Gießen - Lahn-Dill
Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill, Hessen, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

Nicole Brinkmann
ZAUG gGmbH
Kiesweg 31
35396 Gießen

Tel.: 06 41 - 9 52 25 39
Fax: 06 41 - 5 15 94
E-Mail: nachqualifizierung@zaug.de

www.nachqualifizierung-mittelhessen.de



In der Projektregion liegen die Anteile der Arbeitslosen ohne Berufsausbildung im SGB II und im SGB III deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. So liegt deren Anteil an allen Arbeitslosen im Berichtsmonat März 2010 in Deutschland im SGB III bei 22,8 % und im SGB II bei 45,8 %. Im Kreis Gießen liegen die Vergleichswerte für das SGB III bei 27,4 % und für das SGB II bei 63,1 %. Im Lahn-Dill-Kreis betragen diese Werte für das SGB III: 29,4 %  und für das SGB II: 61,7 %.

Auch der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist in der Projektregion deutlich höher als im Bundesvergleich. Im Juni 2009 lag deren Anteil in Deutschland bei rund 14 %. Im Vergleichsmonat verfügten im Lahn-Dill-Kreis 18,8 % und im Landkreis Gießen 16,9 % sozialversicherungspflichtig Beschäftigte über keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Sechs Berufsgruppen ragen mit einer hohen Zahl An- und Ungelernter im Landkreis Gießen und im Lahn-Dill-Kreis hervor: Bürofach- und Bürohilfskräfte, Warenkaufleute, Reinigungsberufe, Montierer und Metallberufe, Lagertätigkeiten und die Gesundheitsberufe, wie z.B. Erzieherinnen, Altenhilfe und Altenpflege. Aus diesen Zahlen ist erkennbar, dass Frauen in diesen Berufsgruppen eine große Problemgruppe darstellen. Erfahrungsgemäß befindet sich in diesen Berufsgruppen auch ein relativ hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund.

Trotz der hohen Zahl an Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung gibt es in der Region nur ein geringes Informations- und Beratungsangebot. Für Arbeitslose ohne abgeschlossene Berufsausbildung wird aktuell nur eine Maßnahme zur abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung angeboten: das Projekt „Gießener Weg“. Qualifizierte Informationsmöglichkeiten und konkrete, passgenaue Angebote zur Nachqualifizierung werden für Beschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung gar nicht angeboten.

Aufgrund der oben dargestellten Situationsanalyse ergeben sich für das Projektvorhaben folgende Ziele, die einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem regionalen Status quo in den Landkreisen Gießen und Lahn-Dill sowie im Hinblick auf die Programmziele darstellen:

  • Sensibilisierung von Unternehmen, Arbeitslosen und Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Bildungsträgern und Multiplikatoren für abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung.
  • Verringerung der Zahl Beschäftigter und Arbeitsloser ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Zielgruppen, zur Deckung des Fachkräftebedarfs regionaler Unternehmen.
  • Bessere Nutzung vorhandener Ressourcen für die Nachqualifizierung und berufsbezogene Weiterbildung in der Projektregion sowie zielgerichtete Erweiterung der Nachqualifizierungsangebote für Betriebe, Beschäftigte und erwerbslose Personen.
  • Aufbau einer nachhaltigen Beratungs- und Servicestruktur zur langfristigen Etablierung in der Region.

Die Einbeziehung der relevanten Akteure bereits in der Antragsphase hat vorhandene Widerstände gegen den Weg der abschlussorientierten Nachqualifizierung abgebaut. Das Projekt entwickelt neue abschlussorientierte Nachqualifizierungsmodule, die sich am regionalen Bedarf orientieren.

Die (fehlenden) Begleitangebote werden in Kooperation mit Betrieben, Kammern und den regionalen Weiterbildungsträgern geplant und aufgebaut.  Diese Angebote entsprechen somit den ermittelten Bedarfen und haben deswegen gute Erfolgsaussichten, zu Standardangeboten des „Lebenslangen Lernens“ in der Region zu werden.

Die Auswahl der Kooperationspartnerinnen und -partner garantiert in Kombination mit dem dezentralen Ansatz in den beiden Flächenkreisen (Nachqualifizierungslotsen, Zusammenarbeit mit den Qualifizierungsbeauftragten und den Gewerbevereinen in den Kommunen) einen hohen Bekanntheitsgrad bereits im Projektverlauf. Durch diese Partnerinnen und Partner mit ihrem hohen Wirkungsgrad in die jeweiligen Organisationen hinein wird Fachöffentlichkeit und Wissenstransfer erreicht.

Die beteiligten Betriebe und die dezentral eingesetzten Nachqualifizierungslotsen sind auch über die Projektdauer hinaus „Botschafter“ für den Weg der abschlussorientierten Nachqualifizierung. Die Angebote der Weiterbildungsträger werden nach der Erprobung auch den Weg in andere Regionen finden, die so von der Entwicklungsarbeit im Projekt profitieren.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Zielrealisierung stellt der Aufbau einer Kooperationsstruktur dar, in der die Kompetenzen und Ressourcen von Entscheidern, Multiplikatoren und Bildungsanbietern eingebunden sind, um einen Qualitätsverbund für abschlussbezogene modulare Nachqualifizierung zu entwickeln. Die Zusammenarbeit wird folgende Struktur mit folgenden Hauptaufgaben haben: ein Gesamtnetzwerk zur Sensibilisierung regionaler Akteure, eine Steuerungsgruppe zur strategischen Gesamtausrichtung, ein Fachbeirat zur operativen Steuerung des Projektes und  Arbeitsgruppen zur bedarfsorientierten Aufgabenbearbeitung.

 

Ergebnisse

Ergebnisse

Das Vorhaben hat einen überzeugenden Beitrag zur Erreichung der förderpolitischen Ziele des BMBF-Programms "Perspektive Berufsabschluss" geleistet. Es zeichnete sich durch hohe Innovationsleistung, ein an den regionalen Gegebenheiten orientierten Pragmatismus, eine sehr gute Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit und die bemerkenswert erfolgreiche Kooperation mit Unternehmen aus. Aufgrund des beispielgebenden Vorgehens, wurden die Vorhabenverantwortlichen als Repräsentanten des vom Programm favorisierten Nachqualifizierungskonzepts mehrmals als Referenten zu übergreifenden Tagungen eingeladen - unter anderem zur Programmabschlussveranstaltung und zur im Jahr 2014 durchgeführten Fachtagung der Bundesagentur für Arbeit "Perspektiven für junge Erwachsene ohne Berufsabschluss".
Folgende Ergebnisse trugen zur Erreichung der förderpolitischen Ziele des BMBF bei:
* Beratungs- und Servicestrukturen wurden aufgebaut und bestehende Angebote optimiert.
* Nachqualifizierungsangebote wurden bedarfsgerecht in Abstimmung mit "Kunden" (Unternehmen und Un-/Angelernten), Bildungsdienstleistern, prüfungsrelevanten Institutionen (z.B. Kammern) und Einrichtungen der Regelförderung (AA, JobCenters) entwickelt, erprobt und implementiert; individuelle und betriebliche Qualifizierungsbedarfe wurden gebündelt.
* Speziell für Branchen mit besonderem Fachkräftebedarf wurden Nachqualifizierungsangebote initiiert.
* Methodisch-didaktische Arbeitsmaterialien wurden im Netzwerk entwickelt, erprobt und für den Transfer aufbereitet.
* Beratungsinstrumente wurden entwickelt und individuelle Beratungskonzepte wurden nachhaltig strukturell verankert.
* Besonders gefördert wurden Frauen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Berufsrückkehrerinnen lag.
* Ein auch für die anderen Förderprojekte des Programms beispielhaftes Marketingkonzept wurde umgesetzt, das am unterschiedlichen Bedarf der heterogenen Zielgruppen orientiert war.

Fazit

Das nachhaltige Wirken der Vorhabenarbeit ist nachweisbar belegt. Die vom Programm intendierte Optimierung der regionalen Nachqualifizierungsstrukturen wurde erreicht.
Die wissenschaftliche und wirtschaftliche Anschlussfähigkeit ist gegeben.
* Die mit dem Vorhaben kooperierenden Unternehmen wollen weiterhin betriebsbezogene Nachqualifizierungen umsetzen. Neue Maßnahmen sind bereits in der Planung bzw. Umsetzung. Der Ansatz wird auf weitere Berufe ausgedehnt.
* Das Konzept wurde im Rahmen einer Fachtagung der Bundesagentur für Arbeit (BA) nach Vorhabenende einer großen Anzahl von berufsbildungs- und arbeitsmarktpolitischen Entscheidungsträgern präsentiert. Die Hochschule der BA plant das Thema Nachqualifizierung in den Studiengang "Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement" einzubinden.
* Die ehemalige Projektleitung arbeitet auch zukünftig in dem bundesweiten Facharbeitskreis Nachqualifizierung an der Promotion des Themas mit; eine Zusammenarbeit mit der bag Arbeit e. V. ist vorgesehen.

Netzwerkarbeit

Die Netzwerkarbeit im Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill konnte mit gleichem Erfolg weiterbetrieben werden. Die Steuerungsrunde traf sich zweimal, die große Netzwerkrunde mit 22 festen Netzwerkpartnern und -partnerinnen einmal in 2012. Insbesondere in der Arbeit mit den politischen Spitzen beider Landkreise, den Qualifizierungsoffensiven, den regionalen Agenturen für Arbeit und den Jobcentern fand auch außerhalb der Netzwerktreffen in der Projektarbeit ein reger Austausch über Nachqualifizierung statt. Bei der Umsetzung von Nachqualifizierung in zwei Großunternehmen, aber auch in der Einzelberatung, zeigt sich der Vorteil dieser Netzwerkarbeit. Auf „kurzen Dienstwegen“ lassen sich Fragen schnell klären und Unklarheiten werden direkt beseitigt.
Die Kooperation mit Bildungsdienstleistern der Region wurde ausgebaut. Insgesamt neun Bildungsdienstleister entwickelten 23 Nachqualifizierungsmaßnahmen für verschiedene Zielgruppen in zwölf unterschiedlichen Berufsfeldern. Diese Bildungsdienstleister sehen in der Nachqualifizierung ein zukunftsorientiertes Geschäftsfeld und nutzen die Projektunterstützung. Einige andere Bildungsdienstleister, die formal durchaus ein gutes Angebot anbieten könnten, sehen entweder in der Nachqualifizierung kein Geschäft und/oder wissen nicht, wie sie die Nachqualifizierungs-Anfragen von einzelnen Personen umsetzen können. Das Netzwerk Nachqualifizierung forciert besonders den Perspektivwechsel der Bildungsdienstleister, weg von öffentlich geförderten Vollzeitqualifizierungen hin zu unternehmensnahen Nachqualifizierungsangeboten für Beschäftigte. Als Unterstützungsleistung wurde ein Workshop unter dem Thema „Nachqualifizierung umsetzen“ angeboten. Der zweite Teil dieser Veranstaltung stellte sehr summarisch die Elemente einer Unternehmens-Ansprache dar. Spätere Rückmeldungen machten deutlich, dass das Thema für Bildungsdienstleister, wichtig war und sie erste Ansätze zur besseren Unternehmens-Ansprache erkannt hätten.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Mitarbeit in Gremien spielt in der Projektarbeit des Netzwerks Nachqualifizierung eine wichtige Rolle. Im Besonderen rückten in 2012 die Ergebnisdarstellungen der in 2011 durchgeführten Erhebungen (Ergänzer-Studie sowie Bedarfs- und Potenzialerhebung in der Pflege) in den Kreisausschüssen und Arbeitsgruppen der Altenhilfeplanung in den Vordergrund. Durch die Mitgliedschaft in diversen Arbeitsgruppen und -kreisen wird das Netzwerk Nachqualifizierung immer stärker als kompetente Anlaufstelle rund um Nachqualifizierung in der Region wahrgenommen.
Die projekteigene Internetseite www.nachqualifizierung-mittelhessen.de wird, besonders was bestehende Nachqualifizierungsangebote als auch aktuelle Entwicklungen betrifft, regelmäßig aktualisiert. Im Jahr 2012 wurden 29.839 Zugriffe mit 74.820 Seitenaufrufen verzeichnet.
Die als Informations- und Präsentationsmaterial entwickelten Produkte lassen sich für das Jahr 2012 in zwei Kategorien einteilen: zum einen Veranstaltungsbezogenes, wie Ankündigungs- und Informationsplakate sowie Präsentationen für konkrete Veranstaltungen, zum anderen Materialien mit weiterführenden Informationen, auch zu einzelnen Themen rund um Nachqualifizierung. Besonders bei den Materialien der zweiten Kategorie wurde bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsgedanke direkt mitgedacht, d.h. die Nutzung dieser auch nach Ablauf des Projektes ist möglich und sichergestellt. Die „nachhaltigen Produkte“ wurden bereits bzw. werden noch in großer Stückzahl den Unternehmen, Multiplikatoren, Arbeitsmarktakteuren und Einzelpersonen ausgehändigt. Durch ein einheitliches Design in Grundfarbe und Bild sind der Wiedererkennungswert und die Bezugnahme auf das Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill sichergestellt.
Das Netzwerk Nachqualifizierung entwickelte die Broschüre „Nachqualifizierungsangebote bis zum Berufsabschluss 2012/2013“ für Unternehmen. In dieser sind alle bis Mitte 2012 vorhandenen regionalen Nachqualifizierungsangebote in einem einheitlichen Layout zusammengefasst. Ergänzt werden diese Angebote durch weiterführende Informationen rund um die Themen Nachqualifizierung und Externenprüfung. Dabei wird deutlich der Nutzen von Nachqualifizierung für Unternehmen hervorgehoben, sowie die Möglichkeit für unternehmensnahe Planung eröffnet. Die Broschüre wurde an mehr als 500 Unternehmen in der Region, verschiedene Unternehmensvertretungen, die Netzwerkpartner und -partnerinnen des Netzwerks Nachqualifizierung und an alle regionalen Bildungsdienstleister verschickt.
Im Jahr 2012 führte das Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill unter anderem zwei Veranstaltungen zum Thema Altenpflege durch. Im Mai wurde die „Kleine Tagung: Fachkräftegewinnung aus der zweiten Reihe“ für Pflegeeinrichtungen des Landkreises Gießen veranstaltet. Ziel war, neben der Sensibilisierung für das Fachkräftepotenzial bei den eigenen Angelernten und den Berufsrückkehrerinnen, die Einrichtungen für ein Nachqualifizierungsprojekt in der Altenpflege zu gewinnen. Außerdem wurde im November in Kooperation mit den Qualifizierungsbeauftragten der Landkreise Gießen und Lahn-Dill ein Aus- und Weiterbildungstag „Perspektive Altenpflege“ durchgeführt. Verschiedene Bildungsdienstleister der Regionen Wetterau, Gießen, Marburg, Lahn-Dill, Limburg und Siegen präsentierten ihr Qualifizierungsangebot im Bereich Altenpflege. Das Infomobil der Hessischen Qualifizierungsoffensive war vor Ort und zwei Vorträge zu den Themen kultursensible Pflege und Demenz rundeten die Veranstaltung ab. Alle Beteiligten waren sich einig, dass diese spezielle Altenpflege-Bildungsmesse ein festes Angebot in der Region werden sollte.
Die Präsenz in der lokalen Presse in 2012 war stark geprägt von den Ereignissen im Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill. Der Start einer Nachqualifizierung bei einem Großunternehmen, sowie der Einstieg in das Begleitprojekt „Mit MigrantInnen für MigrantInnen“ führten besonders in der ersten Jahreshälfte zu einer starken Pressepräsenz, auch bundesweit, die wiederum Nachfragen aus der Region generierte. Die Durchführung des Fachtages und des Aus- und Weiterbildungstages, beides im Bereich der Pflege, sowie die Teilnahme an den Ausbildungs- und Arbeitsmarktmessen Chance 2012 und Perspektive Vogelsberg führte ebenfalls zu einer starken Pressepräsenz. 

Auf- und Ausbau des Beratungsangebotes

 
Im Laufe des Jahres 2012 und aufgrund der Projektarbeit des Netzwerks Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill wurden thematische Einzelbereiche definiert, die für die Strukturentwicklung für Nachqualifizierung relevant sind (Beratung, Finanzierung, Angebotssuche, Zulassungsvorbereitung, Entwicklung von Nachqualifizierungsangeboten, Öffentlichkeitsarbeit). In 2013 wird das Netzwerk Nachqualifizierung diese Einzelbereiche auf der Ebene des Netzwerks an die jeweiligen Netzwerkpartner übertragen.

Aus der Beratungserfahrung des Jahres 2012 heraus wird es möglich, im Jahr 2013 eine „Beratungsmappe“ zu erstellen mit Handreichungen, Strukturvorschlägen und Hintergrundinformationen rund um das Thema Beratung in der Nachqualifizierung. Ein wichtiger Dokumentations-Bestandteil wird dabei der von den hessischen Projekten gemeinsam entwickelte NQ-Pass sein.

Auf- und Ausbau des Nachqualifizierungsangebotes

Für 14 Berufe wurden in der Region des Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill von verschiedenen Bildungsträgern Nachqualifizierungsangebote erarbeitet:
Die Stellenbesetzungsproblematik in der Altenpflege hat sich in den beiden Flächen-Landkreisen Gießen und Lahn-Dill zusehends verschärft. Offene Stellen lassen sich heute schon nicht mehr besetzen und die Anzahl der Ausbildungsverhältnisse stagniert. Hinzu kommt, dass bereits in 2015 zusätzlich 64 Altenpflegekräfte eingesetzt werden müssen (Erweiterungsbedarf), nur um den prognostizierten Mehrbedarf aus der wachsenden Anzahl an pflegebedürftigen Menschen decken zu können. Deshalb hat das Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill in 2012 einen Schwerpunkt auf die Gestaltung einer Nachqualifizierungsmaßnahme im Altenpflegebereich gelegt.
Ergebnis ist das Projekt „Arbeitsintegrierte Nachqualifizierung in der Altenpflege im ländlichen Raum“ (ANQA-L) für an- und ungelernte Beschäftigte in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen der Region. Mit Hilfe dieser Methode sollen 40 Beschäftigte im ersten Schritt zu AltenpflegehelferInnen (nach-)qualifiziert werden. Darauf bauend können die TeilnehmerInnen ihre Qualifizierung im Anschluss mit der verkürzten Ausbildung zum/zur examinierte/n AltenpflegerIn fortsetzen.
Kernelement bei ANQA-L ist das arbeitsintegrierte Lernen. Die Pflegearbeit ist nicht mehr nur Arbeit, sondern zugleich Lernquelle und Lernaufgabe. Der Inhalt des Ausbildungsrahmenplans wird in Lernbausteine unterteilt. Diese sind in den Arbeitsalltag zu integrieren. Maßgebliches Prinzip dabei ist: Praxis vor Theorie. Dabei lernt jede/r Teilnehmer/in in seiner eigenen Systematik, daraus resultiert die hohe Individualität der Qualifizierung. Jeder Lernbaustein schließt mit einer Prüfung ab. In einem Lernpass werden sowohl die Lernaufgaben, die Ergebnisse von Lernbausteinen und die Lernzeiten festgehalten.

Netzwerkarbeit

Das Netzwerk Nachqualifizierung Gießen – Lahn-Dill mit seinen 21 festen Netzwerkpartnern trifft sich in unterschiedlicher Besetzung mehrmals jährlich. Die Einbeziehung der politischen Spitzen der beiden Landkreise zeigt sich im Projektverlauf sehr positiv - insbesondere wenn es sich um die Öffnung von staatlich reglementierten Berufen wie z.B. in der Altenpflege oder bei den Erzieherinnen/Erziehern handelt. Parallel entwickeln sich Kooperationen mit den Bildungsträgern der Region, die in der Nachqualifizierung ein neues Betätigungsfeld für sich entdeckt haben.

Wir planen für 2012 die Definition einer regionalen Prozesskette Nachqualifizierung, inklusive definierter Schnittstellen der einzelnen Netzwerkpartner.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit ist neben der Beratung die wichtigste Aufgabe in unserem Projekt. Wir haben festgestellt, dass die Menschen in unserer Region, die Unternehmen und die Institutionen noch sehr wenig über die Möglichkeiten wissen, die Nachqualifizierung bietet. Deshalb schreiben wir regelmäßig Presseartikel für die lokale Presse und führen Veranstaltungen für die unterschiedlichen Zielgruppen durch. Eine sehr erfolgreiche Veranstaltung wurde in Kooperation mit den beiden Qualifizierungsoffensiven der Landkreise Gießen und Lahn-Dill organisiert. Teilgenommen haben rund 80 Unternehmer und Unternehmerinnen aus beiden Landkreisen.

Unsere Internetseite ist mit über 12.000 Seitenaufrufen im Jahr 2011 auch ein starkes Medium in der Öffentlichkeitsarbeit.

Aktuell stimmen wir mit den Netzwerkpartnern ein Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit ab, bei dem es primär darum geht, sie stärker in diese Arbeit zu integrieren.

Auf- und Ausbau des Beratungsangebotes

Es hat sich gezeigt, dass Nachqualifizierung ein sehr beratungsintensives Produkt ist. Sowohl Betriebe als auch potenzielle Teilnehmer haben in der Regel überhaupt keine Kenntnisse über die Möglichkeiten, die sich ihnen mit einer Nachqualifizierung bieten. Bis Dezember 2011 haben wir 63 Betriebe und 91 potenzielle Teilnehmerinnen/Teilnehmer in persönlichen Gesprächen beraten. Wir planen für 2012, einzelne Netzwerkpartner (z.B. die Qualifizierungsbeauftragten, die Jobcenter und Agenturen für Arbeit) für eine Nachqualifizierungsberatung zu schulen. Damit erreichen wir eine nachhaltige und verbesserte Beratungsstruktur, die auch nach Projektende Bestand hat.

Auf- und Ausbau des Nachqualifizierungsangebotes

Arbeitslose werden seit 2008 in folgenden Berufen nachqualifiziert:

  • Elektroanlagenmonteur/Elektroanlagenmonteurin
  • Maler und Lackierer/Malerin und Lackiererin
  • Hauswirtschafter/Hauswirtschafterin
  • Koch/Köchin
  • Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau
  • Gebäudereiniger/Gebäudereinigerin

Ab 2012 kommt hinzu: Maschinen- und Anlagenführer/Maschinen- und Anlagenführerin

Für folgende Berufe liegen Nachqualifizierungsangebote für Beschäftigte vor:

  • Maschinen- und Anlagenführer/Maschinen- und Anlagenführerin (Metall- und Kunststofftechnik)
  • Zerspanungsmechaniker/Zerspanungsmechanikerin
  • Industrieelektriker/Industrieelektrikerin
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Fachlagerist/Fachlageristin 
  • Bürokaufmann/Bürokauffrau
  • Fachangestellter für Bürokommunikation/Fachangestellte für Bürokommunikation

Für folgende Berufe wollen Bildungsträger 2012 Nachqualifizierungsmaßnahmen für Beschäftigte entwickeln:

  • Konstruktionsmechaniker/Konstruktionsmechanikerin
  • Einzelhandelskaufmann/Einzelhandelskauffrau
  • Verkäufer/Verkäuferin

Weitere Berufe können hinzukommen.

Für folgende Berufe sollen im Jahr 2012 Nachqualifizierungsmaßnahmen für Beschäftigte und/oder Arbeitslose entwickelt werden:

  • Ein o. zwei Berufe im Hotel- und Gaststättenbereich
  • Servicefahrer/Servicefahrerin oder Berufskraftfahrer/Berufskraftfahrerin
  • Ein Beruf im IT-Bereich
  • Examinierte Altenpflegerin /Examinierter Altenpfleger
  • Krankenpfleger/Krankenpflegerin

 

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

Erhebungen

 
Förderung
Durchführung