Handwerkskammer der Pfalz
KIB - Kompetenzen im Beruf, Region Pfalz, Rheinland-Pfalz, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

Handwerkskammer der Pfalz
Am Altenhof 15
67655 Kaiserslautern

www.nachqualifizierung-pfalz.de

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist die Sicherung des Fachkräftenachwuchses für das pfälzische Handwerk zu einer zentralen Herausforderung geworden. Gerade in den Bereichen Metall, Elektro und auch im Bau- und Ausbaubereich werden aufgrund der wieder anziehenden Konjunktur Fachkräfte gesucht.

Im Kammerbezirk Pfalz haben im Handwerk in den Jahren 2007-2009 insgesamt 25 Personen an der Externenprüfung teilgenommen, bei der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz insgesamt 182. Die geringen Zahlen zeigen, dass eine dauerhafte Implementierung der modularen Nachqualifizierung als Instrument zur Fachkräftesicherung große Chancen für Betriebe bietet, den Fachkräftemangel abzubauen und An- und Ungelernte in den Arbeitsmarkt dauerhaft zu integrieren.

Die Arbeitslosenzahlen von Januar 2009 bis Juni 2010 im Kammerbezirk Pfalz zeigten, dass nahezu die Hälfte der gemeldeten Personen keine abgeschlossene Berufsausbildung hatte. Bei den Migranten/innen sogar drei Viertel.

Durch die abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung wird sich im Kammerbezirk Pfalz ein weiterer Weg entwickeln, einen Berufsabschluss zu erlangen. Betriebe sowie An- und Ungelernte sollen vorhandene Potenziale erkennen und auf dem Weg zur Erlangung eines Berufsabschlusses unterstützt werden. Ziel der Maßnahme ist eine bedeutende Verringerung des Anteils von An- und Ungelernten, insbesondere auch bei Menschen mit Migrationshintergrund.

Von besonderer Bedeutung ist hier das zu erwartende Gesetz zur Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen. Geeignete Fördermöglichkeiten müssen gefunden, genutzt und entwickelt werden.

Um Nachqualifizierung zum Regelangebot zu machen, werden Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für Betriebe aufgebaut und für an- und ungelernte junge Erwachsene bereitgestellt. Vorstellbar wäre die Einrichtung einer eigenen Servicestelle zur abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung bei der Handwerkskammer, um während und auch nach Projektende die Beratungsleistung aufrecht zu erhalten.

Durch eine breit gestreute Öffentlichkeitsarbeit werden die Möglichkeiten der Nachqualifizierung kommuniziert. Es werden Materialien erstellt, die anlässlich von Schulungen und Informationsveranstaltungen weitergegeben werden, um so das Projekt einem großen Personenkreis bekannt zu machen und über das Projektende hinaus als Standardangebot fortbestehen zu lassen.

Vorhandene Strukturen werden vertieft und über das entwickelte Netzwerk noch verbessert werden. Anhand eines Fragebogens, der den Betrieben zugestellt wird (per Mail und/oder per Post), werden Betriebe auf das Projekt aufmerksam gemacht und um Angaben zur Personalstruktur und -entwicklung, die die Qualifizierung An- und Ungelernter betreffen, gebeten.

Durch telefonische und persönliche Kontakte erfolgt dann eine Bedarfs- und Angebotsanalyse für die Qualifizierung. Über das Netzwerk werden maßgeschneiderte Nachqualifizierungskonzepte mit den Betrieben für die in Frage kommenden Berufe entwickelt. Die Konzepte werden so gestaltet, dass sie in der Praxis angewendet werden können und sich in die Firmenstruktur integrieren lassen.

Zur Finanzierung der Nachqualifizierungsangebote wird auf bestehende Regelinstrumentarien zugegriffen. Abgeschlossene Module werden durch Zertifikate bescheinigt und in einem Qualifizierungspass dokumentiert.

Die Kooperationspartner dienen als zusätzliche Multiplikatoren und werden in die Beratungsangebote für Betriebe bzw. erwerbslose An- und Ungelernte mit einbezogen. Arbeitskreise werden je nach Bedarf mit unterschiedlichen Akteuren des Netzwerkes gebildet. Ein Lenkungskreis bespricht die Ergebnisse und wertet sie entsprechend aus.

Ergebnisse

Ergebnisse

Das Vorhaben "KIB - Kompetenzen im Beruf" der Handwerkskammer der Pfalz mit Sitz in Kaiserslautern hatte zum übergeordneten Ziel, die abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung als Regelangebot zur Fachkräftesicherung im Handwerkskammerbezirk zu Implementieren. Der Kammerbezirk ist deckungsgleich mit den Arbeitsagenturbezirken Kaiserslautern-Pirmasens, Ludwigshafen und Landau. Die vorliegenden Ergebnisse belegen, dass dieses Ziel erreicht wurde und das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Förderziele des BMBF-Programms leistete:
* Aufbau eines NQ-Netzwerkes "Nachqualifizierung in der Region Pfalz (NQ Pfalz)" in Kooperation mit den Agenturen für Arbeit, den Jobcentern, regionalen Bildungsträgern, Wohlfahrtsverbänden und Migrantenorganisationen; Basis der Zusammenarbeit bildeten Kooperationsvereinbarungen, in denen Ziele, Grundsätze der gemeinsamen Arbeit, die Strategien des Netzwerk internen Ergebnistransfers und der Prozess des Erfahrungsaustauschs festgelegt wurden.
* Mitarbeit des KIB auch in anderen Netzwerken, um das Vorhabenthema in weitergehende Strukturen einzubringen.
* Aufbau einer Koordinierungs- und Beratungsstelle bei der HWK zu den Themen Fachkräftemangel und Möglichkeiten des Nachholens eines Berufsabschlusses.
* Zusammenfassung und transparente Darstellung des regional bestehenden abschlussorientierte Qualifizierungsangebots über Datenbanken.
* Beschreibung von Finanzierungsmodellen und deren Präsentation auf der Projekthomepage; die Modelle dienten auch als Grundlage für die Beratung.
* Entwicklung zielgruppenspezifischer modularer Qualifizierungs- und Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung; Zertifizierung der Maßnahmen nach den einschlägigen Vorgaben der Instanzen der Regelförderung.
* Umsetzung bzw. Initiierung der Durchführung von Maßnahmen.
* Entwicklung eines Kompetenzfeststellungsverfahrens zur Analyse der beruflichen Handlungsfähigkeit auf der Basis von Ausbildungsordnungen.
* Eine auf spezifische Zielgruppen mit unterschiedlichen Bedarfslagen zielende Öffentlichkeitsarbeit.

Fazit

Initiiert durch die Projektarbeit erhöhte sich regional die Nutzung der Nachqualifizierungsangebote; insbesondere zu Projektende zeigte sich wachsendes Interesse an diesem Instrument für die Deckung des Fachkräftebedarfs in der Region.
Sichergestellt ist die weitere Zusammenarbeit der regionalen Netzwerkakteure; Angebote werden vorhalten und bei Bedarf neue entwickelt.
Die modular gestalteten, zertifizierten, individuell nutzbaren und gut in Firmenstrukturen integrierbaren Nachqualifizierungskonzepte werden auch weiterhin pfalzweit beworben und eingesetzt.
Die Beratungsstrukturen wurden durch das Vorhaben so gestaltet, dass auch zukünftig in der Region die erforderlichen Beratungskompetenzen umfassend zur Verfügung stehen. Die Qualifizierungsberater der HWK werden als zentrale Ansprechpartner fungieren. Mit der Einrichtung einer NQ-Fachstelle bei der HWK wird das Thema Nachqualifizierung regional aufgewertet.
Für das entwickelte Kompetenzfeststellungsverfahren als Basis der individuellen Nachqualifizierungsplanung besteht mittlerweile die Möglichkeit der Förderung durch die Agenturen für Arbeit und die JobCenter; Mittel aus dem Vermittlungsbudget können hierfür genutzt werden.
Bei der Qualifikationsanalyse zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse nach BQFG wird das bereitstehende Instrumentarium genutzt. Entsprechende Absprachen der HWK mit der BQFG-Beratungsstelle wurden getroffen.

Beratungsleistungen für Unternehmen

Wir haben die Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen, sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Nachqualifizierung erfolgreich fortgesetzt und weiter intensiviert. Durch die zum größten Teil persönliche Beratung vor Ort konnte ein positives Image zum Thema aufgebaut werden, sodass wir bei Bedarf die erste Anlaufstelle sind und durch erfolgreiches „Network Marketing“ auch von anderen Institutionen weiterempfohlen werden. So nahmen auch Betriebe aus Baden-Württemberg und dem Saarland Kontakt mit uns auf. Im Jahr 2012 haben wir insgesamt 997 Betriebe beraten, davon 848 vor Ort.

Beratungsleistungen für An- und Ungelernte bzw. Geringqualifizierte

Unsere Netzwerkpartner und -partnerinnen kennen und schätzen unser Beratungsangebot und fungieren als Multiplikatoren. So verweisen sie Interessierte der Zielgruppe an unser Projekt zur Erstberatung. 2012 haben wir 186 interessierte Personen beraten, sie kamen aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg.

Erfolge

2012 wurden sieben Personen erfolgreich individuell nachqualifiziert und haben in folgenden Berufen die Externenprüfung bestanden:
- KFZ Mechatroniker/in
- Metallbauer/in
- Stuckateur/in
- Bürokaufmann/frau
- Fachverkäufer/in Lebensmittelhandwerk/Bäckerei

Besonders hervor zu heben ist, dass eine Absolventin im Berufsbild Bürokauffrau Landessiegerin in Rheinland-Pfalz im praktischen Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks wurde. Daneben ergriff ein Stuckateur nach seinen besonders guten Leistungen in der Externenprüfung die Chance, sich direkt für den einjährigen Meisterkurs anzumelden.

Acht Personen starteten mit Vorbereitungskursen auf die Externenprüfung folgenden Berufen:
- Friseur/in
- Feinwerkmechaniker/in
- Tischler/in
- Straßenbauer/in
- Maurer/in
- KFZ Servicemechaniker/in
- Dachdecker/in

Auf- und Ausbau des Nachqualifizierungsangebotes

Wir haben in Kooperation mit den Berufsbildungs- und Technologiezentren der Handwerkskammer der Pfalz verschiedene Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung im Handwerk aufgebaut und verankert. Die Kurse werden ganz individuell auf die Teilnehmenden und deren vorhandene Kenntnisse und Fertigkeiten abgestimmt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Kurse ab einem Teilnehmer bzw. einer Teilnehmerin möglich sind.
Zurzeit werden Kurse in folgenden Berufen angeboten:
- Bau (Maurer/-in und Stuckateur/-in)
- Feinwerkmechaniker/-in
- Metallbauer/-in
- KFZ-Mechatroniker/-in und KFZ-Servicemechaniker/-in
- Körperpflege (Friseur/-in und Kosmetiker/-in)
Ein weiterer Vorbereitungskurs zum/zur Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (Bäckerei) wird ab zehn Teilnehmenden angeboten.
Des Weiteren hat auf unsere Initiative hin das Bildungs-Zentrum Thilo Müller in Ludwigshafen ein vielfältiges Kursangebot zur Vorbereitung auf die Externenprüfung in sein Portfolio aufgenommen. Hier werden die Berufsbereiche Bau, Holz und Metall angeboten. Auch diese Kurse werden ab einem Teilnehmer bzw. einer Teilnehmerin durchgeführt.

Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeitsstrategie

Projekt- und budgetbedingt ist Werbung in öffentlichen Medien nur temporär und verschwindet wieder recht schnell aus dem Blickfeld der Zielgruppen. Wir haben unsere Öffentlichkeitsarbeit im Blick auf die Nachhaltigkeit dahin forciert, in den Gremien von Kommunen, Fachverbänden und sozialen Einrichtungen effektiv mitzuarbeiten. So haben wir beispielweise sehr engagiert am Integrationskonzept der Stadt Kaiserslautern mitgearbeitet und unsere entwickelten Instrumente einfliesen lassen. Während der Projektlaufzeit setzen wir mehrsprachige Flyer, Informationsmaterial und Rolldisplays zur Bekanntmachung ein, sowie Presseartikel in regionalen Zeitungen über Good-Practice Beispiele. Unsere Homepage www.nachqualifizierung-pfalz.de haben wir weiterentwickelt. Sie bietet nützliche Informationen und Tipps rund um das Thema Nachqualifizierung und Links zu unseren Kooperationspartnern.

Das Projekt startete Ende 2010. Zunächst wurden wichtige Arbeitsmarktakteure, Wirtschaftsverbände, kommunale Einrichtungen, Bildungsdienstleister, Migrantenorganisationen oder sonstige Institutionen mit Themenbezug informiert und um eine Zusammenarbeit geworben. Bereits Ende 2010 / Anfang 2011 haben sich alle relevanten Netzwerkpartner in einer Auftaktveranstaltung zusammengefunden, um eine gemeinsame Vorgehensweise zu diskutieren und vorzubereiten.

Die wesentliche Projektarbeit - Netzwerkpartner suchen, sensibilisieren und zur Kooperation motivieren, am Markt etablierte NQ-Angebote ausfindig machen, Bedürfnisse an NQ durch neue Angebote decken - wurde von Projektbeginn an forciert und steht aktuell auf einem soliden Fundament. Alle vier Arbeitsagenturen der Projektregion, die Jobcenter, mehrere kommunale Einrichtungen, Migrantenbeiräte inklusive deren Dachorganisation (AGARP), sonstige Migrantenorganisationen, regionale Wirtschaftsverbände, Innungen und Kreishandwerkerschaften wie auch viele berufsbildenden Schulen im Kammerbezirk und regionale Bildungsträger (CJD, DEKRA, AAW, etc.) nehmen an den regelmäßigen Treffen und Fachtagungen teil und unterstützen die Arbeit in der Nachqualifizierung. Das Thema ist sehr präsent und wird aktiv von den Netzwerkpartnern beworben.

Gleichzeitig wurden und werden weiterhin Bedarfe in speziellen Berufsbranchen analysiert, ausgewertet und auf diesen Ergebnissen aufbauend eigene NQ-Konzepte ausgearbeitet, falls auf dem Markt noch keine existieren. Unter die bereits analysierten Handwerksbranchen fallen der Baubereich sowie das Bäckerhandwerk inklusive dem Fachverkauf im Lebensmittelhandwerk. Im letzten Fall entwickeln die Projektmitarbeiter und Projektmitarbeiterinnen aktuell mit relevanten Netzwerkpartnern gemeinsam ein NQ-Konzept inklusive bestehender Förderinstrumente für ungelernte Beschäftigte sowie für Arbeitslose, das bis Mitte 2012 umgesetzt wird.

 

Ebenfalls Ende 2010 / Anfang 2011 wurden öffentlichkeitswirksame Materialien, Fragebögen, Informationsbroschüren erstellt und die Presse informiert. Die Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter nehmen aktiv an vielen regional wie auch überregional wirksamen Messen zum Thema teil. Die neue Projekthomepage www.nachqualifizierung-pfalz.de ist im Oktober 2011 an den Start gegangen. Hier finden Interessierte alle Informationen rund um den Themenbereich Nachqualifizierung, Externenprüfung und als Spezialangebot auch viele Informationen und externe Links zum kommenden Anerkennungsgesetz.

 

Bis Ende 2011 wurden bereits weit mehr als 100 Beratungsgespräche mit Personen aus der Zielgruppe geführt, die sich momentan überwiegend in Voll- oder Teilzeitkursen auf eine Externenprüfung vorbereiten oder in ein Umschulungsverhältnis vermittelt wurden. Ein Hauptaugenmerk unserer Netzwerkarbeit besteht in der Sensibilisierung der regionalen Betriebe, von denen über 250 von den Projektmitarbeitern und Projektmitarbeiterinnen bereits angesprochen und zum Thema sensibilisiert wurden. Einige Vor-Ort-Beratungen finden gemeinsam mit Beratern der Arbeitsagenturen statt.

Projekt­darstellungen

  • Einladungsflyer zur Fachtagung am 19.03.2013

    [PDF - 143,0 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Kaiserslautern_KIB_Einladungsflyer_03_2013.pdf)

  • Projektflyer russisch

    [PDF - 215,8 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Kaiserslautern_Flyer_KIB_2012_Rus.pdf)

  • Projektflyer türkisch

    [PDF - 195,1 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Kaiserslautern_Flyer_KIB_tuerkisch_08_2011.pdf)

  • Roll Up zum Projekt

    [PDF - 3,89 MB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Kaiserslautern_KIB_Roll_Up_2_Layout_1_1.pdf)

  • Projektflyer

    [PDF - 114,9 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Kaiserslautern_Flyer_KIB_02_2012_2.pdf)

Arbeits­materialien

 
Förderung
Durchführung