Die zunehmende Vernetzung der Akteure und die Verbesserung der Strukturen im regionalen Übergangsmanagement und im Bereich der abschlussorientierten Nachqualifizierung haben Erfolg, wie das Beispiel der Darmstädterin Sandra Wollny, Absolventin der Externenprüfung zur Bürokauffrau, zeigt.
Meine berufliche Situation war sehr schlecht. Ich hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung und war arbeitslos. Oft hatte ich nur befristete Verträge und habe Aushilfstätigkeiten im Büro übernommen. Doch nach Ablauf der Verträge war ich immer wieder arbeitslos. Das war sehr schwierig.
Das war ich meinem Ego schuldig. Mit zwanzig habe ich die Ausbildung als Bürokauffrau abgebrochen, weil ich schwanger wurde. Ich bekam zwar über die abgebrochene Ausbildung immer wieder einen Aushilfsvertrag, aber wenn jemand gehen musste, war ich die Erste. Es gab immer wieder die Situation, dass ich gefragt wurde, warum ich die Ausbildung nicht beendet hätte. Dabei spürte ich immer den Druck, etwas falsch gemacht zu haben. Ja, und dann kam der Moment in dem ich mir gedacht habe, jetzt ist die Zeit gekommen, und ich kann endlich das zu Ende bringen, was ich mal angefangen habe. Außerdem habe ich mir auch eine bessere Bezahlung erhofft.
Ich wurde durch meine Fallmanagerin bei der Kreisagentur für Beschäftigung auf Ihre Beratungsstelle aufmerksam gemacht. Sie riet mir, ich solle mich doch mal bei Ihnen melden und einfach mal hören, welche Möglichkeiten es für mich geben könnte.
Ich hatte die Unterstützung von Frau Strein von der Beratungsstelle "Qualifizierung nach Maß." Nach intensiver Prüfung meiner Unterlagen wurde mir deutlich, was noch alles organisiert werden musste. Dabei hat sie mich unterstützt, meine ganzen Arbeitszeugnisse zusammenzutragen. Gemeinsam planten wir den weiteren Qualifizierungsverlauf. Alles wurde dokumentiert. Noch nie habe ich so ordentliche Unterlagen besessen wie jetzt. So sind wir dann Schritt für Schritt der Sache näher gekommen. Dabei standen wir immer in engem Kontakt mit der Kreisagentur. Auch die Kammer wurde einbezogen. Sie erteilte mir schließlich die Zulassung zur Prüfung. Frau Strein hatte einen guten Überblick über die Angebote zur Vorbereitung auf die Externenprüfung. Als wir einen passenden Kurs gefunden hatten, bewilligte schließlich meine Fallmanagerin die Finanzierung.
Das war eigentlich wie Schule. Der Kurs war ganztägig und lief über drei Monate. Für mich war es eine große Umstellung. Nach ein paar Tagen habe ich wirklich gedacht, das schaffe ich nicht! Und daneben musste ja mein normaler Alltag noch organisiert werden. Also nach dem Kurs einkaufen, Essen kochen, Wäsche waschen usw. Da muss die Familie schon mitziehen. Meine Familie und mein Freund waren sehr stolz auf mich und haben mich in dieser Zeit sehr unterstützt. Denn trotzdem muss man sich abends noch mal die Zeit nehmen, um sich alles noch mal anzuschauen. Ich hätte das nicht geschafft, wenn ich nicht zwischendurch noch zusätzlich gelernt hätte.
Über die Beratung habe ich überhaupt erst erfahren, dass es die Möglichkeit der Externenprüfung für mich gibt. Die ganze Organisation im Vorfeld hätte ich alleine nicht geschafft. Ich habe jetzt auch gemerkt, wie wichtig es ist, sich qualifizierte Arbeitszeugnisse ausstellen zu lassen. Da war die Unterstützung sehr wichtig, um die Unterlagen zusammenzutragen. Es war auch gut, immer jemanden zu haben, der einem Mut macht. Meiner Fallmanagerin habe ich gesagt, dass sie die Beratungsstelle "Qualifizierung nach Maß" unbedingt weiter empfehlen soll.
Ich habe direkt nach der Prüfung eine Anstellung in meinem Beruf gefunden, und ich hoffe, dass sich daraus ein unbefristeter Vertrag ergibt. Darauf lege ich jetzt meine ganze Konzentration. Aber ich bin mutig. Sollte es zu einer Festanstellung kommen, werde ich mich auf jeden Fall weiterbilden, um zum Beispiel meine Englischkenntnisse weiter zu verbessern.