Salzwedel
Perspektive Zukunft Salzwedel, Sachsen-Anhalt, Förderlaufzeit: 01.09.2010-31.08.2013


Kontakt

BVH GmbH
Sankt-Georg-Straße 92
29410 Salzwedel

 

 


Die Region ist geprägt von sehr ländlichen Strukturen, einer geringen Infrastruktur und vorwiegend kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Größe der Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern liegt bei über 80%. Etwa 10% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Zielregion Altmark, dazu gehört der Altmarkkreis Salzwedel und Landkreis Stendal, haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Besonders stark betroffen sind die Branchen Metall, Elektro, Bau und Ausbau sowie Ernährung (25%, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt). Der Anteil der Arbeitslosen ohne anerkannten Berufsabschluss liegt bei 23,6% (Agentur für Arbeit, Kreisreport Mai 2010). Gleichzeitig ist die Zahl der Schulabgänger in den vergangenen Jahren um über 40% gesunken. Das Erwerbspersonenpotential sinkt und damit auch das Angebot der qualifizierten Fachkräfte. Eine ausreichende Versorgung mit Fachkräften über den Weg der Erstausbildung kann in Zukunft nicht mehr erwartet werden. Somit muss das vorhandene Potential in unserer Region nutzbar gemacht werden.

Für das Projekt „Perspektive Zukunft - Berufsabschlüsse durch modulare Nachqualifizierung“ ergeben sich für die Altmark ganz konkrete Handlungsbedarfe:

  1. Zielgruppenorientierte Erfassung des regionalen Nachqualifizierungsangebotes
  2. Beratung von An- und Ungelernten
  3. Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen
  4. Berücksichtigung der besonderen Interessen von An- und Ungelernten mit Migrationshintergrund sowie von An- und Ungelernten ohne Beschäftigung
  5. Sicherung des Fachkräftebedarfs

Die Strategie beinhaltet primär die Ermittlung und Aufbereitung von regionalen Bedarfen für Nachqualifizierung. Die drei unterschiedlich ausgerichteten Netzwerke „Regionale Bildungsdienstleister“, „Berufliche Nachqualifizierung“ sowie „Soziale Dienste“, die für das Projekt aufgebaut wurden, sollen auf bestehende Strukturen zurückgreifen und nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig wird das Vorhaben regionale abschlussorientierte Nachqualifizierungsangebote entwickeln sowie ein Beratungsnetzwerk aufbauen. Ein wesentlicher Punkt ist dabei die Sensibilisierung von Unternehmern und Unternehmerinnen sowie An- und Ungelernten.

Ergebnisse

Ergebnisse

Das Projekt "Perspektive Zukunft - Berufsabschlüsse durch modulare Nachqualifizierung" der Bildungsverbund Handwerk GmbH mit Sitz in Salzwedel hatte zum übergeordneten Ziel, die abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung als Regelangebot zur Fachkräftesicherung in der Altmark zu implementieren. Die vorliegenden Ergebnisse belegen, dass dieses Ziel erreicht wurde und das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Förderziele des BMBF-Programms leistete.
Nachhaltig wirkende Ergebnisse zu folgenden Aktivitätsschwerpunkten liegen vor:
* Aufbereitung und Weiterentwicklung regionaler Nachqualifizierungsangebote durch die wichtigsten regionalen Bildungsdienstleister.
* Erarbeitung eines "Altmärkischen Nachqualifizierungskataloges" zur Unterstützung sowohl von Unternehmen als auch von An- und Ungelernten bei der Auswahl passender Qualifizierungsangebote.
* Vorbereitung von Nachqualifizierungsberaterinnen und -beratern auf ihre bedarfsorientierte Beratungstätigkeit.
* Intensive Netzwerkarbeit unter Einbindung aller regionalen Arbeitsmarkt- und Berufsbildungsakteure; Implementierung von drei Netzwerken: das Netzwerk "Berufliche Nachqualifizierung" unterstützte das Projektteam bei der Ermittlung der Nachqualifizierungsbedarfe; das Netzwerk "Bildungsdienstleister" eruierte den Stand der regionalen Nachqualifizierungsangebote und forcierte die bedarfsorientierte Neuentwicklung von Angeboten; das Netzwerk "Soziale Dienste" beschäftigte sich mit Fragen der Weiterbildungsbegleitenden Hilfen und des Diversity Managements.
* Zusammenführung der Netzwerkaktivitäten und Schaffung von Strukturen für eine nachhaltige Etablierung und Umsetzung der Nachqualifizierung in der Altmark; hierzu gehörte auch die gemeinsame Entwicklung von Arbeitsmaterialen, Instrumenten und die Setzung regional abgestimmter Standards.

Fazit

Bedingt durch die Projektarbeit erhöhte sich regional die Nutzung der Nachqualifizierungsangebote; insbesondere zu Projektende zeigte sich verstärkt das Unternehmensinteresse an diesem Instrument für die Deckung des Fachkräftebedarfs in der Region. Ausschlaggebend für die wirtschaftliche Anschlussnutzung ist neben den vorhandenen betrieblichen Bedarfen die Sicherung der Fördermöglichkeiten und die bedarfsorientierte Gestaltung der Förderbedingungen z.B. durch die Agentur für Arbeit.
Sichergestellt ist auch die weitere Zusammenarbeit der regionalen Netzwerkakteure; die Bildungsdienstleister werden Angebote vorhalten und bei Bedarf neue entwickeln. Auch zukünftig werden die Bildungsanbieter und die Sozialen Dienste der Region als kompetente Ansprechpartner fungieren und das bildungspolitische Instrument "Nachqualifizierung" bewerben.
Durch die Modulentwicklungen für die beiden Berufe "Hauswirtschafter/-in" und "Landwirt/-in" ergeben sich zukünftig neue Anwendungsgebiete für die Nachqualifizierung. Die bereits angebahnte und zum Teil schon erfolgreich begonnene Zusammenarbeit mit den Bauernverbänden der Region, dem Landesbauernverband Sachsen-Anhalt sowie dem Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt wird fortgesetzt und intensiviert werden.

Produktentwicklung

In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Bildungsdienstleister“ wurden die regionalen Bildungsangebote unter den Gesichtspunkten „Modularisierung“ und „Zertifizierung“ erfasst. Entstanden ist der „Altmärkische Nachqualifizierungskatalog“ als Übersicht über das modulare Nachqualifizierungsangebot. Der Katalog enthält 56 modularisierte Berufsausbildungen in 27 Berufsfeldern. Im Halbjahres-Rhythmus werden die Angebote überprüft und der Katalog entsprechend aktualisiert. Damit wurde die Grundlage für die Implementierung der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung als Regelangebot in der Region geschaffen.

Auch die Entwicklung einheitlicher Qualitäts- und Verfahrensstandards wurde durch ein weiteres Produkt erfolgreich initiiert. Ein „Handlungsleitfaden zur Umsetzung der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung“ beschreibt für alle Netzwerkpartner einheitliche Vorgehensweisen bei der Umsetzung einer abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung. Standardisierte Formulare unterstützen dabei ihre Arbeit. Hierdurch werden einheitliche Qualitäts- und Verfahrensstandards geschaffen, die auch den Aufbau von Beratungskompetenzen durch Multiplikatorenschulungen orientieren.

Aufbau von Beratungskompetenzen

Im Oktober wurde mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen drei Netzwerken ein Workshop durchgeführt, um ihnen Beratungskompetenzen zu vermitteln. Grundlage war ein hierfür entwickelter Handlungsleitfaden. Neben der Vermittlung von Strategien zur Verdeutlichung der Vorteile von Nachqualifizierung für An- und Ungelernte aber auch für Unternehmen wurden die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer nochmals auf § 45 Abs. 2, Satz 2 BBiG hingewiesen. Dort wird betont, dass für eine Zulassung zur Externenprüfung die berufliche Erfahrung nicht notwendiger Weise das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, nachgewiesen werden muss, sondern dass auch auf andere Weise, zum Beispiel durch eine Nachqualifizierung, glaubhaft gemacht werden kann, dass die berufliche Handlungsfähigkeit vorliegt.

Neues Modulkonzept Hauswirtschaft

In Zusammenarbeit mit dem Landesverwaltungsamt, Referat Ländliche Räume, Fischerei –„Zuständige Stelle“ -, wurde der Beruf „Hauswirtschafter / Hauswirtschafterin“ modularisiert. Grundlage für die Modularisierung sind die Lernfelder des Rahmenplans für die Berufsausbildung. Dem Rahmenplan wurden die Ausbildungsinhalte des Ausbildungsrahmenplans zeitlich und sachlich zugeordnet, womit alle zu erbringenden Ausbildungsinhalte berücksichtigt wurden. Wie bei allen anderen Nachqualifizierungsmaßnahmen auch muss jedoch jeder Einzelfall geprüft werden. Auf der Basis einer Kompetenzbilanzierung kommen am individuellen Bedarf orientierte Module zum Einsatz, die gezielt auf die Externenprüfung vorbereiten. Bei der Entwicklung und Implementierung der hierfür erforderlichen Verfahren hat das Landesverwaltungsamt ebenfalls seine Unterstützung zugesagt.

Modulkonzept Landwirtschaft in Vorbereitung

Noch in der Abstimmung befindet sich ein neues Modulkonzept ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Landesverwaltungsamt für den Beruf Landwirt. Hier ist federführend das Zentrum für Technik und Tierzucht als zuständiges Ausbildungszentrum eingeschaltet. Im Hinblick auf die demographische Entwicklung wird für die landwirtschaftlich geprägte Altmark hierfür in nächster Zeit ein erheblicher Nachqualifizierungsbedarf erwartet.

Die Vertreter der Netzwerke „Soziale Dienste“ und „Berufliche Nachqualifizierung“ haben seit Anfang des Jahres im Rahmen ihrer Runden Tische die Angebote für Weiterbildungsbegleitende Hilfen und die regional erforderlichen Nachqualifizierungen analysiert und unter dem Fokus der modularen Nachqualifizierung aufbereitet. Ausgangspunkt waren hier die Bedarfe der Betriebe und die damit verbundenen Anforderungen an die Aktivitäten der Netzwerke. Während die weiterbildungsbegleitenden Hilfen von den sozialen Diensten noch weiter konkretisiert werden müssen, sind die modularisierten Nachqualifizierungsangebote der Bildungsdienstleister weitgehend zusammengestellt und sollen Ende September in einem „Altmärkischen Nachqualifizierungskatalog“ der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Daneben findet die Abstimmung für die Bildung eines Beraternetzwerks statt, das Arbeitnehmer und Betriebe gezielt auf die berufliche Nachqualifizierung ansprechen soll.

Gleichzeitig wurden auch die ersten Beratungsgespräche mit An- und Ungelernten durchgeführt, wobei der Bedarf an einer Nachqualifizierung aus Sicht der angesprochenen Betriebe noch sehr zurückhaltend beurteilt wird. Die Rückmeldungen aus Innungsversammlungen wie der Elektro-, Metallbau-, Tischler-, Fleischer- und KfZ-Innung zeigen, dass bei weiter zunehmendem Fachkräftebedarf die Nachqualifizierung an- und ungelernter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein neues Gewicht bekommen könnte, um dadurch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gegenwärtig wird überwiegend noch mit dem vorhandenen Fachkräftepotenzial der Auftragsbestand erledigt oder es wird mit der Abwerbung von anderen Unternehmen kalkuliert.

 

Projekt­darstellungen

Arbeits­materialien

  • Qualifizierungspass

    [PDF - 308,2 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Qualifizierungspass_Perspektive_Zukunft_260811.pdf)

  • Interviewleitfaden Unternehmen

    [PDF - 202,6 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Interviewleitfaden_Unternehmen.pdf)

  • Berater-Handbuch für die Umsetzung einer professionellen Nachqualifizierungsberatung in der Altmark

    [PDF - 474,2 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Handbuch_Beraterschulung_231111.pdf)

  • Erstfragebogen Unternehmen

    [PDF - 236,1 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Fragebogen_Unternehmen.pdf)

  • Fragebogen Institutionen soziale Dienste

    [PDF - 191,8 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Fragebogen_Leistungsspektrum.pdf)

  • Erstfragebogen An- und Ungelernte

    [PDF - 240,2 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Fragebogen_An_und_Ungelernte.pdf)

  • Erhebungsbogen Erstberatung

    [PDF - 231,1 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Datenerhebung_An_und_Ungelernte.pdf)

  • Altmärkischer Nachqualifizierungskatalog

    [PDF - 560,0 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/downloads/Downloads_Projekte_Nachqualifizierung/Nachqualifizierung_Salzwedel_Altmaerkischer_Nachqualifizierungskatalog.pdf)

 
Förderung
Durchführung