Externenprüfung: Voraussetzungen, Beratung und Vorbereitung
Unter den im Folgenden dargestellten Voraussetzungen können auch Personen zur Gesellen-/ Abschlussprüfung zugelassen werden, die keine Berufsausbildung absolviert haben. Sie nehmen dann als „Externe“ an der regelmäßigen Gesellen- oder Abschlussprüfung für einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf teil. So erhalten sie die Chance, einen formalen Berufsabschluss zu erreichen und damit ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern. (Zulassung zur Gesellen-/Abschlussprüfung in besonderen Fällen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) §45 Abs.2 sowie nach der Handwerksordnung (HwO) §37 Abs.2)

Über die Zulassung entscheidet normalerweise die jeweils zuständige Stelle. Das ist beispielsweise die Industrie- und Handelskammer für Berufe in Industrie und Handel oder die Landwirtschaftskammer für Berufe im landwirtschaftlichen Bereich. Zuständige Stelle für Handwerksberufe ist die Handwerkskammer. Dort trifft die Entscheidung über die Zulassung zur Gesellenprüfung der jeweilige Prüfungsausschussvorsitzende. Die handwerklichen Gesellenprüfungsausschüsse können sowohl bei den Handwerkskammern als auch bei den jeweiligen Innungen angesiedelt sein. Hält die zuständige Stelle bzw. der Prüfungsausschussvorsitzende im Handwerk die Zulassungsvoraussetzungen nicht für gegeben, muss jeweils der gesamte Prüfungsausschuss entscheiden.

Eine Information über die Zuordnung der Ausbildungsberufe zu den oben genannten Bereichen ist unter www.bibb.de/berufe zu finden.

Zulassungsvoraussetzungen:

Es gibt mehrere Möglichkeiten zur Externenprüfung zugelassen zu werden:

1. Wer als Externer zur Gesellen-/Abschlussprüfung zugelassen werden möchte, muss nachweisen, dass er mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbil-dungszeit in dem Beruf tätig war, in dem er die Prüfung ablegen möchte. Das sind beispielsweise viereinhalb Jahre bei einem dreijährigen Ausbildungsberuf. Der Nachweis über die Tätigkeit im jeweiligen Beruf erfolgt in der Regel durch Arbeitszeugnisse, Arbeitsverträge aber auch andere Nachweise (z.B. Gewerbeanmeldungen bei Selbständi-gen), die belegen, dass einschlägige Berufserfahrungen in dem Beruf gesammelt wurden. Auch der Nachweis von Ausbildungszeiten in einem anderen einschlägigen Ausbildungsberuf wird berücksichtigt.

2. Ist der Nachweis dieser Mindestzeit nicht oder nicht vollständig möglich, kann eine Zulassung auch dann erfolgen, wenn die Person durch Zeugnisse oder auf andere Weise glaubhaft belegt, dass sie die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat, die eine Zulassung zur Prüfung rechtfertigt.

Für den Nachweis der beruflichen Handlungsfähigkeit sind über die nachgewiesenen beruflichen Tätigkeiten hinaus geeignete Zeugnisse und Nachweise zum Beispiel über er-gänzende Bildungsmaßnahmen notwendig. Hierbei werden auch Zeugnisse über auslän-dische Bildungsabschlüsse und Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland berücksichtigt. Bei Zeitsoldaten und -soldatinnen zählen hier auch Bescheinigungen des Bundesministeriums der Verteidigung oder einer von ihm bestimmten Stelle, die bestätigen, dass die für die Zulassung erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse erworben wurden.

Anmeldung und Beratung:

Die Kammern, im Handwerk auch die Innungen, führen in der Regel zweimal jährlich Abschluss-/Gesellenprüfungen durch, meist eine Prüfung im Sommer und eine im Winter. Bitte frühzeitig anmelden: Die Fristen und die Prüfungsgebühr können Sie bei Ihrer Kammer erfragen. Diese beraten Sie gern und nennen Ihnen weitere Ansprechpartner. Örtlich zuständig ist die Kammer, in deren Bezirk die Person, die den Antrag stellt, ihre Wohn- oder Arbeitsstätte hat. Dort bekommen Sie Antragsvordrucke, die zum Teil auch auf den Internetseiten der Kammern zu finden sind. Im Handwerk ist zu beachten, dass der Zulassungsantrag direkt an den Prüfungsausschuss zu richten ist. Die Handwerkskammern informieren, ob der Prüfungsausschuss bei den Kammern oder bei den Innungen angesiedelt ist. Zum Teil nehmen sie den Zulassungsantrag auch unmittelbar entgegen.

Die angeforderten Nachweise können bei den jeweils zuständigen Stellen unterschiedlich sein. In der Regel sind aber die folgenden Unterlagen vorzulegen:

Ein formaler Antrag oder ein formloses Anschreiben mit der Angabe des Berufes, in dem Sie die Prüfung ablegen möchten,
ein tabellarischer Lebenslauf,
qualifizierte Arbeitszeugnisse, Tätigkeitsnachweise, oder Arbeitsplatzbeschreibungen,
ggf. Nachweise über Ausbildungszeiten in anderen einschlägigen Berufen,
ggf. Nachweise über spezielle Seminare, Lehrgänge oder Qualifizierungen, die den Ausbildungsinhalten des gewünschten Ausbildungsberufes entsprechen, beispielsweise anhand von Zeugnissen der Bildungseinrichtungen.

Prüfungsvorbereitung

Die Zulassung der Antragsteller erfolgt zur nächsten regulären Abschluss-/Gesellenprüfung. Wie bei Prüfungen üblich ist in der Regel eine gezielte Vorbereitung erforderlich. Vor allem in den schriftlichen Prüfungsbereichen wird erwartet, dass wesentliche fachtheoretische Zusammenhänge beherrscht und berufliche Problemstellungen gelöst werden können. Die konkreten Prüfungsanforderungen stehen in der Ausbildungsordnung für den jeweiligen Ausbildungsberuf. Sie sind unter www.bibb.de/berufe zu finden.

Grundsätzlich ist es möglich, sich anhand von Fachbüchern, die auch in der Berufsschule eingesetzt werden, die Fachtheorie eigenständig anzueignen. Hilfreich ist es außerdem, sich anhand von früheren Prüfungsaufgaben vorzubereiten. Vor allem bei Abschlussprüfungen, deren Aufgaben bundesweit erstellt werden, bieten einige Verlage alte Prüfungsaufgaben und spezielle Fachliteratur zur Prüfung an. Ein breites Angebot ist unter http://www.christiani.de, http://www.u.-form.de und http://www.wbv.de zu finden.
Es werden auch Vorbereitungskurse angeboten. Hierzu geben Ihnen die Kammern Auskunft zu geeigneten Maßnahmen bei Berufsschulen oder Bildungsträgern. Natürlich bieten die 22 regionalen Projekte des Programms „Perspektive Berufsabschluss“ Beratung und Hilfestellung an. Eine Übersicht dieser regionalen Stellen sind unter http://www.perspektive-berufsabschluss.de/de/159.php zu finden.

Hinweise auf Kurse und vor allem auch zu Fördermöglichkeiten bieten Ihnen die örtlichen Agenturen für Arbeit unter http://www.kursnet.arbeitsagentur.de/kurs/portal.

Quelle: Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk e. V. (ZWH) 2009, Dr. Beate Kramer, www.zwh.de.

 

 
Förderung
Durchführung