanagement eine Perspektive in ihrer Heimat geboten werden. Für die Region wird der Fachkräftenachwuchs gesichert. Es gilt, die Fülle an Förder- und Unterstützungsangeboten systematisch zu verknüpfen und sichtbar zu machen.

Ein regional gesteuertes, verlässliches Übergangsmangement und die Einrichtung einer Koordinierungsstelle bilden die Basis für die Verbesserung der Bildungs-, Ausbildungs- und Erwerbschancen der Jugendlichen des Landkreises Parchim. Die Optimierung des Umfeldes durch Schaffung von dauerhaften, vernetzten institutionellen Strukturen für die passgenaue Beratung und Vermittlung, die Sicherung einer höheren Verbindlichkeit und Systematik bei der Begleitung und die Verbesserung des individuellen Übergangsmanagements der Jugendlichen durch Sichtbarmachen der Angebote, Stärkung des Selbstmanagements und Sicherung einer stringenten und zielführenden Beratung und Begleitung von „Problemfällen“ sind Teilschritte auf diesem Weg.

Im Landkreis Parchim wird eine Koordinierungsstelle Parchimer Übergangsmanagement Schule-Beruf – ParMa – eingerichtet. Ihr Ziel ist es, die Abstimmung der Politiken der verschiedenen Behörden, Institutionen und Einrichtungen bezüglich des Übergangsmanagements zu verbessern und zu fördern und die unterschiedlichen Akteure des Übergangsprozesses (Unternehmen, Bildungsträger, Schulen, Behörden, Vereine/Verbände, Eltern, Schüler) zu vernetzten. In Zusammenarbeit mit diesen werden Maßnahmen initiiert und verstetigt, die zur Erreichung der oben geschilderten Entwicklungsziele beitragen. Eine umfangreiche Befragung von Schülern ab der 7. Klasse in allen Schulstufen und möglichst auch noch nach Schulende, wird Aufschluss über weitere Handlungsbedarfe geben. Die so gewonnenen Verlaufsdaten erleichtern es, die sogenannten Problemfälle frühzeitig zu erkennen. Über ein Webportal werden alle den Bereich Übergangsmanagement Schule-Beruf betreffenden Förder- und Unterstützungsangebote sichtbar gemacht. ParMa stellt darüber hinaus konkrete Werkzeuge zur Optimierung der Berufsfrühorientierung (z. B. Methodenkoffer für AWT-Lehrer) bereit.

Ergebnisse

In der Projektlaufzeit wurden folgende Arbeitsschwerpunkte verfolgt:

- Optimierung des Umfeldes durch den Aufbau von Netzwerken
- Qualitätssicherung durch die verbesserte Abstimmung unter den Akteuren
- Verbesserung des individuellen Übergangsmanagements durch die Schaffung von Transparenz

Durch die Schaffung des Arbeitskreises SCHULE Wirtschaft Parchim konnte schon im Oktober 2008 die Zusammenführung der relevanten Akteure erreicht werden, ein wichtiger Schritt zum Aufbau einer Vertrauensbasis. Begleitet wurden diese Aktivitäten durch den Aufbau des Info-Webportals www.parchimer-uebergangsmanagement.de, mit dem u.a. ein Instrument geschaffen wurde, das die Jugendlichen im Selbstmanagement unterstützt. Mit dem "Parchimer Unternehmerfrühstück" konnten regionale Arbeitgeber zur Mitarbeit und zum Austausch mit Lehrerinnen und Lehrern gewonnen werden, um die Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Berufsorientierung aufzuzeigen. Aus diesen Kontakten sind sowohl Arbeitskreise entstanden, in denen konkretere Fragestellungen wie die Optimierung der BO an Schulen oder die Vorbereitung einer Schulentwicklungsplanung besprochen werden konnten, als auch konkrete Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen z.B. zur Durchführung von Berufsorientierungstagen (z.B. "future on the dancefloor") und von Betriebsbesichtigungen. Mit diesen Aktivitäten konnten die Austauschstrukturen nachhaltig in der Region verankert werden. Bei der Verbesserung von Qualifizierungsangeboten für Lehrerinnen und Lehrer wurde durch die Initiative des Projektes eine landesweite Fortbildung für alle BO-Kontaktlehrkräfte durchgesetzt. Die Schülerbefragung erwies sich durch die Schaffung von Daten für die weitere kommunale Planung als hilfreich und grundlegend. Auch in der Elternarbeit und der damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit konnten Erfolge verzeichnet werden.

