Altenpflege
Hannover und Ludwigshafen - Servicestellen Nachqualifizierung Altenpflege für Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


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Für Niedersachsen:

INBAS GmbH
Büro Berlin
Alt-Moabit 59-61

INBAS GmbH
Büro Nord
Kieler Straße 103
22769 Hamburg

Für Rheinland-Pfalz:

INBAS GmbH
Herrnstraße 53
63065 Offenbach/Main

www.nachqualifizierung-altenpflege.de

 


Die Bevölkerungsentwicklung in der jüngsten Vergangenheit und in der Zukunft ist geprägt von einer steigenden Lebenserwartung und der daraus resultierenden Zunahme der Zahl hochaltriger Menschen. Dadurch wird die Anzahl der Personen mit Pflegebedarf in der nächsten Zukunft kontinuierlich (weiter) wachsen. Nach Berechnungen der Statistischen Ämter wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von derzeit knapp 2 Millionen auf 3 Millionen in 2030 erhöhen. Der steigende Pflegebedarf zieht wiederum einen höheren Fachkräftebedarf nach sich: Allein für den Zeitraum von 2001 bis 2007 stieg die Anzahl an Fachkräften in der Altenpflege um 43 % von 125.000 auf 179.000. Erwartet wird bis 2050 ein Mehrbedarf von 500.000 Pflegefachkräften.

Damit ist die Pflegebranche ein Wachstumsmarkt, der Fachkräften auch in Zukunft sehr gute Beschäftigungschancen bietet. Die Potenziale des Pflegemarktes werden im Projekt genutzt, um die Nachqualifizierung in der Altenpflege in zwei Bundesländern zu etablieren.

In Niedersachsen und Rheinland-Pfalz soll die Nachqualifizierung in der Altenpflege regional erprobt und eingeführt werden: In Niedersachsen startet die Nachqualifizierung in der Region Hannover, in Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen.   

Ziel des Projekts ist es, in den ausgewählten Regionen von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz die abschlussorientierte betriebliche Nachqualifizierung in der Altenpflege zu erproben und zu etablieren, zur Verringerung des Anteils von An- und Ungelernten beizutragen und damit einen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs in der Pflege in der jeweiligen Region zu leisten.

Zur Erreichung des genannten Ziels streben wir an:

  • Die Entwicklung von Konzepten zur Umsetzung einer Nachqualifizierung in der Altenpflege.

  • Die Vernetzung mit den relevanten strategischen und operativen Partnern der Region und die Entwicklung tragfähiger Kommunikations- und Kooperationsstrukturen.

  • Die Entwicklung und Verankerung eines zielgruppenspezifischen Informations-, Beratungs- und Fortbildungsangebots, verknüpft mit bestehenden Angeboten.

  • Die Unterstützung des Auf- und Ausbaus bedarfsgerechter Nachqualifizierungsangebote in der Altenpflege.

  • Durch eine geeignete Öffentlichkeitsarbeit sollen Akteure und Adressaten der Nachqualifizierung in der Altenpflege sensibilisiert und zur Wahrnehmung bzw. Nutzung der entwickelten Angebote angeregt werden.  

Ein NQ-Projekt in der Altenpflege steht vor anderen Voraussetzungen als bisherige NQ-Projekte. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Altenpflegeausbildung nicht in den Kontext der Berufe nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder der Handwerksordnung (HWO) einbezogen ist, sondern auf einer eigenständigen gesetzlichen Grundlage basiert, dem Altenpflegegesetz (AltPflG). Dieses wiederum enthält keine explizite Regelung zur Nachqualifizierung für An- und Ungelernte, wie sie das BBiG und die HWO vorsehen. Das bedeutet, dass die Altenpflege in der Nachqualifizierung andere Wege gehen muss. Zudem ist die Altenpflegeausbildung eine junge Ausbildung (das Bundesgesetz gilt seit 2003). Unter anderem deshalb liegen für die Altenpflegeausbildung keine Erfahrungen - etwa aus Modellversuchen zur Nachqualifizierung oder aus der Benachteiligtenförderung - vor.

Ein Nachqualifizierungs-Projekt in der Altenpflege ist in hohem Maße ein Strukturentwicklungsprojekt. Es ist erforderlich, Konzepte der Nachqualifizierung an die Strtukturen der Altenpflege(ausbildung) anzupassen und geeignete Rahmenbedingungen für die Nachqualifizierung in der Pflege zu identifizieren und diese gemeinsam mit den Entscheidungsträgern in den Bundesländern zu entwickeln und letztlich umzusetzen.

Kompetenzbilanzierung / Auswahlverfahren

Ziel der Kompetenzbilanzierung in Rheinland-Pfalz ist es, informell erworbene Kompetenzen abzubilden, welche die Hilfskräfte im Laufe ihrer praktischen Tätigkeit in der Altenhilfe erworben haben. Die Kompetenzbilanzierung besteht aus je einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil. Eine erfolgreiche Teilnahme an der Kompetenzbilanzierung ist eine zentrale Voraussetzung für die Verkürzung der Ausbildungszeit zur Altenpflegefachkraft auf zwei Jahre.

Um die Eignung der Bewerber und Bewerberinnen für eine auf zwei Jahre verkürzte berufsbegleitende Nachqualifizierung festzustellen, ist in Niedersachsen in enger Kooperation mit der Altenpflegeschule und in Abstimmung mit der Niedersächsischen Landesschulbehörde ein entsprechendes Auswahlverfahren entwickelt worden. Die rechtliche Grundlage dafür bildet das sogenannte Protokollierte Beratungsgespräch gemäß Niedersächsischer Verordnung über berufsbildende Schulen (BbS-VO) § 3 Abs. 11 der Anlage 4 und § 3 Abs. 13 der Anlage 8 zu § 33 BbS-VO vom 10.06.2009. Das Auswahlverfahren besteht aus vier Teilen: einem Gespräch, einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil.

Ergebnisse

Ergebnisse

Das Projekt der INBAS GmbH "Servicestellen Nachqualifizierung Altenpflege Niedersachsen und Rheinland-Pfalz" war eines von drei Projekten, die sich im Programm "Perspektive Berufsabschluss" der Nachqualifizierung im Bereich der Altenpflege widmeten. Die modellhafte Umsetzung des Konzepts erfolgte in Niedersachsen in der Region Hannover und in einem zweiten Schritt in der ländlich strukturierten Region Osterholz-Scharmbeck, in Rheinland-Pfalz im Großraum Ludwigshafen. Das Projekt wies sich durch besonders innovativen Charakter aus und entwickelte bereits sehr frühzeitig Instrumente und Konzepte zur strategischen Verankerung von Nachqualifizierung auf Landesebene. Die Altenpflege ist seit 2003 mit dem Altenpflegegesetz (AltPflG) zwar bundeseinheitlich geregelt, die Umsetzung der Ausbildung ist jedoch Ländersache.
Im Bereich der Altenpflege gab es bei Programmstart keine Nachqualifizierung bezogene Standards. Die Möglichkeit der Externenprüfung ist nicht wie im Bereich des Handwerks, der Industrieberufe und des Handels (BBiG, HwO) gegeben. Das Projekt musste aufgrund der Länderzuständigkeit für die Pflegeausbildung zwei zum Teil unterschiedliche Umsetzungsstrategien verfolgen, um den Vorgaben in Rheinland-Pfalz bzw. in Niedersachsen zu entsprechen und die Chancen der nachhaltigen Konzeptverankerung zu sichern. Folgende Ergebnisse sind aus bildungspolitischer Sicht und als Beitrag zur Erreichung der Programmziele des BMBF von besonderer Relevanz:
* Übertragung und Nutzbarmachung von Konzepten, Instrumenten und Vorgehensweisen der betrieblichen Nachqualifizierung auf den Bereich der Altenpflege.
* Erarbeitung und erfolgreiche Erprobung von Angeboten zur Nachqualifizierung in der Altenpflege. Hierzu gehören ein Kompetenzbilanzierungsverfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen und die Entwicklung und Umsetzung spezieller NQ-Curricula.
* Identifizieren und Implementieren von Strukturen und Organisationsformen zur nachhaltigen Verankerung von Nachqualifizierung in der Altenpflege.

Fazit

Das Projekt hat in den beiden Ländern, in denen es aktiv war, eine Basis geschaffen, um die durch die Novellierung des Altenpflegegesetzes im Jahr 2013 geschaffenen Möglichkeiten (§ 7 / Ausbildungsverkürzung) umfassend zu nutzen.
Mit der Entwicklung bedarfsorientierter Instrumente und Angebote und der Gestaltung von Nachqualifizierungsstrukturen unter Beachtung der Länderzuständigkeiten hat das Projekt in beispielhafter Weise einen innovativen Beitrag geleistet.
Die Anschlussfähigkeit ist gegeben durch:
* Die Fachkräfte- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege greift auf Bundesebene das Thema Nachqualifizierung auf. Auch bei der Fachkräfte-Initiative Altenpflege Rheinland-Pfalz sowie beim Pflegepakt für Niedersachsen finden die vom Projekt entwickelten innovativen Ansätze Berücksichtigung.
* Bei dem im Jahr 2013 geänderten Altenpflegegesetz wurde auf Erfahrungen des Projekts zurückgegriffen; die neuen gesetzlichen Vorgaben erweitern die Nutzungsmöglichkeiten der bereitstehenden Instrumente.
* Nachqualifizierungskonzepte sind in den Modellregionen in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen nachhaltig verankert und werden als ein wichtiges Instrument der Fachkräftegewinnung begriffen; die Möglichkeit der weiteren Nutzung und Fortentwicklung der Konzepte ist gegeben.

NQ-Kurse in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz

Im Februar 2012 startete der NQ-Kurs Altenpflegehilfe in Ludwigshafen. Die Qualifizierung fand bei einem Bildungsträger statt, dauerte sechs Monate und schloss mit der Nichtschülerprüfung (landesrechtliche Regelung) ab, die durch eine staatliche Altenpflegeschule abgenommen wurde.
Im August 2012 startete der NQ-Kurs Altenpflege in Ludwigshafen. Der Kurs findet an der staatlich anerkannten Caritas Fachschule für Altenpflege statt und dauert zwei Jahre. Er schließt mit dem Examen als Altenpfleger/in ab. Auch bei diesem Kurs erhalten die Hilfskräfte weiterhin ihr reguläres Gehalt und die Pflegeeinrichtungen können eine Förderung (Arbeitsentgeltzuschuss) durch die Agentur für Arbeit im Rahmen des Programms WeGebAU erhalten.

Im November 2012 startete an der Berufsfachschule für Altenpflege des Instituts für Berufs- und Sozialpädagogik (ibs) e.V. in Osterholz-Scharmbeck der zweite Nachqualifizierungskurs in Niedersachsen, der in zwei Jahren zum Berufsabschluss „Altenpfleger/in“ führt. Dort wird erprobt, wie sich die berufliche Nachqualifizierung in einer ländlichen Region umsetzen lässt.

Kompetenzbilanzierung / Auswahlverfahren

Die erste Erprobung der Kompetenzbilanzierung in Rheinland-Pfalz fand im Mai und Juni 2012 in Ludwigshafen statt.
Die zweite Erprobung des Auswahlverfahrens in Niedersachsen fand zwischen August und November 2012 für die Region Osterholz-Scharmbeck statt.

Befragung der Pflegeeinrichtungen

Zu Beginn des Projektes, im Februar 2011, haben wir bereits eine Befragung bei allen ambulanten Diensten und (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen in Ludwigshafen durchgeführt.
Mit einer zweiten Erhebung – Ende des Jahres – soll erfasst werden, inwieweit in den Pflegeeinrichtungen potenzielle Teilnehmende für eine Nachqualifizierung tätig sind. Außerdem sollen hemmende und fördernde Faktoren für die Teilnahme an einer Nachqualifizierung identifiziert werden. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Evaluation der bisherigen Angebote. Befragt werden alle ambulanten Dienste und (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen in den Modellregionen in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.
In einem zweiten Schritt werden auch die Teilnehmenden der laufenden und abgeschlossenen Kurse befragt.
Die Ergebnisse werden in die Entscheidungen zum Transfer der Angebote in andere Regionen von Rheinland-Pfalz und zur Nachhaltigkeit des Nachqualifizierungsangebots in der Region Ludwigshafen einfließen.

Bedarfserhebung

Um die Entwicklung von Nachqualifizierungsangeboten an den tatsächlichen Bedarfen in den Betrieben auszurichten, wurde eine schriftliche Befragung bei allen ambulanten Diensten und stationären Pflegeeinrichtungen in der Region Hannover und der Region Ludwigshafen durchgeführt.
• Dabei standen unter anderem folgende Aspekte im Mittelpunkt:
• Entwicklung des Personalbedarfs in den nächsten drei Jahren,
• Interesse und Beschäftigtenpotenzial der Pflegeeinrichtungen für eine abschlussbezogene Nachqualifizierung,
• Zusammensetzung der Gruppe der Pflegehilfskräfte / Hilfskräfte in der Pflege.
Circa 50% der Pflegeeinrichtungen in der Region Ludwigshafen und 62,4% der Pflegeeinrichtungen der Region Hannover haben sich an der Befragung beteiligt. Das Nachqualifizierungspotenzial wird von den Betrieben insgesamt hoch eingeschätzt: mehr als die Hälfte der Betriebe in der Region Ludwigshafen und zwei Drittel der befragten Betriebe in der Region Hannover beschäftigen Hilfskräfte, die nach ihrer Einschätzung ggf. für eine Nachqualifizierung in Frage kommen.

NQ-Kurse in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz

Im November 2011 hat der erste zweijährige berufsbegleitende Nachqualifizierungskurs am Birkenhof Bildungszentrum in Hannover begonnen. Der Kurs startete mit 24 Teilnehmenden aus 21 unterschiedlichen stationären und ambulanten Altenpflegeeinrichtungen der Region Hannover.
Die Kurse in Rheinland-Pfalz beginnen 2012.

Kompetenzbilanzierung / Auswahlverfahren

Die erste Erprobung des Auswahlverfahrens in Niedersachsen fand zwischen Juni und November 2011 in Hannover statt.

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung