Fachtagung: Potenziale nutzen
Mit beruflicher Nachqualifizierung zum Berufsabschluss - eine Chance für Migrantinnen und Migranten. Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld hatte Experten und Interessierte eingeladen, um Impulse zu setzen und die Vernetzung der Region voranzutreiben.

Übersicht

Integration gelingt am besten, wenn Menschen aus Zuwanderungsfamilien aktiv im Erwerbsleben stehen – so sagt es der nationale Integrationsplan. Ihnen dafür Chancen zu eröffnen, ist eines der Ziele des Projektes TALENTREGION OWL, das im Rahmen des Bundesprogramms „Perspektive Berufsabschluss“ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds der EU gefördert wird. Mit modularer Nachqualifizierung nachträglich einen Berufsabschluss zu erlangen, kann ein Weg sein, die beruflichen Chancen nachhaltig zu verbessern. Hierfür braucht es jedoch Strukturen und entsprechende Angebote. Diese anzuregen, zu vernetzen und weiter zu entwickeln, war eines der Ziele dieser Fachtagung. Dazu sprachen namhafte Referenten wie Prof. Paul Mecheril, der bekannte Migrationsforscher, der die Situation der Migrantinnen und Migranten und ihrer Potenziale analysierte. Wohl formuliert, intellektuell anregend und teilweise leicht provokant brachte er die Situation in Deutschland als „einem der größten migrationspolitischen Kontexte“ auf den Punkt. Was tun wir, um Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur funktional als Objekte und Ressource zu betrachten, sondern sie als Menschen in unserer Gesellschaft willkommen zu heißen? Dr. Carsten Pohl vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, ergänzte den Blick des Pädagogen Mecheril mit Daten und Fakten aus der Arbeitsmarktforschung und unterstrich die Notwendigkeit, Bildung mobiler und durchlässiger zu machen.

Prof. Paul Mecheril (oben) Carsten Pohl

Für Migrantinnen und Migranten braucht es Unterstützung auf dem Weg zum nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses. Es muss ein Überblick gewonnen werden darüber, welche Fachkenntnisse in welchem Umfang vorhanden sind. Hier können spezifische Kompetenzfeststellungsverfahren helfen. Dazu berichtete Anne Röhrig von bag arbeit e. V., die in etlichen Projekten dazu Erfahrungen gesammelt hat. Sie entwickelte u. a. ein Online-Programm zur Erhebung der vorhandenen fachlichen und außerfachlichen Kompetenzen, das sie auf der Tagung vorstellte. Häufig wird für das erfolgreiche Bestehen einer Prüfung zudem ein fachspezifisches sprachliches Training nötig sein, das über die Anforderungen der Alltagssprache hinausgeht. Iris Beckmann-Schulz vom Kompetenzzentrum NOBI stellte dazu Beispiele vor. Sükriye Altun Mangel von berami berufliche Integration e. V. berichtete über ein erfolgreich installiertes Vorbereitungsprogramm auf die Externenprüfung im kaufmännischen Bereich, das zusammen mit der IHK entwickelt wurde und inzwischen zum dritten Mal durchgeführt wird. Diese Schulung kann sehr konkret den Trägern der Region als Anregung dienen, denn
noch fehlen ausreichende Angebote der Nachqualifizierung in den unterschiedlichen Berufsgruppen.

Sükriye Altun Mangel (oben), Iris Beckmann-Schulz (Mitte), Anne Röhrig

Somit wurde gute Praxis aus anderen Regionen nach Ostwestfalen-Lippe transferiert – um Impulse zu setzen und die Vernetzung der Region voran zu bringen.
Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.talentregion-owl.de/ oder unter 0521 7871666.