Fazit

Im Projekt wurden wesentliche Instrumente zur erfolgreichen Umsetzung des Regionalen Übergangsmanagement entwickelt. Insbesondere die Schaffung einer vertrauensvollen ressortübergreifenden Kommunikation aller Akteure als gleichberechtigt Agierende führte zur Verbesserung des Abstimmungsprozesses bei der Entwicklung von Förderkonzepten und zur notwendigen Transparenz.

Ausblick

Im Zuge der Kreisgebietsreform wurden die Altkreise Parchim und Ludwigslust zusammengelegt und ein gemeinsames Portal www.ausbildungsnetz-swm.de geschaffen. Es wird über die Projektlaufzeit hinaus von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg betrieben und somit nachhaltig implementiert.

Die Koordinierungsstelle startete in das Jahr 2011 mit einer großen Aktion zur Ansprache von Eltern. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Wismar entstand eine große Kampagne: 21 Großleinwände, 480 Hohlkammerplatten an Laternenmasten, 270 doppelseitige Cardboards in Einkaufswagen, dazu viele Plakate an Schulen sowie Postkarten und Flyer forderten Eltern dazu auf, sich Gedanken über die berufliche Zukunft der Kinder zu machen. Die Kampagne erzeugte breites Aufsehen und wurde sogar im Bildungsministerium in Schwerin ausgestellt.

In Ergänzung dazu wurde von ParMa am 31.03. eine Elterntagung durchgeführt. Hier gab es viele Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten und mehrere Diskussionsgruppen zu elterlicher Beteiligung und Verantwortung. Die Tagungsdokumentation ist auf www.parchimer-uebergangsmanagment.de im Download-Bereich zu finden.

Das Internetportal der Koordinierungsstelle ParMa für Schüler und Schülerinnen, Eltern, Schulen und Unternehmen – www.ausbildungsnetz-parchim.de – wurde nach Rückmeldungen von Lehrkräften und Schülern/Schülerinnen in diesem Jahr noch besser an die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer angepasst. Um eine Informationsüberflutung zu vermeiden, wurden sechs Module eingerichtet, die die Informationen und Hilfsmittel anzeigen, die die Jugendlichen gerade gemäß ihrem momentanen Wissensstand benötigen. Ergänzt wird dies durch eine Praktikums- und Ausbildungsplatzbörse. Zurzeit sind 276 Unternehmen im Portal registriert. Sie bieten insgesamt 948 Ausbildungsplätze, 272 Praktikumsplätze und 32 Ferienjobs an. Dies ist eine leichte Steigerung zum Vorjahr. Auf der Seite wurden im vergangenen Jahr 6.208 Besuche registriert mit einer durchschnittlichen Besuchszeit von acht Minuten. Somit ist eine Steigerung von fast 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.

Die zweite Berufs- und Studienorientierungsmesse „future on the dancefloor“ im FLAME-Club Parchim am 15.09.11 war mit 73 Ausstellern und 1054 angemeldeten Schülerinnen und Schülern wieder eine gelungene Veranstaltung. Dieses Kooperationsprojekt der Koordinierungsstelle ParMa mit der Agentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft und vielen Akteuren aus der Wirtschaft präsentierte auch in diesem Jahr mit 130 Berufen und Studienangeboten eine breite Palette an regionalen Ausbildungsplätzen und trug somit dazu bei, Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen und Jugendliche in der Region zu halten. Sowohl Unternehmen als auch Schulen gaben der Veranstaltung zu über 90 Prozent die Noten „gut“ bis „sehr gut“.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2011 stand besonders die Verstetigung regionaler Initiativen und Abstimmungsgremien im Vordergrund der Arbeit. So wurde der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Parchim an einen gewählten Vorstand übergeben. Ähnliche Strukturen zur selbstständigen Arbeitsweise werden auch für andere Gremien angestrebt. Für zwei Projektinitiativen – den Azubipool und das Mentoring-Programm – wurden ebenfalls erste Grundlagen zur selbstständigen Umsetzung und Weiterführung gelegt.

Beim Azubipool geht es darum, dass Azubis der beruflichen Schulen an allgemeinbildenden Schulen mit den Schülerinnen und Schülern über ihre eigenen Erfahrungen in der Berufsfindung sprechen. Dieses Projekt wurde in Landkreisstrukturen verankert und es wurde der Status eines Modellprojektes mit entsprechender Unterstützung beim Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern beantragt.

Das Mentoring-Programm musste nach ersten Startschwierigkeiten im vergangenen Jahr noch einmal neu strukturiert werden. Es wurde eine Partner-Schule gefunden und ab nächstem Jahr werden an dieser erste Mentoring-Paare vermittelt.

Beide Projekte schließen eine große Lücke im regionalen Angebotsspektrum beruflicher Orientierung und haben bereits jetzt eine Strahlkraft über die Region hinaus.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung