Landkreis Mittelsachsen
Landkreis Mittelsachsen, Sachsen, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

Landratsamt Mittelsachsen
Regionales Übergangsmanagement
Frauensteiner Str. 43
09599 Freiberg

 


Der Landkreis Mittelsachsen ist ein ländlich geprägter Flächenlandkreis  von 2.113km2 mit 21 Städten, 40 weiteren Kommunen und insgesamt 333.350 Einwohnern. Er entstand am 01.08.2010 durch den Zusammenschluss der Altlandkreise Döbeln, Freiberg und Mittweida und liegt im Herzen von Sachsen, in unmittelbaren Zentrum der drei kreisfreien Städte Chemnitz, Dresden und Leipzig. Im Landkreis existieren derzeit 78 Grundschulen, 30 Mittelschulen, 13 Gymnasien, 14 Förderschulen und 15 berufsbildende Schulen.

Von 13.000 Unternehmen im Landkreis haben 90% weniger als 10 und nur 29 Unternehmen mehr als 250 sozialversicherungspflichtige Beschäftige, insgesamt stehen rund 100.000 Personen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.  Die Beschäftigungssituation im gesamten Landkreis stellt sich sehr heterogen dar. Viele junge Menschen verlassen die Region, da sie mit der Beschäftigungssituation unzufrieden sind. Gerade im Bereich der Geringqualifizierten stellt sich die Lage derzeit schwierig dar. Auf der anderen Seite fehlen im Bereich der Spitzentechnologien hochqualifizierte Arbeitskräfte. Schulabgängerinnen und -abgänger mit niedrigem oder schlechtem Abschluss haben daher Probleme beim Übergang in Ausbildung und Arbeit. In Folge dessen hat sich ein nicht überschaubares Übergangssystem entwickelt, mit zahlreichen privaten und staatlichen Akteuren und Angeboten.

Folgende Zielstellungen verfolgt das „Regionale Übergangsmanagement“ zu Projektbeginn 2010.

  • Erhöhung der Transparenz regionaler Beratungs- und Förderangebote und verbesserte Abstimmung und Kooperationen unter den Akteuren.
  • Systematische Einbeziehung aller Beteiligten in der Region, mit dem Ziel vorhandene Ressourcen optimal nutzen und vernetzen zu können.
  • Unterstützung von Schulen in den Bereichen Berufsorientierung und Berufsvorbereitung.
  • Steigerung der Qualität und Effektivität in den Bereichen Berufsorientierung und Übergangsmaßnahmen.
  • Zusammenarbeit mit überregional tätigen Ausbildungs- und Bildungsträgern um dem Fachkräftemangel in den ansässigen Firmen zu begegnen

Im Landratsamt Mittelsachsen wird die Koordinierungsstelle des Regionalen Übergangsmanagement Mittelsachen implementiert. Die Abstimmung zwischen den Einrichtungen ist zu verbessern, Doppelstrukturen zu vermeiden und Akteure, wie Eltern, Schüler/Schulen, Unternehmen, Bildungsträger und Verwaltung, besser miteinander zu vernetzen. Dafür sollen vor allem auf kommunaler Ebene die Partner der Bundesagentur für Arbeit, der Argen, des  Amtes für Arbeit und Beschäftigungsförderung (Optionskommune), des Jugendamtes, der Schulverwaltung u. a. in das Projekt mit einbezogen werden.

 Im Verlauf der Projektarbeit sollen zur Zielerreichung verschiedene Planungsdaten erhoben und die damit einhergehenden Handlungsfelder konkretisiert werden.  Regelmäßige Arbeitstreffen sollen den Prozess ebenso unterstützen, wie die Entwicklung von Standards zur Qualitätssicherung.

Harte Indikatoren zur Verbesserung des Übergangs sind u.a. Arbeit der Schulen mit dem Berufswahlpass, die Förderung von Kooperationsvereinbarungen Schule-Unternehmen oder auch die Arbeit mit dem Unternehmensführerschein. Hier sollen besondere Anstrengungen unternommen werden, um den Schulen in ihren Bemühungen bereits frühzeitig Unterstützung zu gewähren.

Ergebnisse

2013

Ergebnis

Ziel des Projekt war es, auf der Ebene der Landkreisverwaltung eine Koordinierungsstelle zu etablieren, die - orientiert an den regionalen Bedarfen des Landkreises und regionalen Schwerpunktsetzungen der beteiligten Akteure - neue bzw. verbesserte Strukturen im Bereich des Übergangs Schule-Beruf initiiert, abstimmt und im Durchführungsprozess koordiniert. Auf der Basis grundlegender Befragungen und Untersuchungen zum Sachstand der Angebote und Förderkonzepte (Befragung an Beruflichen Schulzentren/Elternbefragung/Schulabsolventenbefragung/ Unternehmensbefragung) wurden vorhandene Qualitätsstandards und verbindliche Verfahrensstandards für ein strukturiertes Übergangssystem analysiert und mit Handlungsanweisungen zur dauerhaften Steigerung der Qualität und der Effektivität der Angebote untersetzt. Die Anbindung der Koordinierungsaufgabe als Stabsstelle des Landkreisamtes sowie die enge Kooperation mit dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft haben sich dabei als hilfreich und durchsetzungsfähig erwiesen. Besonders erfolgreich für die langfristige Etablierung des Regionalen Übergangsmanagements als wichtige kommunale Aufgabe gestaltete sich die Abstimmung mit den sächsischen Ministerien und Landesbehörden.

Fazit

Durch die intensive Zusammenarbeit mit Landesbehörden, der sächsischen Bildungsagentur, dem sächsischen Bildungsinstitut und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus und Sport konnte sich das Projekt mit seinen Erfahrungen und Erkenntnissen auf den politischen Entscheidungsebenen einbringen. Dadurch ist es gelungen, die Aufgabe des Regionalen Übergangsmanagement nachhaltig bei den regionalen Partnern zu verankern. Das Regionale Übergangsmanagement konnte sich in Mittelsachsen als kompetenter Ansprechpartner in der Verwaltung, für Schulen und deren Angehörige, für Bildungsträger sowie für die regionalen Akteure des Handlungsfelder wie Jobcenter und Kammern etablieren.

Umsetzungsstand Dezember 2012

Das Regionale Übergangsmanagement Mittelsachsen hat auch im Jahr 2012 erfolgreich in den bestehenden Strukturen mitgewirkt. Ebenso wurde die Vernetzung mit Akteuren am Übergang Schule-Beruf, anderen RÜM-Regionen und Landesbehörden fortgeführt. Durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Partnern entstanden 2012 zahlreiche Arbeitsergebnisse. Die Wichtigsten sind im Folgenden zusammengestellt:

 

Eine aktualisierte Fassung der Unternehmensbroschüre zum Thema „Förderung und Beratung für ausbildende Unternehmen“ konnte im Frühjahr 2012 publiziert werden und wendet sich vorrangig an mittelsächsische Ausbildungsunternehmen, um über Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten bei der Erstausbildung zu informieren. Im Fokus stehen dabei Angebote für Unternehmen, die Jugendlichen mit besonderen Förderbedarfen eine Chance zur Ausbildung geben wollen. Aufgrund der großen Nachfrage wird bereits an einer aktuellen Ausgabe für das Jahr 2013 gearbeitet.

Die ebenfalls im Frühjahr 2012 fertiggestellte Publikation „Wegweiser Praktikum - Ein Leitfaden für Unternehmen“ richtet sich gleichermaßen an mittelsächsische Unternehmen, welche Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben wollen, ein Praktikum zu absolvieren oder Ferienarbeit anbieten möchten. Die Praktikumsbroschüre soll Hinweise und Orientierung bei den Fragestellungen zur Durchführung von Praktikabieten. Die Publikation ist als praktische Handreichung für betriebliche Akteure, die im Rahmen ihrer Arbeit mit der fachlichen Betreuung von Praktikantinnen und Praktikanten betraut sind, konzipiert.

Zur Unterstützung von Eltern bei ihrer Begleitung des Berufswahlprozesses ihrer Kinder gab das Regionale Übergangsmanagement Mittelsachsen auch im Jahr 2012 in Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit Chemnitz und Oschatz viermal jährlich einen Elternbrief heraus. Der Elternbrief wird auch zukünftig über die Schulen und die Berufsberater im Landkreis verteilt und informiert über wichtige Themen am Übergang Schule-Beruf.

Um die Elternarbeit im Landkreis zu unterstützen, startete das Regionale Übergangsmanagement zu Beginn des Schuljahres 2012/2013 eine Elternkampagne mit dem Ziel, mehr Eltern für das Thema Berufsorientierung ihrer Kinder zu gewinnen und sie zur Unterstützung ihrer Kinder zu motivieren. Hintergrund der Kampagne „Bleiben Sie dran! Unterstützen Sie Ihr Kind bei der Berufswahl“ sind der zunehmende Fachkräftemangel und die nach wie vor steigende Anzahl an Ausbildungsabbrüchen nach Fehlentscheidungen in der Berufswahl. Die fünf unterschiedlichen Plakatmotive sollten auf originelle Weise das besondere Engagement und die Verantwortung der Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder ansprechen.

Um herauszufinden, wie gut sich die Jugendlichen im Landkreis auf die Zeit nach dem Schulabschluss vorbereitet fühlen und welche beruflichen Vorstellungen und Pläne sie verfolgen, initiierte das Regionale Übergangsmanagement Mittelsachsen in Kooperation mit der Universität Leipzig und der Sächsischen Bildungsagentur Chemnitz im Frühjahr 2012 eine anonyme Befragung von Schülerinnen und Schülern der Abgangsklassen an Mittel- und Förderschulen. Die Ergebnisse der Studie und entsprechende Handlungsempfehlungen wurden am 06. November 2012 auf der Jahrestagung des Projektes der Öffentlichkeit präsentiert. Zurzeit wird ein offener Dialog mit allen beteiligten Akteuren geführt, mit dem Ziel, die Informations- und Beratungsangeboten für Eltern und Jugendliche zu verbessern.

Um mehr Einblick in die Einschätzungen, Wünsche und Bedarfe der Eltern am Übergang Schule-Beruf zu erhalten, initiierte das Regionale Übergangsmanagement Mittelsachsen im Rahmen der Schulabsolventen-befragung eine zusätzliche Elternbefragung zum Thema Berufsorientierung. Die Ergebnisse wurden im Mai 2012 veröffentlicht. Befragt wurden die Eltern von insgesamt 1.218 Schülerinnen und Schülern der Abgangsklassen an 8 Förder- und 23 Mittelschulen im Zeitraum von Februar bis März. Insgesamt wurden 483 bzw. knapp 40% der über die Schulen ausgegebenen Fragebögen ausgefüllt zurückgesandt. Ziel war die Gewinnung von neuen Impulsen für eine zielgruppenorientiertere Gestaltung von Angeboten und Informationsmaterialien zur Sensibilisierung und Aktivierung von Eltern im Berufsorientierungs- und Berufswahlprozess ihrer Kinder.

Zur Unterstützung der Schulen und Eltern beim Thema Schulverweigerung erarbeitete das Team mit Unterstützung seiner Partner einen Leitfaden zum Thema „Umgang mit Schulpflichtverletzungen - ein Wegweiser für Schulen und Eltern im Landkreis Mittelsachsen“. Vor allem an Förder- und Mittelschulen sowie an Berufsbildenden Schulen ist die Anzahl gemeldeter Schulpflichtverletzungen nach wie vor hoch. Aus diesem Grund hat sich der Landkreis Mittelsachsen die Aufgabe gestellt, Transparenz im Umgang mit Schulpflichtverletzungen zu schaffen. Die Schulverweigererbroschüre steht den Schulen im Landkreis sowie Eltern und interessierten Akteuren seit November 2012 kostenfrei zur Verfügung.

Ebenfalls im Herbst 2012 veröffentlichte das RÜM Mittelsachsen eine Publikation zum Thema „Gender- und Kultursensibilität im Unterrichts- und Beratungsprozess“. Ziel dieser Zusammenstellung ist es, die Problemwahrnehmung in den Kultur- und Genderthemen zu schärfen, die Akteure zu ermutigen, gesellschaftliche sowie persönliche Rollenbilder in Verbindung mit sozialer Ungleichheit zu hinterfragen, und sie für die Umsetzung des Gender- und des Cultural-Mainstreaming in ihrem jeweiligen Fach- oder Aufgabenbereich anzuregen.

Neben diesen Aktivitäten wurden weitere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen unterstützt (wie beispielsweise die „Nacht der offenen Unternehmen“ zur Fachkräftegewinnung in der Gemeinde Hartmannsdorf im November 2012) oder selbst angeregt. Zu nennen ist hier insbesondere die Erarbeitung eines Plakates zu den Berufsschulstandorten im Landkreis Mittelsachsen. Des Weiteren sind Aktivitäten begonnen worden, die erst in 2013 abgeschlossen werden können, wie die im Sommer 2012 durchgeführte Erhebung zur Ausbildungssituation im Landkreis (Unternehmensbefragung) sowie die Befragung von Berufsschülerinnen und -schülern und Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr an den Beruflichen Schulzentren in Mittelsachsen.

 

Das Regionale Übergangsmanagement konnte sich erfolgreich in den bestehenden Strukturen am Übergang Schule-Beruf(-sausbildung) etablieren durch die Einbindung in die Arbeit von Ausschüssen, die Mitwirkung in Arbeitskreisen (z.B. AK Schule-Wirtschaft) und den Aufbau von  Kooperationsbeziehungen. Die Vernetzung mit bestehenden RÜM-Regionen sowie mit Landesbehörden wurde weiter ausgebaut und thematisch vertieft. Die ursprüngliche Konzeption zum Aufbau eines eigenen Beirates bzw. einer Steuerungsgruppe ist revidiert worden, da sich die Entscheidungsträger bereits in bestehenden Arbeitsforen abstimmen, in denen das RÜM-Team ebenfalls eingebunden ist. Damit können übergeordnete Zielstellungen und Richtungsweisungen in diesen Gremien diskutiert und entschieden werden. Nach einem Jahr soll dieser Weg hinsichtlich seiner Effizienz untersucht werden.

Die zu Beginn umgesetzte Situationsanalyse hinsichtlich der Anbieter- und Angebotsstruktur wurde bereits abgeschlossen und mündete in dem Wegweiser Schule – Beruf, der über die Projekthomepage den Jugendlichen, deren Eltern, aber auch allen anderen Akteuren zur Verfügung steht. Dank der Vorarbeit der bereits bestehenden sächsischen RÜM-Regionen konnten darüber hinaus Plakate zu Übergangswegen mit und ohne Hauptschulabschluss sowie mit Realschulabschluss den Schulen übergeben werden.

Der Einstieg in den Bereich Schule basiert vornehmlich auf persönlichen Kontakten, die es zu knüpfen galt. Der persönliche Einsatz aller Beteiligten forderte mehr zeitliche Ressourcen als geplant, ermöglichte dafür aber fast flächendeckend den Aufbau einer partnerschaftliche Beziehung mit den Schulen, was bei der Umsetzung der Zielstellungen unabdingbar ist. Neben den Schulen wird mit deren Aufsichtsbehörden und Trägern in den einzelnen Themengebieten (z.B. Berufswahlpass, Berufsorientierungskonzepte) zusammengearbeitet. Durch diese und andere persönliche Gespräche, in denen sich erste thematische Schwerpunkte herauskristallisierten, erübrigte sich die zunächst avisierte Auftaktkonferenz, die durch eine Fachtagung ersetzt wurde.

Derzeitige Planungen betreffen in erster Linie den Bereich Datenerhebung. Darüber hinaus werden mit den Partnern Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen geprüft, die Jugendlichen mit schlechteren Startchancen eine Möglichkeit zur Bewältigung des Übergangs Schule-Beruf geben wollen. In Anlehnung an den in anderen sächsischen RÜM-Regionen bewährten Elternbrief werden derzeit die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und mögliche Verbreitungswege geprüft.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung