Greifswald, Ost- und Nordvorpommern
anna - Anerkannte Berufsabschlüsse durch modulare Nachqualifizierung in Greifswald, Ost- und Nordvorpommern, Mecklenburg-Vorpommern, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

BiG - Bildungszentrum in Greifswald gGmbH
Feldstraße 85
17489 Greifswald

www.anna.big-hgw.de

Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung in der Planungsregion Vorpommern, deren  gemeinsames Oberzentrum die Universitäts- und Hansestadt Greifswald und die Hansestadt Stralsund bilden,  bewirken stärker als in anderen Bundesländern eine Nachwuchslücke, die bereits in wenigen Jahren die Wirtschaftsentwicklung stark beeinträchtigen wird. Langfristig wird sich die Anzahl der Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns im erwerbsfähigen Alter von rund 1,2 Millionen auf gut 600.000 nahezu halbieren. Im Jahr 2010 fehlten in Mecklenburg-Vorpommern rund 2.400 Auszubildende. Allein 2009 verlor das Bundesland durch Emigration und Alterung rund 14.000 Arbeitnehmer im erwerbsfähigen Alter. Dies birgt erhebliche Risiken für die Fachkräftesituation. Zugleich sehen zukünftige Beschäftigungsprognosen einen ungebrochenen Trend zur Höherqualifizierung.

Die Branchen Verwaltung, Energie, Wasserversorgung und Immobilien verzeichnen in Mecklenburg-Vorpommern einen besonders hohen Anteil älterer Arbeitnehmer. Hier wird in den kommenden Jahren ein starker Bedarf an Arbeitskräften herrschen.

Die generelle Branchenstruktur Vorpommerns ist geprägt vom Tourismus, von einer stark wachsenden Ernährungs- sowie von der Energiewirtschaft und durch das verarbeitende Gewerbe, das in Greifswald stark technologisch ausgerichtet ist. Insbesondere die regionale Zeitarbeitsbranche kann wichtige Entwicklungen vorantreiben und mitgestalten.

Im Nordosten Deutschlands sind Strategien erforderlich, das vorhandene Personalpotenzial für die Wirtschaft zu entwickeln und auszuschöpfen. Einen wichtigen Beitrag dazu soll, neben anderen Möglichkeiten der Fachkräftesicherung (verstärkte Ausbildung, flankiert seit 2006 durch zwei JOBSTARTER-Projekte des BiG) und damit Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit für die Unternehmen, die modulare Nachqualifizierung für Menschen ohne Berufsabschluss leisten.

Es ist das Oberziel des Projektes, modulare Nachqualifizierung zur Erlangung eines anerkannten Berufsabschlusses gemeinsam mit regionalen Netzwerkpartnern innerhalb von drei Jahren als Regelangebot zu etablieren und nachhaltig in der Region zu verankern.

Projektziel Netzwerkarbeit: In Vorpommern ist nach drei Jahren ein stabiles Netzwerk zur modularen Nachqualifizierung etabliert. Das dient der arbeitsmarktpolitischen Zielstellung, Menschen ohne Berufsabschluss über den Weg der modularen Nachqualifizierung nachhaltig in Beschäftigung zu integrieren.

Projektziel Beratung: Kompetente Berufscoaches beraten Arbeitnehmer, Arbeitgeber und weitere Interessierte zur modularen Nachqualifizierung (Verfahren, Inhalte, Externenprüfung, Finanzierung). Für die persönliche Lebensplanung unterstützt anna die Zielstellung Un- und Angelernter, mit nachhaltiger Beschäftigung einen stabileren Verdienst für ihren Lebensunterhalt zu erreichen.

Projektziel Organisation: Netzwerkmanger und Berufscoaches organisieren die Nachqualifizierung, begleiten die Teilnehmer individuell und steuern ein professionelles regionales und individuell abgestimmtes Bildungsmanagement. Die Eingliederung benachteiligter Menschen in Erwerbsleben und Gesellschaft wird ermöglicht.

Zur Erreichung des Oberziels und der Projektziele bearbeitet das anna-Team folgende Arbeitspakete:

Zusammenführung bestehender Netzwerkstrukturen zu einem regionalen Netzwerk zur Nachqualifizierung: Gewinnung, Zusammenführung der Partner, Durchführung von Arbeitstreffen und Fachtagungen, Teilnahme an Netzwerktreffen und Partnerworkshops; kooperatives Netzwerkmanagement.

Kontinuierliche Erfassung des Bedarfs zur Nachqualifizierung und der dafür geeigneten Angebote in der Region: Es wird der spezifische Bedarf der Energie-, Ernährungswirtschaft und von Zeitarbeitsfirmen, des Berufsförderungsdienstes, von Justizvollzugsanstalten für Nachqualifizierung und damit Fachkräftepotenzial für die Wirtschaft erfasst.

Regionale Etablierung und Integration von Unterstützungsstrukturen zur Nachqualifizierungs-Beratung der Unternehmen, insbesondere KMU (Unternehmer, Personalverantwortliche, Betriebsräte), sowie Un- und Angelernter, vor allem auch jener mit Migrationshintergrund, mit und ohne Beschäftigung.

Erarbeitung und Weiterentwicklung von flexiblen, modularen Angeboten zur Nachqualifizierung, die auf einen anerkannten Berufsabschluss ausgerichtet sind: Dies erfolgt, ebenso wie die Umsetzung der Nachqualifizierungsangebote, im Netzwerk regionaler Bildungsdienstleister, um das Prinzip Wohnort- bzw. Arbeitsplatznähe für die Vereinbarkeit von Arbeit und Lernen für die jungen Erwachsenen einzuhalten.

Verfahren zur Ermittlung und Dokumentation vorhandener Kompetenzen: Die für den Erwerb des Berufsabschlusses bereits vorhandenen und noch erforderlichen Fertigkeiten werden in Gap-Analysen erfasst, so dass eine individuell passgenaue Nachqualifizierung mit Bezug zu den Ordnungsmitteln der beruflichen Ausbildung konzipiert wird, die auch in Zielvereinbarungen (zwischen Mitarbeiter und Unternehmen oder Teilnehmer und Bedarfsträger) festgehalten wird. Enge Abstimmungen erfolgen mit den Kammern.

Koordination der Lernorte: Ein Schwerpunkt wird die Erschließung des Lernortes Betrieb sein, so dass Un- und Angelernte die Nachqualifizierung im Prozess der Arbeit (on the job) bewältigen können. Aufgabe des anna-Teams ist es, die involvierten Lernorte Betrieb und Bildungsdienstleister zu koordinieren (Lernortkooperation).

Transfer, Evaluation, Dokumentation: Nutzung der Erfahrungswerte etablierter Netzwerke zur Nachqualifizierung in anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns unter Federführung von SAZ e.V., Schwerin, und AFZ GmbH, Rostock; formative Bewertung der Projektprozesse; Erarbeitung standardisierter Dokumente für Beratung und Kompetenzfeststellung, Erstellung und Pflege eines Webauftritts.

Alle Zielebenen werden mit Aktivitäten nach einem umfangreichen Aktionsplan zur Öffentlichkeitsarbeit begleitet.

Verwertung: Der Schwerpunkt der Verwertung liegt in der nachhaltigen und mehrfachen Nutzung erarbeiteter Module. Diese können bedarfsorientiert und in individuellen Qualifizierungsplänen in der Nachqualifizierung, aber auch in anderen betrieblichen und betriebsnahen Qualifizierungsprozessen, miteinander kombiniert und verwertet werden.

 

Ergebnisse

Ergebnisse

Das BiG - Bildungszentrum in Greifswald gGmbH hat mit seinem Projekt " anna - Anerkannte Berufsabschlüsse durch modulare Nachqualifizierung in Greifswald, Ost- und Nordvorpommern" einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der förderpolitischen Ziele geleistet. Folgende Ergebnisse und Aktivitäten sind besonders zu erwähnen:
* Zusammenführung bewährter Netzwerkstrukturen zu einem regionalen Netzwerk zum Themenfeld Nachqualifizierung.
* Analyse des regionalen Nachqualifizierungsbedarfs und der bestehenden Angebotsstruktur als Basis bedarfsorientierter Angebotsentwicklung.
* Etablierung von Beratungs- und Serviceangeboten und deren strukturelle Verankerung.
* Erarbeitung von modularen Nachqualifizierungsangeboten in Kooperation der Netzwerkpartner und Erweiterung der bestehenden Angebotsstruktur.
* Entwicklung von Kompetenzfeststellungs- und -Dokumentationsverfahren, deren Erprobung und Etablierung im Netzwerk.
* Modellhafte Durchführung von Nachqualifizierungen im Verbund der Netzwerkpartner und Koordination der Lernorte.
* Umfangreiche zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit und erfolgreiche Umsetzung von Transferaktivitäten.

Fazit

Zunehmend zeigte sich das Unternehmensinteresse an dem Instrument "Nachqualifizierung" zur Deckung des Fachkräftebedarfs in der Region.
Sichergestellt ist die weitere Zusammenarbeit der regionalen Netzwerkakteure. Auch zukünftig werden die Bildungsanbieter und die Bildungsberatungsstellen der Region als kompetente Ansprechpartner fungieren und das bildungspolitische Instrument Nachqualifizierung bewerben.
Durch die Zusammenarbeit der Mitunterzeichner der "Greifswalder Erklärung" wurde eine landesweite Struktur geschaffen, die ein umfassendes, auf Fachkräfteentwicklung zielendes Bildungsangebot bereithalten und nachfrageorientiert weiterentwickeln wird.

Netzwerkarbeit:

Das Projekt setzte seine Netzwerkarbeit im Jahr 2012 kontinuierlich fort. Neben der Teilnahme an Tagungen auf der Programmebene war die Stabilisierung und quantitative sowie qualitative Erweiterung des regionalen Netzwerkes Schwerpunkt der Ar-beit. Die Aktivitäten richteten sich auf Projekte und Initiativen für Alleinerziehende. Diese Zielgruppe rückte in der Beratung mehr und mehr in den Fokus. Dazu engagiert sich das Projekt in zwei Arbeitsgruppen (Berufsperspektive & Arbeitsplatz sowie Unterstützungsan-gebote für Alleinerziehende) des „Kompetenzzentrums für Alleinerziehende“ in Trägerschaft der Sozialagentur – Jobcenter Vorpommern-Greifswald. Am 21. September führten wir eine Fachtagung mit dem Titel „Alleinerziehend – aber nicht alleine“ durch. Diese Fachtagung diente der weiteren Bekanntmachung des Projektes in der Öffentlichkeit. 

Bedarfserfassung:

 Einer der Schwerpunkte in der Projektausrichtung ist die Information und Begleitung von Zeitarbeitsunternehmen zur Personalentwicklung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Speziell für Personalverantwortliche in Zeitarbeitsunternehmen haben wir einen Workshop durchgeführt. Das Ziel war die Sensibilisierung für modulare abschlussorientierte Nachqualifizierung als ein Element betrieblicher Personalentwicklung. Dazu wurden die wichtigen Schritte auf dem Weg zum Berufsabschluss im konkreten betrieblichen Kontext aufgezeigt. Weiterhin wurde ein „Qualipass“ konzipiert. Dieser soll die Einsatzgebiete der Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer abbilden und die im betrieblichen Verleih erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen dokumentieren. Pilotexemplare werden zu Beginn 2013 zum Einsatz kommen. 

Beratung:

 Derzeit betreut das Projekt 78 An- und Ungelernte, für die individuelle Planungen für die Nachqualifizierung erstellt werden. Diese Personen werden sehr individuell von unseren Berufscoaches begleitet. In diesem Jahr erlangten die ersten drei, vom Projekt betreuten Teilnehmer in den Berufen Fachkraft im Gastgewerbe, Elektroanlagenmonteur und Konstruktionsmechaniker ihren Berufsabschluss. Zur effizienteren Durchführung der Beratung hat das Team Sprechzeiten festgelegt, die in der lokalen Presse publiziert wurden.

Dokumentation:

Die Frage-/Erfassungsbögen für An- und Ungelernte sowie für Unternehmen wurden grundlegend überarbeitet. Im anna-Logbuch werden alle Projektaktivitäten chronologisch mit Stichworten und teilnehmenden Personen dokumentiert. Außerdem wurde zur Kontaktverwaltung eine open source-Anwendung installiert. Diese Software ermöglicht dem gesamten Projektteam, in die Kontaktdaten, Aktivitätenplanung und Aktivitätennachweise gruppiert nach den Akteursgruppen zu planen und zu bearbeiten. Mit einem strukturierten Kontaktmanagementsystem verbessert sich die Koordination der Aktivitäten. Zugleich wird der strukturierte Datenerhalt für den Transfer der Projektkontakte für die Nachhaltigkeit vorbereitet. 

Öffentlichkeitsarbeit und Transfer:

 Der Internetauftritt wird stetig aktualisiert und optimiert. Informationsblätter werden auch in englischer und russischer Sprache publiziert. Am Jahresende starteten wir die Vorbereitung von zielgerichteten PR-Maßnahmen zur Verstetigung über den Aktionsplan Öffentlichkeitsarbeit hinaus. Dafür wurde ein externer Experte einge-bunden. Zusätzliche PR-Aktivitäten sind erforderlich, um die Öffentlichkeit, die regionalen Akteure und die Zielgruppen Unternehmen sowie An- und Ungelernte noch intensiver zu sensibilisieren und zu informieren und damit den Transfer in die Nachprojektphase vorzubereiten.

Wir halten regelmäßigen Kontakt zu anderen Projekten der Region, vor allem im Nachqualifizierungsnetzwerk der Projekte zur modularen Nachqualifizierung in Mecklenburg-Vorpommern (NQ-Netz-MV). Für den Wissenstransfer erstellte unser Projekt einen Fachbeitrag für den Praxisband 5 zum Thema Standards in der Netzwerkarbeit am Beispiel des NQ-Netz-MV. Der Band wird im kommenden Jahr veröffentlicht.

Netzwerkarbeit: Unser anna-Team setzte seine Netzwerkarbeit im Jahr 2011 kontinuierlich fort. Neben der Teilnahme an Tagungen auf der Programmebene wurde der Fokus auf die Stabilisierung und Erweiterung des regionalen Netzwerkes gesetzt. Dazu wurden in Arbeitsgesprächen und Veranstaltungen Institutionen aus der Wirtschaft, Bedarfsträger, regionale Bildungsdienstleister und Unternehmen über das Projekt informiert und in die Netzwerkarbeit integriert. Zwei Kooperationsverträge wurden geschlossen. Im November 2011 führten wir ein Arbeitsgespräch mit Vertretern der lokalen Bedarfsträger, der IHK zu Neubrandenburg, der Handwerkskammer Ostmecklenburg Vorpommern sowie der Kreishandwerkerschaft Greifswald Ostmecklenburg Vorpommern durch. Wir erzielten einen Konsens zur kooperativen Vorgehensweise bei der Beratung von An- und Ungelernten.

Bedarfserfassung: Über den gesamten Zeitraum wurden Gespräche mit An- und Ungelernten für eine Nachqualifizierung und mit Unternehmen zur Erfassung des betrieblichen Bedarfs zum Nachholen von Berufsabschlüssen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geführt und dokumentiert. Weiterhin wurden Fragebögen für die Bedarfserfassung zusätzlicher Module für Migrantinnen und Migranten erarbeitet und in einem ersten Versuch mit Erfolg erprobt.

Beratung: Mittlerweile betreuen wir 44 An- und Ungelernte. Dabei werden individuelle Planungen für die Nachqualifizierungen erstellt. Diese Personen werden sehr individuell von unseren Berufscoaches begleitet. In diesem Jahr verzeichnen wir den ersten erfolgreichen Berufsabschluss eines Teilnehmers.

Dokumentation: Für eine einheitliche Dokumentation wurden die Fragebögen für An- und Ungelernte sowie für Unternehmen überarbeitet. Weiterhin nutzen wir unser anna-Logbuch sowie die durch das hauseigene Qualitätsmanagementsystem vorgeschriebenen Gesprächsprotokolle. Wichtige Informationen werden in den wöchentlichen Teamsitzungen besprochen und in Protokollen festgehalten.

Öffentlichkeitsarbeit: Der Internetauftritt unseres Projektes wird stetig aktualisiert und verbessert. Die erarbeiteten Flyer werden regelmäßig verteilt. Fremdsprachige Flyer in Russisch und Englisch haben wir vorbereitet. Bei großen Veranstaltungen mit unserer Zielgruppe ist das Team vertreten, wie zum Beispiel auf der Bundeswehrmesse in Torgelow oder beim Jobshopping im Elisenpark Greifswald. Um weitere visuelle Anreize zu schaffen, wurden im Jahr 2011 Kugelschreiber, eine Mappe für Infomaterial und Schreibblöcke in Auftrag gegeben und stehen uns ab Januar 2012 für unsere Netzwerkarbeit zur Verfügung.

Transfer: Wir halten engen Kontakt zu anderen Projekten der Region, vor allem im NQ-Netz-MV (Nachqualifizierungsnetzwerk der Projekte zur modularen Nachqualifizierung in Mecklenburg-Vorpommern). Regelmäßige Treffen, aber auch Einzelgespräche zählen dazu. Weiterhin nutzen wir natürlich unser Netzwerk und Veranstaltungen in unserem Haus, um über das Programm und unser Projekt zu berichten.

 

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung